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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 08:30 Uhr

Rostocker setzen ein Zeichen : Tanzend gegen Gewalt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Frauenhaus und Asta setzen auf dem Universitätsplatz ein Zeichen gegen die Kultur des Wegsehens.

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Immer wieder werden Frauen und Mädchen aus der Hansestadt Opfer von Gewalt – egal ob psychisch oder körperlich. „Dazu kommt immer öfter aber auch ökonomische Gewalt“, sagt Martina Schwarz vom Autonomen Frauenhaus, in dem hilfesuchende Rostockerinnen für maximal sechs, durchschnittlich aber meist zwei bis drei Monate aufgenommen werden. „2016 waren wir zu 90 Prozent ausgelastet“, so Schwarz. 58 Frauen mit 32 Kindern wurden vergangenes Jahr im Haus aufgenommen. Dazu kamen 420 Kontakte bei externen Beratungen und noch einmal etwa 600 Kontakte mit Frauen nach deren Auszug aus der Einrichtung. „Die Zahlen zeigen, dass Gewalt gegen Frauen leider nicht abnimmt“, ergänzt Birgit Kähler.

Genau aus diesem Grund hat der Verein Frauen helfen Frauen als Träger der Einrichtung gestern zusammen mit dem Allgemeinen Studentenausschuss (Asta) der Universität Rostock auf dem Uniplatz bereits zum dritten Mal einen Tanzstreik gestartet – als Teil der weltweiten „One Billion Rising“-Bewegung, die sich immer am Valentinstag gegen Gewalt erhebt. „Wir leben immer noch in einer Gesellschaft des Wegsehens, in der Gewalt als Konfliktlösung toleriert wird“, sagt Martina Schwarz. Genau dagegen solle die Veranstaltung ein Zeichen setzen und Öffentlichkeit herstellen.

Zum Song „Break the Chain“ (Spreng die Kette) wird weltweit eine einheitliche Choreografie getanzt, welche die Rostocker Teilnehmer bei fünf Trainingstreffen einstudiert haben. Wer wollte, konnte gestern aber auch spontan mitmachen, denn die etwa 40 Frauen und Männer umfassende Gruppe führte den Tanz gleich mehrfach auf. „Schade, dass nicht noch mehr Leute gekommen sind – das Anliegen ist schließlich sehr wichtig“, bedauerte Kristin Sismey, die als Zuschauerin gekommen war und für die gute Sache gleich mit aktiv wurde. „Ich finde das ganz gut, wirklich fantastisch, was hier gezeigt wird“, lobte Inge Klaus, die das Spektakel als Passantin zufällig mitbekam.

Kommentar von Claudia Labude-Gericke: Hohe Quote birgt viele Schicksale
Wenn Vereine oder Institutionen eine 90-prozentige Auslastung melden, ist das in den meisten Fällen ein Grund zum Jubeln und für laute Lobreden. Nicht so beim Frauenhaus, wo diese Quote gleichzeitig eine Vielzahl dramatischer Einzelschicksale bedeutet und jedes davon eins zu viel ist. In einer Gesellschaft, in der Egoismus und Anonymität zunehmen, wachsen auch die Fallzahlen häuslicher Gewalt. Umso wichtiger, dass es öffentliche Einrichtungen gibt, wo Opfer schnelle und unbürokratische Hilfe finden – und das auch ganz unabhängig vom Geschlecht.

 

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