Sparkonzept : Theater fordert Umdenken ein

Vor der Sitzung fordern Intendant Sewan Latchinian (l.) und Friederike Drews von der Initiative Volkstheater einen offenen Diskurs von Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche.
Vor der Sitzung fordern Intendant Sewan Latchinian (l.) und Friederike Drews von der Initiative Volkstheater einen offenen Diskurs von Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche.

Kaufmännischer Geschäftsführer bringt Hybridmodell ins Spiel / Bürgerschaft: Bühne muss Neubau erst ab Einzug abbezahlen

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20. Januar 2016, 22:32 Uhr

Das Volkstheater soll erst ab dem Einzug in die neue Bühne deren Baukosten abbezahlen. Das hat die Bürgerschaft gestern untermauert und damit einen Widerspruch des Oberbürgermeisters zurückgewiesen. Dieser wollte schon ab 2018 rund 1,2 Millionen Euro des öffentlichen Zuschusses in Gesamthöhe von 16,7 Millionen Euro für die Abbezahlung des Neubaukredits nutzen. Das scheint nun vom Tisch.

Die Debatte um mögliche Spartenschließungen bekommt dessen ungeachtet neuen Schwung. Stefan Rosinski, kaufmännischer Geschäftsführer des Volkstheaters, hat am Dienstag ein 30 Seiten starkes Konzept vorgelegt, in dem er ein „Hybridmodell“ ins Spiel bringt. Dieses wendet sich gegen die von der Verwaltung vorgelegte Variante Schließung der Musiktheater- und Tanzsparte. „Die verbleibende Betriebsstruktur von Schauspielensemble und Orchester ist inkonsistent, da es zu wenige Schnittstellen gibt“, schreibt Rosinski. Zudem müssten 78 Stellen abgebaut werden, davon 40 durch betriebsbedingte Kündigungen mit 1,1 Millionen Euro Abfindungen.

Stattdessen schlägt er „eine Teilverflüssigung der Sparte Schauspiel mit den Modulen Produktion, Koproduktion und Gastspiel“ vor. Der Bereich sei am flexibelsten und daher am einfachsten zu verschlanken. Kinder und Jugendliche sollen über ein stehendes Schauspiel-Kernensemble bedient werden, das Musik- als Ensembletheater erhalten bleiben. Zudem sieht das Konzept die Gründung einer Landestanzcompagnie und den vollständigen Erhalt des Orchesters vor. Dieses Hybridmodell setze allerdings voraus, dass auch über die Laufzeit der Zielvereinbarung bis 2020 hinaus freie Mittel für Schauspielproduktionen vorhanden seien, so Rosinski. Außerdem „bedarf ein solches Betriebsmodell einer intensiven Vorbereitung. Ein Zeitvorlauf von anderthalb Jahren ist nicht ausreichend“, so der Geschäftsführer.

Er kritisiert, dass es zuletzt keinerlei Fortschritt in Bezug auf den angestrebten Neubau gegeben habe. „Heute ist das Volkstheater in einer Weise in seinem Bestand gefährdet, die baldiges Handeln erfordert“, schreibt er. Die Besucherzahlen seien seit der technisch bedingten Hausschließung 2011 nachhaltig – zuletzt auf den niedrigsten Stand seit der Wende – gesunken. Und die Zielvereinbarung mit dem Land führe ab 2017 zu einem steigenden Defizit. Der Mehrbedarf liege bei einer Million Euro plus regelmäßigem Ausgleich der Tariferhöhungen.

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