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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. Oktober 2017 | 04:43 Uhr

Theater in Warnemünde : Team will provozieren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

„Trixi von Adler“ ist im Doppelsinn eine Premiere. Regisseur und Schauspielerin entwickelten das Stück selbst. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 04.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Dieses Mal ist der Stoff der Premiere am Freitag um 20 Uhr in der Kleinen Komödie Warnemünde aus einem anderen Strickmuster gewebt als bei den zwei zurückliegenden Stücken. Es geht streckenweise zwar auch heiter zu, aber eine Welle von Schenkelklopfern ist nicht zu erwarten. Das Anliegen ist zu ernst: Bei „Trixi von Adler“ werden die Finger in derzeitige politische Wunden gelegt. Damit wollen die Künstler den Rechtsruck in der Gesellschaft ins Blickfeld rücken.

Mit dieser Stückentwicklung wenden sich Regisseur Christof Lange und Schauspielerin Sandra-Uma Schmitz einem anderen Metier zu. Es ist vielleicht ein wenig Politiksatire zu spüren. In dem Stück will die Frontfrau der Partei Aufruf völkischer Deutscher Trixi von Adler (Sandra-Uma Schmitz) kurz vor der Bundestagswahl eine Dankesrede vorbereiten. „Wir verstehen es keinesfalls als Agitprop-Veranstaltung“, betont Schmitz. Die Ähnlichkeiten der Figur Trixi von Adler zu lebenden AfD-Politikerinnen sind nicht zufällig, sondern ganz bewusst inszeniert. „Wir möchten künstlerisch provozieren“, so die Schauspielerin. Denn sie und Lange finden das von der AfD gezeichnete Frauenbild und die gesellschaftliche Entwicklung in diesem politischen Lager absurd. Während sich Trixi von Adler für das Sprachrohr der Durchschnittsdeutschen hält, ist die Politikerin in ihrer Berliner Loftwohnung ganz weit weg von ihnen. Sie modelliert sich innerlich eine braune Landschaft, in der die Homoehe abgeschafft wird, Flüchtlinge hinter die Landesgrenzen zurückgebracht werden und die deutsche Frau ihren Platz am Herd einnimmt. „Die Crux bei Trixi von Adler sind die Widersprüche, die sie in sich trägt“, erklärt Schmitz. Für die Schauspielerin ist es ein politisches, brisantes und irgendwie notwendiges Stück.

Bei der Erarbeitung war vieles anders: Es lag kein fertiges Textbuch vor. Regisseur und Schauspielerin haben sich durch meterweise Bücher und Zeitungsartikel gelesen. „Es war wirklich nicht schön zu erkennen, dass es bei Auszügen aus aktuellen Parteiprogrammen in Formulierungen Ähnlichkeiten zu einigen aus dem Nationalsozialismus gegeben hat“, vergleicht Schmitz.

Sechs Wochen dauerte die Probezeit, die Erarbeitung insgesamt ein halbes Jahr.

Die Premiere ist fast ausverkauft, die nächsten Vorstellungen sind am 14. und 15. Januar.

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