Suche nach Hafenarzt geht weiter

Seinen Medizinkoffer hat Markus Schwarz bei Kontrollen immer dabei.torben Hinz
Seinen Medizinkoffer hat Markus Schwarz bei Kontrollen immer dabei.torben Hinz

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28. November 2012, 06:59 Uhr

Rostock | Windpocken, Tuberkulose, Grippe und Durchfall - diese vier Infektionskrankheiten stellen den Rostocker Hafenarzt Dr. Markus Schwarz immer wieder vor große Herausforderungen. "Gerade an Noroviren oder Influenza können ganz schnell 100, 200 Leute erkranken", sagt er. Sein Job ist es, im Ernstfall die weitere Ausbreitung zu verhindern und dafür zu sorgen, dass es gar nicht erst so weit kommt.

Viel Zeit hat er dafür nicht, denn die Stelle des Hafenarztes ist nur als Halbtags-Arbeitsplatz ausgeschrieben. Das ist neben der verhältnismäßig geringen Entlohnung einer der Gründe dafür, dass Schwarz den Job derzeit mit übernehmen muss - eigentlich ist er der Leiter des Rostocker Gesundheitsamtes. Neben einem Hafenarzt fehlt ihm auch ein zweiter Hygieneinspekteur. Doch Bewerber springen meist schnell wieder ab. "Wir sind sehr übersichtlich aufgestellt", so Schwarz.

Bei einer Konferenz heute im Seehafen und an Bord der Gedser-Fähre will er gemeinsam mit seinen Kollegen aus dem Land die internen Betriebsabläufe verbessern. Außerdem planen die Teilnehmer die Einführung eines Informationssystems, auf das alle Hafenärzte in MV zugreifen können. Das Pionierprojekt soll die Arbeit erleichtern, indem es beispielsweise bekannte Infektionen an Bord der Schiffe oder auch deren Route und Mannschaftsstärke auflistet. "Das ist deutschlandweit einmalig", sagt Schwarz.

Seine umfangreichste Aufgabe sei der Gesundheitsschutz, so der Hafenarzt. Denn jedes Schiff auf internationaler Fahrt muss jedes halbe Jahr ein erneuertes Hygienezertifikat vorweisen. Dafür kontrollieren Schwarz und seine Kollegen unter anderem die Unterkünfte, Verarbeitung und Lagerung der Nahrungsmittel oder auch die Vollständigkeit der Schiffsapotheke. Auch die Sanitätskästen der Rettungsboote und die Defibrillatoren an Bord werden überprüft. "Bei großen Schiffen haben wir damit eine ganze Weile zu tun", sagt Schwarz. Gerade während der Kreuzfahrtsaison im Sommer sei er daher fast jeden Tag in Warnemünde oder im Seehafen zu finden. Weil sie wegen der vielen Anläufe nicht jedes Fracht- und Kreuzfahrtschiff einzeln kontrollieren können, müssen sie sich allerdings häufig auf die Angaben der Besatzungen verlassen. "Jedes Schiff, das internationale Gewässer befährt, muss eine Seegesundheitserklärung abgeben", sagt Schwarz. Darin ist beispielsweise festgehalten, wie viele und welche Arten von Kranken es an Bord gibt und wie die Infektionen behandelt wurden.

"Die Kreuzfahrtschiffe kommen mit locker 3000 oder 4000 Menschen - natürlich sind da immer welche krank", sagt Schwarz. Und gerade über die Touristen als Wirte könne sich ein Virus schnell ausbreiten. Schließlich machen die Passagiere Ausflüge an Land, fahren nach Berlin, Schwerin oder in die Rostocker Innenstadt, wo sie mit zahlreichen anderen Menschen in Berührung kommen. "Über den Flug- und Seeverkehr können sich Krankheiten heute extrem schnell verbreiten", so Schwarz. Das bislang letzte Beispiel dafür sei 2002/2003 das Schwere Akute Atemwegssyndrom (Sars) gewesen.

Experten rechneten seit dem Ausbruch der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 mehrere Millionen Todesopfer forderte, etwa alle 20 bis 40 Jahre mit einer schweren Krankheitswelle, so der Mediziner. Ganze Schiffe unter Quarantäne zu stellen, sei aber auch dann das letzte Mittel. Eigentlich gebe es nur zwei Krankheiten, die das auslösen könnten: Lungenpest und Virales Hämorrhagisches Fieber, bei dem die Patienten "aus allen Poren bluten", so Schwarz. Beide seien aber extrem selten.

Neben den Kranken kümmert er sich auch um den richtigen Umgang mit Todesfällen sowie die Hygiene-Kontrolle. Letzteres in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt. Außerdem wird Schwarz vorbeugend tätig, bietet beispielsweise international gültige Impfungen an, etwa gegen Gelbfieber. Darüber hinaus halten er und zwei weitere Kollegen seit April dieses Jahres immer montags Sprechstunden im Seemannsclub Hollfast ab. Dort behandeln sie anonym Geschlechtskrankheiten und HIV-Infektionen. "Das wird gerne angenommen", sagt Schwarz. Zu jeder Sprechstunde kämen im Schnitt etwa fünf Seemänner.

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