Petrikirche Rostock : Studenten vermessen Glocken

Modern ausgestattet: Per Tablet-PC mit angedockter Infrarot-Kamera nimmt Arne Herold (22) alle wichtigen Daten der Glocke auf.   Fotos: Jenny Strozyk
1 von 3
Modern ausgestattet: Per Tablet-PC mit angedockter Infrarot-Kamera nimmt Arne Herold (22) alle wichtigen Daten der Glocke auf. Fotos: Jenny Strozyk

Angehende Maschinenbauer erstellen virtuelles 3D-Modell / Im kommenden Jahr wird der Nachbau aus Kunststoff gedruckt

svz.de von
22. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Langsam schreitet Arne Herold die Kirchturmglocke ab. Vor sich hält der 22-Jährige einen Tablet-PC mit angedockter Infrarot-Kamera. Mit der hochmodernen Technik scannt der Maschinenbaustudent den Klangkörper maßstabs- und detailgetreu ein. Anhand der gesammelten Daten will er zusammen mit sieben Kommilitonen der Universität Rostock ein möglichst realitätsnahes Modell der zwei Glocken für die Petrikirche erschaffen. „Das Ziel besteht darin, ein 3D-Modell der Glocken samt Glockenstuhl und Holzständerwerk aus Kunststoff anzufertigen“, sagt Diplom-Ingenieur Ingo Jonuschies vom Lehrstuhl für Konstruktionstechnik der Maschinenbau-Fakultät. Er leitet die Studenten bei dem Projekt an.

Zurzeit stehen zwei Glocken im Eingangsbereich der Marienkirche. Der Förderverein der Petrikirche sammelt Spenden, um das Geläut, bestehend aus insgesamt drei Glocken an ihren Bestimmungsort zu überführen. „Der Glockenstuhl muss dafür komplett neu gebaut werden“, sagt Vereinsvorsitzender Reinhard Wegener. Insgesamt kostet das Überführungsprojekt 300 000 Euro. 10 000 Euro hat der Verein bisher zusammengetragen. „Um die Freunde der Petrikirche weiter zum Spenden zu bewegen, wollen wir das etwa 50 Zentimeter große 3D-Modell im Gotteshaus ausstellen“, so Wegener.

Die 1979 in Apolda gegossen Bronze-Glocken werden von den Studenten millimetergenau unter die Lupe genommen. Nachdem die Daten über die Infrarot-Kamera aufgenommen sind, erscheint das digitale 3D-Grobmodell am Computer. Anschließend werden die Klangkörper von allen Seiten fotografiert. Die Bilder werden dann als Gesamtpanorama auf das virtuelle 3D-Modell aufgelegt. „So können wir die Oberfläche der Glocken am Computer sichtbar machen“, sagt Jonuschies. Als dritter Schritt wird die Außenkontur der Glocken mit Pappe abgenommen. Dadurch könne die Form genauer nachvollzogen werden, so Jonuschies.

Wenn die Studenten alle Daten zusammen haben, kommt der industrielle 3D-Drucker der Uni Rostock zum Einsatz. Die einzelnen Bauteile werden dann aus einer Kunststoffspinne vollautomatisch räumlich gedruckt. „Der gesamte Druck wird etwa ein bis eineinhalb Tage dauern“, so Jonuschies.

Da das Ständerwerk während des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde und es keinen Nachbau davon gibt, hat der Kirchenverein das Ingenieurbüro Thoms mit der Berechnung der Statik beauftragt. „Ihre Zeichnung haben sie uns zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung gestellt“, ergänzt er. Am Ende des Wintersemesters soll das Geläut gedruckt werden und vielleicht sogar eine Tonglocke erhalten. „Das Projekt lebt von den Möglichkeiten, von denen wir noch gar nichts ahnen“, so Wegener. Er kann kaum glauben, was die moderne Technik möglich macht.

Spendenaktion

Damit die Petrikirche bald wieder erklingt, sammelt der Förderverein Spenden für jeden einzelnen der  63 Balken. Diese hat der Verein jeweils in 40 Teile geteilt. Ein Balkenteil können Förderer der Petrikirche für 25 Euro symbolisch erwerben. Auf einer Urkunde ist dann die jeweilige Balkennummer gekennzeichnet. Außerdem erhält jeder Spender  ein Tonglöckchen, welches die Hortkinder vom Förderzentrum am Alten Markt gebastelt haben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen