Sommercampus : Studenten auf die Finger geschaut

Auf jedes Detail achtet Prof. Hamish Milne im Spiel von Studentin Eugene Shon.
Auf jedes Detail achtet Prof. Hamish Milne im Spiel von Studentin Eugene Shon.

Hochschule für Musik und Theater lockt 96 Teilnehmer an / Viele Konzerte

23-36155540_23-66110650_1416397439.JPG von
27. August 2015, 08:00 Uhr

Der Raum, in dem Prof. Hamish Milne seinen Meisterkurs Klavier gibt, ist wenige Minuten vor 10 Uhr noch recht leer. Zwei Studenten plaudern mit dem Dozenten, kurz bevor es losgehen soll. „Ich habe das Gefühl, die Studenten werden langsam müde. Jeden Tag kommen sie später“, sagt Milne. Kein Wunder, denn das intensive Üben während des achttägigen Sommercampus der Hochschule für Musik und Theater (HMT) ist kräftezehrend. Zusammen mit dem Kursleiter werden die vorbereiteten Stücke durchgegangen, an allen Passagen gefeilt. Danach üben die Studenten allein weiter, nicht selten bis zu zehn, zwölf Stunden am Tag.

Eugene Shon, die in Hannover studiert und extra zum Meisterkurs angereist ist, hat eine Sonate von Beethoven vorbereitet, die sie mit Milne erarbeiten will. Während sie das Stück am Flügel vorträgt, verfolgt Milne die Noten in der Partitur, macht sich immer wieder Notizen. Und dann geht es ins Detail. „In Ihrem Piano sind Sie sehr devot. Aber bei Beethoven wie bei kaum einem anderen ist das Piano extrem, genauso wie das Fortissimo“, erklärt Milne. Shon versucht es gleich noch einmal, der Professor nickt. Stück für Stück arbeiten sie sich durch die Sonate. „Stell dir vor, die Bässe sind wie der Baumstamm und die Höhen, das sind die Blätter.“ Der Dozent macht es vor, die Studentin wird es später allein weiter üben, denn mittlerweile hat sich der Raum gefüllt. Auch die anderen der 13 Kursteilnehmer wollen dem Professor, der sonst in London unterrichtet, vorspielen. Nach gut einer Stunde steht Shon vom Klavier auf, der nächste ist dran, bevor es später zur Orchesterprobe mit der Norddeutschen Philharmonie geht. Die unterstützt den Sommercampus in diesem Jahr und bietet ausgewählten Teilnehmern die Chance, als Solisten mit Orchester aufzutreten – eine seltene und wertvolle Gelegenheit für Studenten.

Derweil hat sich die Mensa der Hochschule gefüllt. Wo vor einer Woche noch ferientypische Ruhe dominierte, herrscht heute geschäftiges Treiben. 96 Teilnehmer haben die Meisterkurse angelockt. Das gerade Gelernte wird besprochen, aber auch Termine für einen Besuch bei der Physiotherapeutin ausgemacht. Die ist von Augsburg zum Sommercampus nach Rostock gekommen. Sie hat sich auf die Arbeit mit Musikern spezialisiert, die aufgrund ihrer Arbeit nicht selten mit Problemen wie Rückenbeschwerden zu tun haben.

An eine Pause denken die Teilnehmer des Violin-Kurses von Prof. Tanja Becker-Bender noch nicht. „Wir sind zeitlich im Verzug“, sagt die Dozentin. Gerade ist sie mit einer Studentin fertig und lächelt zufrieden. „Du bist ein erwachsener Mensch. Deine Lehrer können dir Richtungen weisen, aber du entscheidest“, gibt sie ihr noch mit auf den Weg, bevor sie sich der nächsten Studentin zuwendet. Die möchte noch einmal ihr vorbereitetes Brahms-Stück durchgehen. „Wir waren dabei, zu mehr Geschmeidigkeit zu finden“, ruft sich die Professorin noch einmal die Übung vom Vortag in Erinnerung. Und dann wird gearbeitet. Die Bogenführung, die Saiten-Übergänge, die Verbindungen – Becker-Bender lässt erst locker, wenn sie merkt, dass die Studentin verstanden hat, worum es ihr geht. „Sie haben das alles sehr gut geplant, aber es ist zu eckig. Versuchen Sie, nicht zu viel zu denken, sondern es intuitiv kommen zu lassen“, erläutert Becker-Bender.

Ein älterer Herr, der zwischen den wartenden Studenten Platz genommen hat, lauscht ganz genau. Er trägt ein kleines Schild am roten Schlüsselband um seinen Hals, das ihn als Gasthörer ausweist. Jeder, der Interesse daran hat, kann zum passiven Besuch der Kurse ein Ticket erwerben. Wer hingegen den Ergebnissen der harten Kursarbeit lauschen möchte, sollte lieber eines der noch anstehenden Konzerte besuchen.

Termine

Kurskonzert Posaune, heute, 17.30 Uhr, Kammermusiksaal; Kurskonzert Kammermusik, heute, 20 Uhr, Kammermusiksaal; Kurskonzert Gesang, morgen, 17.30 Uhr, Kammermusiksaal; Abschlusskonzert des Sommercampus, morgen, 19.30 Uhr, Katharinensaal

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen