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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 19:39 Uhr

Kühlungsborn : Taucher bergen Wrack in der Ostsee

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Mitglieder der Gesellschaft für Schiffsarchäologie untersuchen ein 2014 gefundenes Teil unter Wasser

Spektakuläre Entdeckung im Seegebiet vor der Kühlungsborner Küste: Bereits im Juli 2014 den meldete ein Sporttaucher dort den Fund eines Wracks. Nun erfolgte die Erstuntersuchung der Teile durch die Taucher der Gesellschaft für Schiffsarchäologie Rostock.

Laut Martin Siegel, dem Vorsitzenden des Vereins, handelt es sich dabei um ein 7,3 Meter langes Teil, das vermutlich aus dem Heck eines größeren Schiffes herausgebrochen sei. „Alles deutet auf einen Achtersteven hin, zumal die Beschläge der Ruderblattaufhängung noch vorhanden sind“, so Siegel. Dass die Hölzer noch gut erhalten sind, spricht für eine kürzliche Freilegung unter Wasser. Bei ihrer Besichtigung erkannten die Taucher zudem so genannte Abbundzeichen auf Planken und Steven. Diese sind auch aus dem Zimmereihandwerk bekannt und erleichtern eine Zuordnung von Bauteilen im Fertigungsprozess.

Eine weitere Besonderheit stellt die doppelte Beplankung aus Eiche und der äußeren Lage aus Kiefernholz dar. Laut Siegel konnte durch das verantwortungsbewusste Handeln des Finders ein aussagekräftiges Zeugnis hiesiger Schifffahrtsgeschichte dokumentiert und vor weiterem Zerfall geschützt werden. Die bereits zuvor entnommenen Holzproben sollen in einem Labor analysiert werden und genauen Aufschluss über Alter und Herkunft des Holzes geben.

Das Problem: Bisher können die Forscher das Wrackteil keinem bekannten Fundplatz zuordnen. „Im Seegebiet vor Kühlungsborn zerfällt ein Schiffswrack, seine Position kennen wir allerdings nicht“, so Siegel. Derzeit sind etwa 1500 Fundstellen erfasst, Experten gehen aber von mindestens doppelt so vielen archäologischen Funden in der Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern aus.

Erst im vergangenen Jahr unterstützte der Verein Forschungen zum Befall der Schiffsbohrmuschel an extra ausgebrachten Testhölzern. Die Ergebnisse waren mit mehr als 20 000 Individuen auf Weichholz und 5000 Individuen auf Hartholz pro Quadratmeter erschreckend. Die jüngsten Salzwassereinströme aus der Nordsee könnten das Vorkommen der Schiffsbohrmuschel außerdem weiter erhöhen. Siegel macht auf das Problem aufmerksam: „Die archäologischen Funde unter Wasser werden ohne qualifizierte Dokumentation durch die Schiffsbohrmuschel, Erosionen durch Naturgewalten sowie menschliche Einflüsse unwiederbringlich zerstört.“

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