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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. November 2017 | 18:58 Uhr

Theater soll den Gürtel enger schnallen

vom

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erstellt am 14.Feb.2012 | 08:26 Uhr

Rostock | Unseriös, bedenklich, populistisch - die Fraktionen der Bürgerschaft laufen Sturm gegen den von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) ausgerufenen Sparkurs für das Volkstheater. "Offensichtlich braucht er nicht mal 14 Tage, um sein Wahlversprechen zu brechen", kritisiert Steffen Bockhahn (Linke), Vorsitzender des Finanzausschusses. Denn ein Vier-Sparten-Theater, da sind sich alle Fraktionen einig, ist mit den drastischen Kürzungen, die der OB fordert, nicht machbar.

"Wir müssen jetzt die Weichen stellen, damit wir unser neues Stadttheater ab 2018 auch mit einem Ensemble bespielen, das wir uns leisten können", erklärt Methling. Was er sich darunter vorstellt: Das Theater soll künftig mit rund fünf Millionen Euro weniger an öffentlichen Zuschüssen auskommen. Von 17,5 Millionen in diesem Jahr bis 2020 also auf 12 bis 14 Millionen Euro abspecken. Dabei setzen sich die Zuschüsse 2012 aus Mitteln des Finanzausgleichsgesetzes und kommunalen Geldern zusammen. Aus der Stadtkasse fließen laut Bürgerschaftsbeschluss bis 2014 jährlich rund 7,9 Millionen Euro in die Theater GmbH. 2012 kommt ein Mehrbedarf von 1,4 Millionen hinzu, der kommunal gedeckt wird. Die Diskussion um die Zukunft des Theaters laufe nun schon seit mehr als zehn Jahren, so Methling: "Und seit über zehn Jahren fehlt anscheinend manchen der Mut für Entscheidungen."

Kultursenatorin Dr. Liane Melzer (SPD) warnt: "Wenn die Stadt ihre Zuschüsse so drastisch senkt, könnte auch das Land seine Zuweisungen reduzieren. Das ist ein Risiko, das ich nicht eingehen möchte." Die 14 Millionen Euro, die Methling nun vorgibt, sind für sie völlig neu. "Ich sehe im Moment keine Möglichkeit, auf dieser Basis Überlegungen anzustellen." Von Seiten Methlings musste Melzer sich in diesem Zusammenhang wieder einmal Kritik gefallen lassen. Ein inhaltliches und finanzielles Konzept für das Volkstheater fehle noch immer, so der Rathaus-Chef. Melzer wehrt sich. Die Theater-Geschäftsführung und sie seien in enger Abstimmung mit der Erarbeitung des Konzepts beschäftigt. Ein erster Teil liegt bereits vor, der zweite werde voraussichtlich im April fertig.

CDU-Fraktionsvorsitzender Prof. Dieter Neßelmann ist zuversichtlich, dass die Theater-Geschäftsführung auf einem guten Weg ist bei der Erarbeitung des Konzeptes: "Aber so etwas braucht Zeit. Es ist nicht fair, das auf die Senatorin abzuschieben." Den Vorstoß des OB, dass das Theater mit nur noch 14 Millionen Euro wirtschaften soll, hält Neßelmann für bedenklich und schwer erreichbar, wenn das Vier-Sparten-Theater erhalten werden soll: "Und das ist ja die Beschlusslage, hinter der alle Fraktionen stehen." Dass das Theater langfristig mit weniger Zuschüssen auskommen muss, ergibt sich für Johann-Georg Jaeger, Fraktionsvorsitzender der Grünen, schon allein aus der Tatsache, dass die Stadt ihren Zuschuss perspektivisch absenken will: "Aber Roland Methling geht noch viel weiter." Zunächst müsse sich die Bürgerschaft darauf einigen, was für ein Theater sich die Stadt leisten will. Dann sei auch das Gespräch mit dem Land zu suchen. "Das Volkstheater dermaßen unter Druck zu setzen mit einer Forderung, die über das Machbare hinausgeht, geht nicht", so Jaeger.

SPD-Vorsitzender Dr. Steffen Wandschneider findet härtere Worte: "Einfach unkommentiert eine Zahl von 12 bis 14 Millionen in den Raum zu stellen, ohne konstruktive Vorschläge dazu, das finde ich schlichtweg unseriös." Klar könne sich das Theater einer Konsolidierung nicht verschließen, aber mit solchen Aussagen schüre der OB Ängste bei den Theater-Mitarbeitern. Schließlich sind mehr als 80 Prozent der Ausgaben der städtischen Bühne Personalkosten. "Außerdem torpediert so ein Vorstoß auch jede Debatte über einen Neubau. Das ist kontraproduktiv", findet Wandschneider.

Dr. Sybille Bachmann, Fraktionsvorsitzende des Rostocker Bunds, schimpft: "Erneut schlägt der Oberbürgermeister unrealistische Kürzungen beim Theater vor und garniert dies populistisch mit der allgemeinen Haushaltslage und der angeblichen Fürsorge für die gesamte kulturelle Szene." Ein Vier-Sparten-Theater werde nicht für weniger als 16 Millionen zu haben sein. "Letzte Woche waren noch 100 Millionen für das Rostocker Oval da und jetzt gibt es eine große Welle wegen vergleichsweise kleiner Beträge", kritisiert Bockhahn.

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