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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Dezember 2017 | 17:42 Uhr

Tierschutz : Täglich für Streuner im Einsatz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Ehrenamtliche Tierschützer betreuen Futterstellen, um Katzenpopulation einzudämmen / Spenden und Hilfe sind Mangelware

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Acht Futterstellen für Streunerkatzen betreuen Brigitte Ostrowski und ihr Mann derzeit in und um Rostock – ein Fulltime-Job. Bei Wind und Wetter sind sie unterwegs, um die Näpfe zu füllen und die selbstgebauten Häuschen aus Holz und Styropor zu reinigen und zu überprüfen. Dabei schlägt ihnen viel Ablehnung entgegen: „Besonders in Gartenanlagen sind Katzen rote Tücher. Die Leute verstehen nicht, warum wir uns um sie kümmern“, sagt die Tierschützerin. Totschlagen solle sie sie, anstatt zu füttern. „Dabei machen wir das nicht zum Spaß“, sagt Ostrowski, sondern um die Kontrolle zu behalten, um südländische Verhältnisse zu vermeiden.

Erst vor wenigen Tagen habe die ebenfalls ehrenamtlich tätige Irmgard Stein in einer Anlage in der Südstadt beobachtet, wie jemand ein Tier ausgesetzt habe. „Das ging ganz schnell. Auto auf, Katze raus und weg“, so Ostrowski. Das Kennzeichen konnten sie in der Eile nicht notieren. Sonst hätten sie Anzeige erstattet. „Und immer, wenn man denkt, man hat eine Stelle sauber, kommt wieder ein nicht kastrierter Kater hinzu“, sagt die 69-Jährige. Die fangen die Ehrenamtlichen ein und bringen sie zu einem Tierarzt – um sie kastrieren zu lassen. Die Kosten dafür hat die Stadt in den letzten zwei Jahren mit je 10 000 Euro bezuschusst. „Von den Kastrationskosten übernimmt die Stadt 70 Euro für ein weibliches Tier und 35  für ein männliches“, stellt Amtstierärztin Dr. Heike Schlößer klar. Die restlichen Ausgaben würden von Tierschützern getragen, so Ostrowski – um die Tiere zu entwurmen, von Zecken zu befreien oder für Spritzen.

„Uns sitzen die Tränen näher als alles andere“, sagt die Rostockerin. Denn statt die Ehrenamtlichen zu unterstützen, statt Futterspenden beim Tierschutzverein in der Thierfelderstraße abzugeben, gebe es Menschen, die die Futterstellen zerstören oder sogar Giftköder auslegen, um die Tiere zu töten. Doch für Ostrowski ist es eine Herzensangelegenheit, sich um die Katzen zu kümmern – seit 35 Jahren. Um an den acht Futterstellen etwa 50 Katzen zu versorgen, verzichten die beiden Tierschützer auf vieles: Urlaub zum Beispiel. Zum einen aus monetären Gründen, aber auch, weil während ihrer Abwesenheit niemand da wäre, der sich um die Tiere kümmern würde. „Wir suchen dringend Leute, die die Arbeit übernehmen können“, sagt die 69-Jährige. Schließlich würden sie auch nicht jünger. Und wenn sich niemand mehr kümmere, schwinde die Chance, die Population der Streunerkatzen einzudämmen.

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