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19. November 2017 | 17:19 Uhr

Theater-Sparten auf der Abschussliste

vom

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erstellt am 19.Apr.2013 | 07:49 Uhr

Rostock | Das Tanztheater und das Theater im Stadthafen sind in akuter Gefahr. Der Aufsichtsrat empfiehlt eine Schließung der Spielstätte und des Balletts - wenn die Stadt nicht eine halbe Million Euro zur Rettung aufbringt. Damit steht das Vier-Sparten-Theater, an dem eine Mehrheit der Bürgerschaft und die Kultursenatorin Liane Melzer (SPD) bislang festgehalten hatten, auf der Kippe.

Der Aufsichtsrat verabschiedete die Empfehlung auf seiner Sitzung am Mittwochabend, bei der abermals die finanzielle Situation der Theater GmbH für hitzige Diskussionen gesorgt hatte. Denn wie schon jetzt absehbar ist, fehlt 2014 eine halbe Million Euro im Theateretat. Wie Theater-Geschäftsführer Stefan Rosinski dem Aufsichtsrat vorrechnete, kann das Haus ohne Hilfe von außen die jetzige Struktur nicht mehr halten. "Bei Beträgen in dieser Größenordnung gibt es keine anderen Möglichkeiten", sagt er. Nach Angaben von Melzer, die auch Vorsitzende im Aufsichtsrat ist, habe sich das Gremium mit der Entscheidung schwer getan. Sie befürchtet, dass es in der Bürgerschaft keine Mehrheit für einen erneuten Zuschuss geben wird.

Zunächst ist die Verwaltung am Zug: Sie muss der Bürgerschaft eine Beschlussvorlage präsentieren, in der die Konsequenzen aufgezeigt werden. Danach kann sich die Bürgerschaft als Gesellschafter entscheiden: zahlen oder schließen? "Die Schließungen wären Zwangsmaßnahmen, um den Bestand des Betriebes zu sichern. Kulturpolitisch wären sie eine Katastrophe", sagt Rosinski.

Die schwere Entscheidung hätte sich Rostock ersparen können, meint die SPD. "Diese Maßnahmen wären vermeidbar gewesen, wenn die Mehrheit der Bürgerschaft und der Oberbürgermeister die Verhandlungen mit dem Land über eine Neuordnung der Theaterlandschaft in MV mit Nachdruck aufgenommen hätten", sagt der Fraktionsvorsitzende Dr. Steffen Wandschneider. Denn das SPD-geführte Kultusministerium habe Rostock längst finanzielle Unterstützung in Höhe von 500 000 Euro zugesagt - unter der Voraussetzung, dass die Hansestadt bei den Fusionsgesprächen mit Schwerin kooperiert. "Da sich Rostock aber aus den Gesprächen mit dem Land und der Stadt Schwerin verabschiedet hat, stehen diese Gelder nicht mehr zur Verfügung."

Dass das Geld dem Rostocker Volkstheater trotzdem zusteht, meint Dr. Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09. Denn die halbe Million sei nicht als Verhandlungsbonus, sondern als Sonderbedarfszuweisung angekündigt worden, nachdem Rostock während der Schließung des Großen Hauses kräftige Besuchereinbußen zu verkraften hatte.

Auch Melzer hat die Zahlung vom Land noch nicht abgeschrieben. "Es gibt bislang keine klare Aussage, ob das Geld kommt oder nicht", sagt sie. Mit der Entscheidung über eine Spartenreduzierung habe Rostock wegen der akuten Finanznot jedoch nicht länger warten können. "Ansonsten gerät der gesamte Betrieb in Schwierigkeiten", so die Senatorin. Erst im Januar wurde eine Insolvenz in letzter Minute abgewendet.

Wenn weder Land noch Bürgerschaft einspringen, würde die Tanzsparte zum Ende der Spielzeit 2013/14 dichtgemacht. Der Mietvertrag für das Theater im Stadthafen müsse zum Ende dieses Jahres gekündigt werden. Dem Schauspiel würde damit seine Hauptspielstätte wegbrechen. Melzer hofft zwar, dass die Schauspielsparte ins Große Haus integriert werden kann. Tatsächlich müssten sich dann aber alle verbleibenden Sparten Bühnen und Vorstellungstermine teilen. Das bedeutet ein Zusammenschrumpfen des Spielplans. Im Theater im Stadthafen werden besonders die Kinder- und Jugendstücke gezeigt.

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