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62 Jungtiere erhalten individuelle Plastikmarke : Storchenvater auf Beringungs-Fahrt

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Das Beringungs-Team um den Storchenbeauftragten Professor Stefan Kroll versucht am frühen Morgen, mit der Hebebühne näher an den Horst zu kommen. Insgesamt 62 Jungtiere sollen in Bentwisch einen Plastik-Ring erhalten.

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erstellt am 02.Jul.2013 | 10:17 Uhr

Landkreis Rostock | Die Störche in Bentwisch sind Frühaufsteher. Während das Beringungs-Team um den Storchenbeauftragten Professor Stefan Kroll noch darauf wartet, mit der Hebebühne näher an den Horst zu kommen, ist das Alttier schon mit der Brut beschäftigt. "In den 90er-Jahren gab es ganz viele Störche in Bentwisch. Da haben wir schnell eine Nisthilfe auf unserem Grundstück gebaut - wir waren kaum mit dem Aufstellen fertig, da saß schon das erste Paar drauf", sagt Ralf Will.

Sein Grundstück ist das erste der diesjährigen Tour. 27 Stationen sind geplant, insgesamt sollen 62 Jungtiere einen Plastik-Ring erhalten. "Alle anderen Vögel bekommen Stahlringe - aber bei den Störchen werden die großen Plastik-Exemplare genommen, weil die besser zu lesen sind", sagt Hans Wolfgang Nehls. Der ehemalige Kurator des Rostocker Zoos hat 1956 die Beringer-Erlaubnis gemacht und ist seit Jahren mit den Storchen-Experten im Kreis unterwegs, um den Adebaren ihren individuellen Ring zu verpassen. Nehls ist es auch, der die Daten der zuständigen Vogelwarte aus Greifswald bekommt. So weiß der Ornithologe, wo es die Tiere hinzieht - zum Beispiel nach Finnland oder Südafrika.

Mittlerweile ist das Quintett - zu dem neben Nehls und Kroll auch Brit Becker, Helmut Stienhans und Hans-Heinrich Zöllick gehören - in Volkenshagen angekommen. Dauerte die erste Beringung nur eine Viertelstunde, wird hier der Zeitplan erstmals mehr als ausgereizt. Die Zuwegung ist nicht direkt möglich, die Männer müssen von der Seite ran. "Ich muss alleine hoch, die Hebebühne lässt sich sonst wegen des Gewichts nicht komplett ausfahren", sagt Christoph Roscher. Er arbeitet eigentlich bei der Agrargenossenschaft Papendorf, wird aber einmal im Jahr für die Beringungsaktion freigestellt. Die Kosten dafür trägt der Kreisbauernverband. Da er seit fünf Jahren dabei ist, weiß Roscher, wie er mit den Störchen umzugehen hat. In Volkenshagen wehrt sich eines der Jungtiere, will nach ihm schnappen. Doch Roscher schafft es, die Ringe jeweils am linken Bein der Tiere zu platzieren. "In ungeraden Jahren wird links, in geraden rechts beringt", sagt Kroll.

Mit vollem Einsatz dabei ist auch Hans-Heinrich Zöl lick, Krolls Vorgänger und als Storchenvater landesweit bekannt. Im nächsten Jahr will er seinen 90. Geburtstag feiern. "Mehr als die Hälfte meines Lebensalters war ich für die Störche da", sagt Zöllick. Sein hohes Alter ist dem Poppendorfer nicht anzumerken, er klettert behende in den Korb der Hebebühne. "Früher, als die Horste noch auf den Rohrdächern waren, sind wir mit Leitern oder am Blitzableiter hoch", so Zöl lick. Bei der Tour durch den Altkreis Doberan bleibt der Storchenvater meist als Beobachter einen Schritt zurück. Denn sein Revier kommt noch. "Ich betreue immer noch die Störche im kompletten Altkreis Ribnitz - rund 1000 Quadratkilometer Fläche", sagt der 89-Jährige. Am Donnerstag wird er deshalb wieder früh aufstehen, wenn seine Jungtiere beringt werden und er sich über ein gutes Storchenjahr freuen kann.

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