Stillstand am Mühlendamm

Die Behelfsquerung der Warnow am Rostocker Mühlendamm müssen die Autofahrer noch lange ertragen. Erst im kommenden Frühjahr soll mit dem Bau der neuen Schleusenbrücke begonnen werden.Georg Scharnweber
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Die Behelfsquerung der Warnow am Rostocker Mühlendamm müssen die Autofahrer noch lange ertragen. Erst im kommenden Frühjahr soll mit dem Bau der neuen Schleusenbrücke begonnen werden.Georg Scharnweber

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18. September 2012, 07:57 Uhr

Brinckmansdorf | Frust am Mühlendamm - vor allem für die genervten Autofahrer. Seit dem Abriss der Schleusenbrücke Ende vergangenen Jahres müssen sie sich über eine Behelfsquerung schlängeln. Arbeiter haben sie seitdem keine mehr gesehen: Die Baustelle ist verwaist, es herrscht Stillstand an der Warnow.

Das wurmt auch Tief- und Hafenbauamtschef Heiko Tiburtius, der für den Neubau zuständig ist. "Wir sind zum Spielball von Bund und Land geworden - das konnte keiner ahnen", sagt er. Konkret gehe es um das Vorhaben des Bundes, die Oberwarnow und das Schleusenbauwerk - und damit auch die Kosten für deren Instandhaltung und Betrieb - an das Land Mecklenburg-Vorpommern abzutreten. Die Verhandlungen darüber laufen derzeit. "Die Äußerung des Landes steht noch aus", sagt Dirk Berger vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Stralsund. Er wehrt sich aber dagegen, für die Verzögerung des Brückenneubaus verantwortlich zu sein: "Es gibt keine Rückwirkung auf die Maßnahmen an der Brücke." Für das Plangenehmigungsverfahren seien Stadt beziehungsweise Land zuständig.

Allerdings ist der Abstand zwischen Brücke und Wasserlinie noch strittig. Um Kosten zu sparen, will Tiburtius die Durchfahrtshöhe von rund fünf auf vier Meter verringern. Das aber löste den Protest des WSA aus, das den Erhalt des Abstands forderte. Der Grund: "Unter der Brücke befindet sich ein Notverschluss der Schleusenkammer, in den von oben Verschlusselemente eingeführt werden müssen, die eine gewisse Bauhöhe benötigen", sagt Berger. Der Notverschluss sei im Falle von Baumaßnahmen an der Schleuse wichtig und schütze die Stadt zudem vor extremem Hochwasser. Das WSA prüfe aber derzeit, ob eine Absenkung möglich ist. "Eine Lösung ist in Sicht", so Berger.

Leidtragende sind die Rostocker, die sich jetzt mehrere Monate länger als ohnehin schon geplant mit dem Provisorium arrangieren müssen. Tiburtius’ ursprünglichen Plänen zufolge sollte der Brückenneubau bereits in diesem Halbjahr fertig sein. Jetzt hofft er darauf, im kommenden Frühjahr mit den Bauarbeiten anfangen zu können. "Das Plangenehmigungsverfahren steht kurz vor dem Durchbruch", sagt er. Anschließend muss der Auftrag allerdings noch ausgeschrieben werden, bis zum Zuschlag für ein Unternehmen wird voraussichtlich ein weiteres Vierteljahr vergehen.

Nach Abschluss der Arbeiten an der Brücke soll nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamts Stralsund auch die gesamte Schleusenanlage instand gesetzt werden. Betroffen ist unter anderem die Schleusenkammer, deren Betrieb automatisiert wird. Darüber hinaus plane das Land weitere Anpassungen an den Hochwasserschutz in diesem Bereich.

Wie dringend der Brückenneubau ist, zeigt die Bewertung der Prüfingenieure. Der abgerissenen Brücke gaben sie schon vor Jahren nur noch die Note 3,5 - eine 4 hätte die sofortige Sperrung des mehr als 100 Jahre alten Bauwerks bedeutet. So blieb der Stadt noch genügend Zeit, vor dem Abriss die jeweils einspurige Behelfsumfahrung zu installieren. An der Engstelle fließt der Verkehr, aber nur zäh, gerade zu den Stoßzeiten.

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