Storchennachwuchs in letzter Sekunde gerettet

Als sich die Männer nähern, verlässt der Altstorch den Horst. Während der Rettung kreist das Tier unablässig über seinem Nest.
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Als sich die Männer nähern, verlässt der Altstorch den Horst. Während der Rettung kreist das Tier unablässig über seinem Nest.

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24. Mai 2013, 08:06 Uhr

Schmadebeck | "Zwei und zwei", ruft Prof. Stefan Kroll vom Korb der Hebebühne herunter. Der Storchenbeauftragte des Landkreises hat gerade einen Blick in den Horst riskiert. Nun weiß auch die besorgte Familie Diederichs am Boden, um wie viele Tiere es bei der Rettungsaktion geht. "Wir hätten also wieder vier Jungtiere gehabt", sagt Vater Jörg. Zwei liegen bereits klein und zitternd im Nest, zwei Eier scheinen kurz vor dem Brut-Ende.

Seit 1992 gibt es im Nest auf dem Ferien- und Bauernhof Schmadebeck jedes Jahr brütende Storchenpaare. Doch diesmal überschattet ein Unglück die Saison. Um 6.20 Uhr hat gestern früh das Telefon geklingelt. Am anderen Ende ein Autofahrer, der die Kollision mit einem Storch meldet. "Man kennt sich hier untereinander", sagt Jörg Diederichs. Die Nachbarn wissen, wo die Störche ihr Quartier beziehen. Als Diederichs vor Ort ankommt, lebt das Tier noch. "Wir haben dann gleich bei der Tierklinik angerufen, wollten den Storch dort hinbringen, aber in der Zwischenzeit ist er verendet", sagt Ehefrau Katrin. Ob es das Männchen oder das Weibchen war, wissen beide nicht. Eines wird aber im Tagesverlauf immer deutlicher: Es war ein Storch von ihrem Nest. Denn das zurückgebliebene Tier wird immer unruhiger. "Es hat jetzt auch neun Stunden allein gebrütet, wartet auf Ablösung", sagt Kroll, als er am Nachmittag vor Ort ankommt.

Im Gepäck hat er eine Kleintierbox und jede Menge Handtücher. "Die Jungtiere brauchen noch nicht so viel Futter, aber auf jeden Fall ganz viel Wärme, um zu überleben", sagt er. Das wissen auch die Diederichs. Mama Katrin bringt zusammen mit Tochter Wiebke extra angewärmte Frotteehandtücher. Um überhaupt an den Horst heranzukommen, hat Kroll Oliver Beck angerufen. Der Rostocker Unternehmer ist mit seinem Gigalift vorbeigekommen, um unbürokratisch zu helfen. Als sich die Männer dem Nest nähern, fliegt der Altstorch davon. Aber nicht weit. Während Kroll die Jungtiere vorsichtig in die Box packt, kreist der Adebar unaufhörlich über dem Gelände. Sein Nachwuchs wird von der Familie und dem Storchenbeauftragten noch mit den Handtüchern abgedeckt, dann geht es los in Richtung Rostocker Zoo. "Dort werden die Eier ausgebrütet, die Jungtiere aufgezogen und im August wieder ausgewildert", so Kroll.

Den Nachwuchs im Horst zu belassen, sei keine Option gewesen. Ein Tier alleine würde das Brüten und die Aufzucht nicht bewältigen können. "Die ersten zwei, drei Wochen muss immer ein Storch im Nest sein, während der andere frisst, damit die Jungen nicht auskühlen", so Kroll. Er gibt dem gestern geretteten Nachwuchs nach der geglückten Aushorstung eine gute Prognose. Wie es mit dem zurückgebliebenen Tier weitergeht, weiß auch der Experte nicht. "Möglich, dass noch mal ein neuer Storch kommt. Vielleicht zieht er aber auch weiter", sagt er. Generell sei der Standort des Nestes in Schmadebeck aber der beste und bei den Tieren beliebteste im Landkreis. Kroll ist sich deshalb ziemlich sicher, dass im kommenden Jahr auf dem Hof der Diederichs wieder gebrütet wird.

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