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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 00:27 Uhr

NNN-Hilfsaktion : Tagesgruppe unterstützt Familien

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Während sich die Eltern aus schwierigen Lebenslagen kämpfen, übernehmen Pädagogen die Betreuung. NNN sammeln Päckchen für sie.

svz.de von
erstellt am 07.Dez.2015 | 16:58 Uhr

Die NNN wollen mit Ihnen Freude schenken. Unser Partner bei der Weihnachtsaktion, die Stadtmission, weiß genau, welche Kinder es mehr als verdient haben, dass ihnen mit kleinen Päckchen eine große Freude gemacht wird. Heute stellen wir die Tagesgruppe in Evershagen vor:

Im tristen Flur des DDR-Flachbaus riecht es nach Popcorn. Eine lächelnde Frau öffnet die verriegelte Tür zur Tagesgruppe. Blonde Locken springen um ihr Gesicht. Kinderlachen und -raufen klingen durch die Flure. Die Räume, die sich eröffnen, wirken von Fotos und Kinderzeichnungen geziert, als gehörten sie zu einer Großfamilie. „Wir wollen ein Stück weit ein Schutzraum sein“, sagt Leiterin Anja Fleischmann.

Ihre Kollegin geht zurück zu den zehn Kindern. Es gibt Kohlsuppe, die 8- bis 13-Jährigen essen noch. Das Gericht hatten sich zwar nicht alle gewünscht, aber auch ihnen ist der Popcornduft nicht entgangen. So ist es nur halb so schlimm, das Gemüse zu essen. Die Pädagogen kochen selbst für die Kinder, wenn die aus der Schule in die Gruppe kommen. Sie bleiben bis zum Abendessen. Dann geht es zurück nach Hause.

„Eltern und Kinder befinden sich teilweise in Notsituationen“, sagt Anja Fleischmann. Die Gruppe ist ein Angebot des Jugendamtes. Dort können Eltern einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung stellen. Das Amt entscheidet über die geeignete Form – sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehungsberatung oder eben eine Tagesgruppe.

In Rostock gibt es vier Tagesgruppen, zwei in Lichtenhagen, eine in Toitenwinkel und die Evershäger in Trägerschaft der Stadtmission. Als das Konzept der großen Kinderheime nicht mehr aufging, entstanden kleine Wohn- und Tagesgruppen. „Das Ziel ist, dass die Kinder in ihren Familien bleiben können“, so Anja Fleischmann. „Ihre Eltern sind teils in schwierigen Lebenslagen“, so die 32-Jährige. „Es sind Situationen, vor denen wir alle nicht gefeit sind“: Konfliktbeladene Scheidungen, die das Leben auf den Kopf stellen, der Verlust eines Nahestehenden, Krankheit.

Die Krise der Eltern geht auch an den Kindern nicht spurlos vorbei, manche werden aufgewühlter oder übernehmen Symptome. In der Tagesgruppe finden sie Struktur: Mittag, Entspannungsübungen, Hausaufgaben und spielerische Förderung. „Die Eltern können sich wieder fokussieren. Wenn sie das geschafft haben, arbeiten wir gemeinsam an den Symptomen der Kinder“, sagt die Pädagogin.

Kurz vor Weihnachten ist die Stimmung in der Gruppe super. Es wird ein Weihnachtsfilm geguckt, dazu gibt es Popcorn. „Ich liebe Weihnachten, weil es dann Geschenke gibt“, sagt Clawdeen* ganz aufgeregt. Die Zehnjährige hat viele Halbgeschwister, der Vater und seine neue Frau wohnen weiter weg. So ist es auch bei Simon*. Geschenke findet er schon gut, sagt er, aber: „Ich freu’ mich, dass ich meinen Vater in Polen besuche.“ Dass erst mal noch Schule ist, stört den Elfjährigen nicht besonders. „Ich mag eigentlich alles in der Schule.“ Sport- und Sachkunde liegen ihm und er zeichnet sehr gut. Kreativ ist auch Clawdeen und sie liebt Mathe. „Ich hatte erst eine Zwei“, sagt sie stolz. Lernen hin gegen ist ihr nichts, sie redet schnell, viel, ganz anders als Simon. In der Tagesgruppe gefällt es beiden, Simon, dass die Erzieher für sie da sind, Clawdeen, dass sie bei den Hausaufgaben helfen. „So habe ich abends mehr Zeit.“

* Namen von der Redaktion geändert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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