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Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 13:24 Uhr

Bilanz : „Storchenvater“ zeigt sich besorgt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Hans-Heinrich Zöllick registriert Rückgang der Brutpaare. Lediglich in Rostock und dem Altkreis Doberan gibt es leichte Erholung

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erstellt am 01.Apr.2014 | 10:00 Uhr

Auf „Schnuckel“ ist eben Verlass: Erfreut nahm Hans-Heinrich Zöllick (89) in der letzten Februarwoche zur Kenntnis, dass die fast schon legendäre Störchin wie gewohnt sehr früh an ihrem angestammten Horst in Langenhanshagen (Ortsteil von Trinwillershagen) eingetroffen ist. Den Winter hatte sie auch in diesem Jahr überwiegend in Thüringen verbracht. Damit war die Störchin mit der Ringnummer A 277 der Vogelwarte Radolfzell die zweite dieses Jahres nach den traditionellen „Frühheimkehrern“ in Belitz unweit Teterows.

Die „Adebar-Szene“ ist also buchstäblich in Bewegung. Damit die Störche in heimatlichen Gefilden zumindest gute Brutbedingungen vorfinden, wurden gerade dieser Tage noch einige eilige Arbeiten getätigt. So erwarten die Tiere sowohl in Bandelstorf und Kucksdorf als auch in Semlow neue Nistplätze. Hier wurde im Auftrag des Energieversorgers Eon Edis ein Betonmast umgesetzt und mit einem neuen Nistkorb ausgestattet.

Nun hoffen „Storchenvater“ Zöllick und die landesweit mehr als 100 ehrenamtlichen Horstbetreuer auf eine bessere Saison. Denn 2013 sei kein gutes Storchenjahr gewesen, beklagt Zöllick, der rund 20 Jahre als Landeskoordinator für den Weißstorchschutz tätig war und sich auch heute noch für den Altkreis Ribnitz-Damgarten verantwortlich fühlt. Im Vorjahr waren zwischen Boltenhagen und Oderhaff lediglich 828 Nester besetzt. Davon haben 604 Horstpaare 1394 Jungtiere aufgezogen, während 224 Paare ohne Nachwuchs blieben. Eine erschreckende Bilanz, denn diese Reproduktionsquote ist nicht ausreichend für eine stabile Population. Zum Vergleich: Im selben Gebiet wurden im Jahr 2004 immerhin noch 1142 Brutpaare gezählt.

Als Hauptursachen für den Rückgang sehen die Fachleute neben Gefahren auf dem Flug und in den Überwinterungsgebieten insbesondere die Veränderungen der heimischen Landwirtschaft. In MV expandiert der Rapsanbau, der inzwischen rund ein Fünftel der bundesweiten Produktion ausmacht. Zudem beansprucht der Silomais immer größere Flächen, und schließlich werden stillgelegte Äcker zunehmend unter den Pflug genommen.

Als Folge nimmt das Grünland ständig ab, und damit wird nicht nur den Störchen, sondern auch anderen Vogel- und Tierarten die Grundlagen für die Nahrungssuche entzogen. Für den Brutrekord sorgte vergangenes Jahr übrigens „Schnuckel“: Nach einer wahren Odyssee durch Deutschlands Nordosten kam sie erst am 8. April – also ungewöhnlich spät – in Langenhanshagen an. Trotzdem zog sie mit ihrem Partner noch fünf Junge groß.

Für ein Phänomen hat Hans-Heinrich Zöllick immer noch keine Erklärung gefunden: Östlich der Recknitz, dem Grenzfluss zwischen Mecklenburg und Vorpommern, war wiederum kein Horst besetzt, wohl aber auf dem anderen Ufer – bei gleichen Bedingungen.

Recht positiv hingegen sah es bei Prof. Stefan Kroll aus, der sich um den Kreis Bad Doberan kümmert. Erstmals seit sieben Jahren konnte er von einer leichten Erholung der Population berichten. 2013 zählte er mit 56 Horstpaaren sechs mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden 90 Jungtiere flügge – 17 mehr als im Jahr zuvor. Außerdem kann der Storchenbeauftragte, der auch für Rostock zuständig ist, erstmals seit 2004 die Wiederbesiedlung des Nestes in Nienhagen vermelden. Dort flog ein Jungtier aus. Die gute Bilanz der Hansestadt komplettieren das Dorf Biestow (zwei Junge) sowie der Zoologische Garten. Dort gab es siebenmal Nachwuchs: dreimal auf der Bärenburg und sogar viermal im Baumhorst beim Vogelhaus.

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