Organspende : Tausende warten auf ihr zweites Leben

Spender und Empfänger: Tochter Sarah schenkte ihrem Vater eine Niere.
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Spender und Empfänger: Tochter Sarah schenkte ihrem Vater eine Niere.

Selbsthilfegruppe-Mitglieder werben anhand eigener Erfahrungen für die Organspende

svz.de von
27. August 2016, 16:00 Uhr

Horst Gördel genießt ein neues Leben: Drei Jahre ist es bereits her, dass ihm eine neue Niere transplantiert wurde. Gespendet hat ihm das Organ die eigene Tochter. „Ich bin überaus dankbar, dass sie sich bereit erklärt hat, mir eine ihrer Nieren zur Verfügung zu stellen“, sagt Gördel. Denn dadurch sei ihm eine unangenehme Dialyse erspart geblieben. Zudem habe sich seine Lebensqualität erheblich verbessert. „Ich bekam eine zweite Chance mich an meinem Leben zu erfreuen“, ergänzt der ehemalige Polizist.

Gemeinsam mit den Mitgliedern der Selbsthilfegruppe für Lebendspender warb der 65-Jährige gestern auf dem Universitätsplatz für die Organspende. Er will den Mitbürgern anhand der eigenen Erfahrungen die Angst vor dem Thema nehmen. Potenzielle Spender konnten sich mit ihren Fragen direkt an ihn und die anderen Mitglieder wenden. „Unser wichtigstes Ziel ist es, die Leute zu erreichen und für diese Thematik zu sensibilisieren“, sagt Vorstandsvorsitzende Brunhilde Ernst.

Gördel betont, dass besonders in Familien keine Scheu herrschen sollte, offen über das Thema Organspende zu sprechen. Viele würden sich aber mit dieser Angelegenheit nicht auseinandersetzen wollen. „Ein offenes Gespräch sorgt in vielen Fällen für Klarheit. Es darf jedoch kein Druck gemacht werden. Jeder muss aus freien Stücken entscheiden, ob er für eine Organspende bereit ist“, ergänzt Gördel. Seine Tochter Sarah hat sich frei entschieden. Für sie sei es selbstverständlich gewesen, ihrem Vater mit einer Niere zu helfen.

Derzeit stehen über 10 000 Menschen auf den Wartelisten für eine Organtransplantation. Pro Tag sterben drei Menschen, weil ihnen nicht mehr geholfen werden kann. „Dem muss man langfristig entgegenwirken, denn bereits seit 2012 stagniert die Organspende“, sagt Prof. Ernst Klar, Direktor der Transplantationschirurgie an der Unimedizin Rostock. In Deutschland stehen nur etwa elf Spender für eine Million Einwohner zur Verfügung. MV liege mit knapp 19 Spendern zwar über dem bundesweiten Durchschnitt, die Zahl könne aber mindestens doppelt so hoch sein, ist Klar sicher.

Um mehr auf die Organspende aufmerksam zu machen, wollen sich in Zukunft auch die Krankenkassen weiter engagieren. Bereits in der Vergangenheit wurden Schreiben mit dem Anliegen versendet, sich mit der Spende von Organen zu beschäftigen. Die nächsten Briefe werden voraussichtlich 2017 verschickt. Dann erst wieder in einem Intervall von fünf Jahren.

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