Taucher entdecken "Rex"

<fettakgl>Der Stolz der schwedischen Reederei </fettakgl>Sverige-Kontinenten, die 'Rex', lief vor Lohme auf Grund. <foto>Dapd </foto>
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Der Stolz der schwedischen Reederei Sverige-Kontinenten, die "Rex", lief vor Lohme auf Grund. Dapd

svz.de von
16. Juli 2012, 07:47 Uhr

Lohme | Einst war er Schwedens größter und elegantestes Postdampfer. Keine drei Jahre lang pendelte das nagelneue 69 Meter lange Vorgängerschiff der späteren Königslinie zwischen Sassnitz und Trelleborg. Dann lief die "Rex", der Stolz der schwedischen Reederei Sverige-Kontinenten, in einer Sturm- und Nebelnacht im Winter 1900 bei Lohme auf Rügen auf Grund. Jetzt haben Forschungstaucher des Rostocker Vereins Archaeomare und des Meeresmuseums Stralsund die Überreste des legendären Dampfers nur ein paar Hundert Meter vom Ufer entfernt in weniger als drei Metern Tiefe wiederentdeckt.

Viel sei nicht mehr übrig von dem seinerzeit abgewrackten Schiff, sagt Taucheinsatzleiter Thomas Förster. Von Algen und Muscheln überwachsen seien an einer schwer zugänglichen Stelle zwischen Lohme und Nardevitz Reste der etwa 30 Meter langen eisernen Rumpfschale sowie Bleirohre, Messingbeschläge der einst teuren Ausstattung und zerbrochene Schiffsfenster entdeckt worden. Die Ergebnisse werden nun in die computergestützte Fundstellendatenbank des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen.

Zeitzeugen hatten die "Rex" oft auch als "schwimmenden Wollsack" bezeichnet. Ihre große Windangriffsfläche wurde ihr in der Nacht zum 27. Februar 1900 zum Verhängnis. Ein Oststurm drückte das aus Schweden kommende Schiff im dichten Nebel aus dem Kurs. Gegen 4.20 Uhr lief es 200 Meter vom Lohmer Strand entfernt auf Grund.

Die anschließend beginnende Rettungsaktion sei an Dramatik nicht zu überbieten gewesen, sagt Förster. Um ein Tau als Verbindung zum Land zu bringen, ließ der Kapitän ein Beiboot zu Wasser. Darin hatten die an Bord befindlichen Frauen Platz genommen, die zuerst geborgen werden sollten. Doch in der starken Brandung kenterte das Rettungsboot zwischen den Felsblöcken. Alle fünf Frauen sowie ein Matrose kamen in der eisigen See ums Leben Ein Dauerpfeifton alarmierte die Helfer der Rettungsstation Lohme, die im Morgengrauen einen Raketenapparat an den Strand brachten. Mit diesem Gerät gelang es schließlich, eine Leine zum Havaristen hin über zu schießen und über sie nach und nach Passagiere, Besatzung und Post mit einer Hosenboje an Land zu ziehen.

Einen Tag später scheiterte die Bergung des Schiffs durch Schlepper aus Warnemünde und Ystad am schweren Seegang. Bis auf 20 Meter schoben die Wellen die "Rex" an den Strand, bis sie am 1. März 1900 zerbrach. In einer Auktion wurde der Havarist schließlich für 6 300 Mark von einem Stavenhagener Kaufmann ersteigert, der das Schiff Stück für Stück abwracken ließ. Zurück blieb nur die nun im Flachwasser bei Lohme wiederentdeckte Rumpfschale.

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