zur Navigation springen

Nahverkehr in Rostock : Straßenbahn muss durch den TÜV

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

RSAG ruft Wagen vom Typ 6N1 zum Check-up. Insgesamt 20 Fahrzeuge sind auf dem Prüfstand. Generalinstandsetzung passiert im Normalbetrieb.

Kaum wiederzuerkennen ist der blaue „sechsachsige Niederflurgelenktriebwagen Wassergekühlt Drehstromantrieb Einrichtung“ – kurz 6N1. Fast komplett entkernt steht das Fahrzeug der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) in der Werkstatthalle in der Hamburger Straße. Die Nummer 653 ist inzwischen mehr als 20 Jahre lang im Betrieb des öffentlichen Personennahverkehrs der Hansestadt und muss deshalb zum Check-up durch den Straßenbahn-TÜV. „Die komplette Entkernung dauert zirka ein halbes Jahr“, sagt Thomas Fittkau, Teamleiter der Fahrzeuginstandhaltung der RSAG. Denn die Karosserieinstandsetzung muss während des ganz normalen Betriebs passieren – quasi nebenbei.


Poröse Teile werden ausgetauscht


40 Bahnen vom Typ 6N1 – dem Vorgänger der 13 moderneren „Tramlink“ 6N2, die seit Juli 2014 durch die Hansestadt fahren – betreibt die RSAG. Drei Fahrzeuge des Typs mit Baujahr ’94 bis ’96 sind bereits fertig. In fünf Jahren sollen etwa 20 Wagen der Serie 6N1 komplett durchgecheckt sein – je nach Schwere und Anzahl der Mängel dauert dabei eine Karosserieinstandsetzung länger als die andere, erklärt Fittkau.

„Das meiste sind Korrosionsschäden, die für Fahrgäste gar nicht sichtbar sind. Zum Beispiel Verklebungen der Fahrzeugverglasung. Diese werden durch die UV-Einstrahlung irgendwann porös. Außerdem werden verrostete Teile großflächig ausgetauscht“, sagt der Teamleiter. Die größten Abnutzungserscheinungen seien im Ein- und Ausstiegsbereich zu spüren – da wo die meiste Bewegung stattfindet.


70 000 Kilometer in 365 Tagen


Pro Jahr kommen bei einer Bahn im Rostocker Verkehr etwa 70 000 Kilometer auf den Tacho. Dabei sei der Zustand der Bahnen völlig unterschiedlich. „Die Mängel werden aber nicht zwangsläufig nur durch häufige Streckennutzung verursacht, sondern teilweise auch durch Konstruktionsfehler“, so Fittkau. So gebe es zwei Serien des Bautyps, von denen die zweite schlechter verarbeitet wurde. Generell gilt bei den Technikern der RSAG das Motto: „Lieber einmal mehr prüfen, als wenn zwischendurch etwas akut wird“, so Fittkau. „Alle zehn Tage wird ein etwa anderthalbstündiger Wartungscheck durchgeführt. Alle 60 Tage eine Kontrolldurchsicht. Bei einer N1 dauert diese inklusive aller Messungen und Funktionstests etwa zwölf Stunden“, so der RSAG-Teamleiter. Zu einem größeren, eine Woche dauernden, Check werden die Bahnen alle 2,5 Jahre in die Maschinenhalle in der Hamburger Straße gerufen. „Da erfolgt dann auch der Austausch von Verschleißteilen, die das Leben der Karosserie nicht überdauern, wie beispielsweise Türen“, erklärt Fittkau. Kupplung, Stoßdämpfer, Getriebe – beim Rostocker Straßenbahnbetrieb gilt: „Alles, was wir hier selbst prüfen und instand setzen können, machen wir auch selbst“, so Fittkau.


Nach dem Check noch zehn Jahre im Verkehr


Von den Auswirkungen des Check-ups profitieren auch die Fahrgäste: „Durch die neue Dämmung sind weniger Fahrgeräusche zu hören. Außerdem werden die Sitze neu aufgepolstert und die Wagen neu lackiert“, erklärt der RSAG-Teamleiter.

Nach der großen Generalüberholung nach 20 Jahren in Betrieb sind die 6N1-Bahnen noch etwa zehn weitere Jahre fahrtüchtig. Insgesamt haben die Wagen somit eine Lebensdauer von etwa 30 Jahren. Auf lange Sicht steht aber auch für die wieder instand gesetzten Fahrzeuge der Ruhestand an: „Ab 2025 sollen – so die aktuelle Planung – alle N1er sukzessive aus dem Verkehr gehen“, sagt RSAG-Fahrzeuginstandhalter Thomas Fittkau.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen