Schiffsarchäologie : Tauchend auf Spurensuche

Beim Vermessen der Steinkisten in Hohe Düne: Taucher Stephan Schöppl
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Beim Vermessen der Steinkisten in Hohe Düne: Taucher Stephan Schöppl

Seminar teilnehmer erkunden historische Hafenanlage und ein Stahlwrack

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27. August 2015, 08:00 Uhr

Zwölf Teilnehmer des Schiffsarchäologischen Seminars tauchen derzeit in der Warnemünder Bucht nach Spuren der Vergangenheit. Dabei wird von Hohe Düne aus eine historische Hafenanlage in drei Metern Wassertiefe erkundet. Ein weiteres Ziel ist ein Stahlwrack in zehn Metern Tiefe, das mit einem Tauchboot angefahren wird. Das Seminar geht bis Sonnabend, der theoretische Teil findet im Dorf Schmarl bei der „Likedeeler“ statt. Dort sitzt der Verein Gesellschaft für Schiffsarchäologie. Unterstützt wird die Veranstaltung vom Kultusministerium. „Wir sind spannenden Sachen auf der Spur“, sagt Vereinsvorsitzender Martin Siegel. „Die Warnemünder Bucht als Anlauf des Hafens ist voll mit Fundplätzen“, ergänzt er. Für den pensionierten Lehrer Georg Osterfeld aus Bonn ist die Teilnahme eine Premiere. „Ich tauche seit 15 Jahren und habe mich schon immer für frühe Geschichte interessiert, aber während meines Schuldienstes war es zeitlich nicht drin.“ Der Pole Andreas Frank ist dabei, weil er so sein Interesse an Geschichte, Architektur, dem Mittelalter und Wracks verbinden kann.

Um Recht und Ethos geht es auch in dem Seminar. Bei Wracks sind auch oft Schatz- und Souvenirjäger im Spiel. „Leider fehlen finanzielle Mittel für Personal und Forschung, um noch gezielter zu arbeiten“, bedauert Dozent und Schiffsarchäologe Henrik Pohl, den es mangels einer Stelle vom Norden nach Österreich verschlagen hat. 2000 Wracks werden in der Ostsee vermutet, 600 sind bekannt und 300 angeschaut. Wenn es dort mehr Geld geben würde, könnten nicht nur die Puzzlestücke der Vergangenheit lückenloser zusammen gefügt werden. Dann gäbe es auch mehr Möglichkeiten, um Themen wie Museum unter Wasser oder denkmalgeschütztes Tauchen zu realisieren. Pohl: „Auch ein richtiges Arbeitsboot wäre sinnvoll.“ Das ist Zukunftsmusik. Momentan läuft vieles im Ehrenamt. „Eine Stunde tauchen mit Kartieren, Messungen und Fotografieren erfordern zehn Stunden Vor- und Nacharbeit“, sagt er.

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