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Norddeutsche Neueste Nachrichten

16. Dezember 2017 | 10:07 Uhr

Wohnen : Stoppt Rostock die Miet-Explosion?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bürgerschaft verhandelt über Preisbremse für Alt- und Neuverträge. SPD-Fraktionschef: „Anstieg erreicht besorgniserregendes Ausmaß“.

von
erstellt am 04.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Drei Zimmer mit Stuck in der Altbauvilla für 1100 Euro kalt oder doch lieber fünf Zimmer im Plattenbau für 450 Euro? Wohnungen gibt es in Rostock für viele verschiedene Ansprüche. Aber eins ist in allen Stadtteilen gleich: Die Preiskurve zeigt nach oben – und zwar teilweise so steil, dass sich jetzt die Kommunalpolitik einschaltet.

„Der Anstieg der Mieten hat in einigen Stadtteilen ein besorgniserregendes Ausmaß erreicht“, sagt Steffen Wandschneider, Chef der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Das betreffe nicht nur die Neubaumieten, sondern auch flächendeckend die Bestandsmieten privater Vermieter, vor allem in der Kröpeliner-Tor- und der Steintor-Vorstadt, im Hansaviertel und in Warnemünde. „Der Mietpreisanstieg führt nicht nur zu einer steigenden Wohnkostenbelastung, sondern auch zu einer Verdrängung alteingesessener Bewohner“, so Wandschneider.

Die Sozialdemokraten schlagen in der Bürgerschaft zwei Maßnahmen vor: So sollen die Mieten bestehender Verträge in besonders angespannten Stadtteilen innerhalb von drei Jahren nur noch um 15 Prozent steigen dürfen. Dafür müsste die so genannte Kappungsgrenze von aktuell 20 Prozent abgesenkt werden. Außerdem sollen die Preise bei Neuvermietungen nur noch zehn Prozent über der örtlichen Vergleichsmiete liegen dürfen, sobald der Bund diese Mietpreisbremse beschlossen hat. Beides müsste das Land MV auf Antrag der Stadt per Rechtsverordnung festlegen.

Unterstützung kommt schon jetzt vom Mieterverein Rostock. „Handlungsbedarf ist da“, sagt Geschäftsführer Christian Rudolph. „Und wenn Rostock da jetzt vormarschiert, begrüßen wir das.“ Eine Mietpreisbremse für Teilgebiete der Stadt sei aber nur ein Baustein. Es komme auch darauf an, die Nachfrage zu befriedigen und kleinen, bezahlbaren Wohnraum zum Beispiel für Rentner oder alleinerziehende Mütter neu zu schaffen, so der Mieterverein.

Die Stadtverwaltung lässt zurzeit eine Wohnraumprognose anfertigen. Ein erster Entwurf der beauftragten Agentur aus Hamburg liegt vor, detaillierte Ergebnisse werden bis Ende März erwartet. Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) beschreibt das Problem so: „Wir haben eine Leerstandsquote von unter zwei Prozent und damit einen de facto nicht existierenden Wohnungsmarkt.“ 1000 neue Wohnungen pro Jahr müssten entstehen, um die drängendsten Probleme zu beseitigen, so der Rathaus-Chef.


Kommunale Wiro plant Neubau-Vorhaben


Der gerade veröffentlichte Mietspiegel für 2015 weist einen durchschnittlichen Preis von 5,69 Euro pro Quadratmeter aus und hat sich damit im Vergleich zu 2013 um 17 Cent erhöht. Die Preise variieren je nach Lage und Größe allerdings extrem.

Am besten ist bei der Suche nach einer Wohnung offenbar noch dran, wer bei einer der großen Gesellschaften fündig wird. So hat etwa die kommunale Wiro den
bestehenden 20-Prozent-Rahmen bei Mieterhöhungen nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren noch nie ausgeschöpft. „Die Wiro-Mieten sind in den letzten beiden Jahren um rund 1,6 Prozent gestiegen“, sagt Sprecher Michael Ahrens. Die durchschnittliche Miete liege bei 5,66 Euro – knapp unter dem Rostocker Mittel. Am teuersten wohnen Wiro-Mieter in Warnemünde (6,72 Euro pro Quadratmeter), am günstigsten in Schmarl (5,07). Und die Wiro treibt verschiedene Bauprojekte voran: So sollen auf der Holzhalbinsel noch in diesem Jahr 180 Wohnungen, in Warnemünde 56 Wohnungen entstehen. Auch das geplante Wohngebiet am Werftdreieck könne helfen, Druck aus dem Wohnungsmarkt zu nehmen, so Ahrens.

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