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Petrikirche Rostock : Studenten planen Glocken als 3D-Modell

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Im März wollen Maschinenbaustudenten der Uni Rostock Glocke, Ständerwerk und Aufhängung als Prototyp aus Kunststoff drucken

Sie haben den Glockenstuhl der Petrikirche bestiegen, Gießereien kontaktiert und Daten nachgearbeitet. „Nachdem wir die Glocke via Laser-Scan vermessen haben, ist aus einer Punkte-Wolke ein detailgetreues, digitales 3D-Modell von Petri-Glocke, Ständerwerk und Aufhängung entstanden“, sagt Arne Herold, Maschinenbaustudent im fünften Semester. Gemeinsam mit acht Kommilitonen beschäftigt sich der 22-Jährige seit Oktober 2014 technisch mit der Rostocker Altstadtkirche. Unterstützung bei Planung und Ausarbeitung des Ständerwerks gab es seitens des BTZ-Ingenieurbüros.

Für die Glockenaufhängung haben die Studenten viel recherchiert und ein historisch passendes Joch ausgearbeitet. „Neben der Formgebung gehörten auch die rechnerische Auslegung der Trägerquerschnitte und Laschen zur Ausarbeitung“, erläutert Diplom-Ingenieur Ingo Jonuschies vom Lehrstuhl für Konstruktionstechnik der Maschinenbau-Fakultät an der Uni Rostock, der die Studenten anleitet.

Was an dem Projekt fasziniert? „Wir können etwas ehrenamtlich für unsere Stadt tun“, sagt Jonuschies. Glocken höre jeder, aber wer hinterfrage schon ihre Beschaffenheit. Das Thema sei neu und ambitioniert, denn von Ständerwerk und Glocke habe es kein hundertprozentig detailgetreues Abbild gegeben. „Das so genannte ,Reverse Engineering’ ist hochgradig komplex“, erklärt Jonuschies. Dabei werde etwas Reales, von dem es noch keine digitalen Informationen gebe, in ein virtuelles Objekt überführt – mit dem Anspruch höchstmöglicher Genauigkeit. Dieser Prozess ist seit Jahren Bestandteil diverser Forschungsprojekte“, sagt der Ingenieur.

Doch der wissenschaftliche Mitarbeiter und sein Team haben die technische Herausforderung gern angenommen. „Wir haben uns über Bücher, den Verein und Glockengießereien Informationen geholt“, so der 36-jährige Schweriner.

Einfach sei diese historische Recherche nicht gewesen, „denn es gibt zu dem Thema nicht viel Material“, so Herold. Er könne sich das Abbild des Ständerwerks gut als Lego-Bausatz für besonders großzügige Unterstützer der Kirche vorstellen. „Wir hoffen, dass das Modell noch mehr Spender anspricht“, sagt Reinhard Wegener, Vorsitzender des Fördervereins der Petrikirche.

Jonuschies ist mit der Arbeit der Bachelor-Studenten „sehr zufrieden“. Ende März soll der industrielle 3D-Drucker der Uni Rostock zum Einsatz kommen. Jonuschies und sein Team wollen dann Glocke, Ständerwerk und Aufhängung als Prototyp aus Kunststoff drucken und die Ergebnisse vor dem Förderverein der Petrikirche präsentieren. Das etwa 50 Zentimeter große Modell des Glockenstuhls soll dann in einer Glasvitrine im Gotteshaus ausgestellt werden und Bürger animieren, für den realen Glockenstuhl zu spenden. „Mein Wunsch ist es, die Glocken zum Reformationsjubiläum 2017 zum Klingen zu bringen“, so Wegener.

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