Rostock : Streit um den Wagenplatz

Sie hatten sich den Sportplatz an der Jägerbäk gewünscht. Die Stadt bietet Christoph Schneider und den Bauwagenbewohnern ein Grundstück in der Satower Straße an.
Sie hatten sich den Sportplatz an der Jägerbäk gewünscht. Die Stadt bietet Christoph Schneider und den Bauwagenbewohnern ein Grundstück in der Satower Straße an.

Bewohner mit Vorschlag der Stadt unzufrieden / Lagerspaltung statt friedlichem Zusammenleben

svz.de von
22. September 2015, 12:00 Uhr

Lange Zeit wurden sie in der Satower Straße geduldet, doch dann hatten sich Nachbarn im Ortsbeirat Stadtweide über die Wagenplatzsiedlung beschwert. Zu laut und zu dreckig sei es. Hinzu kamen baurechtliche Probleme, denn das Grundstück gehört der Hansestadt – eine legale Wohnsituation sei das nicht. Schnell musste ein neuer Standort her.

Seit 2012 lief die Suche nach einem geeigneten Platz. Zusammen mit einigen Bewohnern – die inzwischen den Verein Wie Was Wagen gegründet hatten, um bei der Stadt als juristische Person zu gelten – machten sich Stadtplaner und Ortsbeiräte auf die Suche nach einem Grundstück. „Dazu wurden verschiedene Kriterien berücksichtigt, wie die Größe, Anbindung ans Straßennetz und den öffentlichen Personennahverkehr, Stromanschluss, Trinkwasserleitung, Abwasser- und Abfallbeseitigung und die Akzeptanz der Anwohner“, sagt Stadtplaner Ralph Müller.

Drei Standorte kamen in die engere Auswahl: Ein Grundstück in Alt Bartelsdorf, der Sportplatz an der Jägerbäk und ein Platz gegenüber des jetzigen Standorts in der Satower Straße. In Alt Bartelsdorf wurden seitens der Anwohner massive Proteste laut und in der Satower Straße seien die Anbindungen nicht die besten. „Deshalb favorisierten alle Beteiligten den Sportplatz an der Jägerbäk“, sagt Christoph vom Verein Wie Was Wagen. Doch auch dieser ist vom Tisch, da die Fläche für die Absicherung des Schulsportes des Regionalen Beruflichen Bildungszentrums benötigt wird, heißt es aus dem Amt für Schule und Sport. So gilt die Satower Straße jetzt wieder als bester Platz für die Siedlung – ein paar Meter weiter, auf einem kommunalen Grundstück. Für dieses sollen die Bewohner dann Pacht an die Stadt bezahlen.

Doch die Situation scheint trotz der Entscheidung nicht entschärft. „Es gibt zwei Lager auf dem Platz“, erklärt Martin. Die seien sich nicht ganz grün. „Wir haben verschiedene Lebensstile“, sagt er. „Während wir hier seit Jahren friedlich leben, machen die anderen mit Hardcore-Musik und Feuertonnen unser Ökodorf zum Krawallplatz.“ Die anderen – das seien die Leute von Wie Was Wagen, sagt Martin, schließlich sei der Streit mit den Anwohnern erst aufgekeimt, seit sie dort hausierten.

Bis zum Beschluss der Bürgerschaft am 7. Oktober wollen Martin und 20 andere Bewohner sich in den Ausschüssen Gehör verschaffen: „Wir befürchten, dass die Leute von Wie Was Wagen den Platz an sich reißen und die Anwohner gänzlich auf die Barrikaden gehen. Eigentlich bräuchte man zwei Plätze für zwei Parteien“, sagt der Bauwagenbewohner.

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