Gerichtsreport : Testosteron als Mitbringsel

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Eine 29-Jährige schmuggelt 39 Ampullen mit dem Hormon in die JVA Waldeck und legt Geständnis ab.

svz.de von
11. Juli 2014, 09:00 Uhr

Zu Besuch bei einem nahen Verwandten in der JVA Waldeck soll Nicole M. nicht nur Duschgel und andere Dinge des täglichen Bedarfs mitgebracht haben, sondern auch 39 Ampullen mit dem Hormon Testosteron. Seit gestern muss sich die 29-Jährige nun vor dem Rostocker Amtsgericht verantworten. Die Rostocker Staatsanwaltschaft beschuldigt sie, gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen zu haben.

Im Februar des vergangenen Jahres hatte die Rostockerin die Erlaubnis erhalten, einem nahen Verwandten, der in der Justizvollzugsanstalt Waldeck seine Strafe verbüßte, einen Besuch abzustatten. Geschenke und dringenden Bedarf für den Gefangenen hatte sie in eine Reisetasche verstaut, die sie dem Verwandten übergab. Bei der Routinekontrolle fanden die Beamten aber nicht nur die alltäglichen Dinge, sondern unter den Mitbringseln auch 39 Ampullen mit Testosteron, das Königshormon des Mannes, gedacht zur Ausbildung der Muskelmasse und der Muskelkraft.

Nicole M. legte bereits in der ersten polizeilichen Vernehmung ein Geständnis ab. Die Staatsanwaltschaft honorierte das mit dem Angebot der Einstellung des Verfahrens gegen die Zahlung einer Geldauflage von 300 Euro. Das war möglich, weil sie bisher straffrei durchs Leben gegangen ist. Aber die junge Frau lehnte das ab und bekam nun einen Strafbefehl. Der legte eine Geldstrafe von 40 Tagesätzen zu je 15 Euro fest, also eine Strafe von 600 Euro. Ihr damaliger Verteidiger riet ihr, wegen der Höhe der Geldsumme gegen den Strafbefehl Einspruch einzulegen, und nicht zu bezahlen, was sie auch tat.

Nicole M. hatte gestern großes Glück. Der Vorsitzende Richter und der Staatsanwalt waren sich einig, dass sie wegen des fehlerhaften Rates des Verteidigers keinen Nachteil haben sollte. Sie erneuerten ihr Angebot, das Verfahren vorläufig einzustellen, wenn sie denn bereit ist, eine Geldauflage von 450 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen und auf die Rückgabe der 39 Ampullen Testosteron zu verzichten. Nicole M. stimmte sofort zu, bat aber um die Möglichkeit, die Strafe in 50-Euro- Raten begleichen zu können, da sie nur über ein Hartz IV- Einkommen verfüge. Damit war das Gericht nicht einverstanden. Es legte fest, dass sie ab August 2014 in drei Monatsraten je 150 Euro an den Verein zur Unterstützung krebskranker Kinder in Rostock zahlen muss. „Ein bisschen Strafe muss sein“, sagte der Richter am Schluss. Das Verfahren wird aber erst dann endgültig eingestellt, wenn die gesamte Strafe bezahlt ist und dem Gericht die Belege darüber vorliegen.


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