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23. November 2017 | 19:44 Uhr

"Teebeutel" als Therapie

vom

svz.de von
erstellt am 12.Jun.2013 | 05:46 Uhr

Rostock | Die Zahlen zu Blutvergiftungen und folgendem Organversagen sind erschreckend. Jedes Jahr müssen Ärzte auf deutschen Intensivstationen mehr als 200 000 Patienten mit diesem Krankheitsbild behandeln, etwa 60 000 sterben. "Bei den meist älteren Patienten ist Sepsis die Folge einer Lungenentzündung, einer Operation oder auch eines Unfalls", sagt der Rostocker Nierenspezialist Steffen Mitzner. Letztlich bricht das Immunsystem unter der Dauerbelastung zusammen. "Die Immunzellen sind erschöpft. Dann wird gestorben, wir Ärzte sind hilflos", beschreibt Mitzner das drängende Problem, das zudem Kosten in Milliardenhöhe verursacht.

Als eine Art weiterentwickelte Blutreinigung (Dialyse) hat Mitzner zusammen mit anderen Forschern ein Immun-Unterstützungssystem außerhalb des Körpers (EISS) entwickelt.

Ein wenig respektlos bezeichnet Mitzner den Prototyp des Geräts mit seinen verwirrend vielen Schläuchen und Schaltern als "Teebeutel" am Patientenbett. Denn wie in einem Teebeutel wird in dem Gerät entlang einer Mem-bran das kranke, mit Gift- und Abfallstoffen belastete Blutplasma des Patienten mit gesunden Immunzellen eines Spenders mit gleicher Blutgruppe in sehr engen Kontakt gebracht. "Diese Zellen sind heiß und wollen sich in den Kampf stürzen", schildert Mitzner anschaulich. Die Spenderzellen kommen dabei aber nie in den Körper der Patienten, so kann es auch nicht zu einer Abwehrreaktion kommen.

In jeweils mehrstündigen Umläufen holen Immunzellen die Giftstoffe aus dem Blut der Patienten. Darüber hinaus geben sie immunaktivierende Substanzen ab, die zur Gesundung beitragen. In deren Blut sei ein signifikanter Anstieg von entsprechenden Markern festgestellt worden. "Das Immunsystem der Patienten kann für Stunden oder wenige Tage auf Kur gehen und sich in dieser Zeit regenerieren." Die Ergebnisse von Tierversuchen und einer ersten klinischen Studie an 20 Patienten seien ermutigend, betonte Mitzner.

Nach Worten des Jenaer Sepsis-Experten Michael Bauer spielt die extrakorporale Sepsistherapie eine erfolgversprechende Rolle bei der künftigen Behandlung. Vor allem die Abgabe der immunaktivierenden Substanzen sei spannend. "Wir haben erkannt, dass die Sepsis auch einen komplexen Immundefekt darstellt und dass das Immunsystem stimuliert werden muss."

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