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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 14:27 Uhr

Wirtschaft : Stena setzt auf Standort Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Manager Ron Gerlach über die Konzentration der schwedischen Reederei auf die Hansestadt und die Kooperation mit der TT-Line

svz.de von
erstellt am 27.Apr.2016 | 11:45 Uhr

Für die schwedische Stena Line gewinnt durch die günstige strategische Lage der Standort Rostock weiter an Bedeutung. Er ist nach Übernahme von Scandlines vor dreieinhalb Jahren Sitz der Stena Line GmbH & Co. KG, während in Kiel seit Langem die Betriebsstätte der Stena Line Scandinavia AB angesiedelt ist. Zum Jahresende wird nun das Büro in Kiel geschlossen und allein von Rostock aus Verwaltung und Routenmanagement erfolgen. In Kiel laufen gegenwärtig die Gespräche mit dem Betriebsrat, im Rostocker Seehafen werden räumliche Möglichkeiten für den künftigen Unternehmenssitz ausgelotet. Von der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock gab es dafür Angebote. Und die wären auch ganz passabel, aber unterschrieben sei noch nichts, erklärt Routenmanager Ron Gerlach. Das dürfte sicher auch davon abhängen, wie viele der etwa 55 Mitarbeiter von Kiel umziehen, inwieweit künftig die deutsche Unternehmenszentrale in Rostock personell ausgebaut wird. Gegenwärtig sind in MV für die Stena Line 240 Mitarbeiter an Land und auf See beschäftigt. Gerlach geht davon aus, dass sich die Zahl leicht erhöhen wird, lässt aber durchblicken, dass auch Optimierung ein Gebot der Stunde sei.


Swap-Agreement mit der TT-Line


Das verdeutlicht aktuell die Kooperation mit der TT-Line, mit der nach einem so genannten Swap-Agreement beide Seiten ihre Kapazitäten besser auslasten können. Wie schon vor einigen Jahren für einige schwach genutzte Abfahrtszeiten wird mit dem neuen Fahrplan seit dem 4. April nun generell für die Kunden beider Reedereien ein bestimmter Schiffsraum zur Verfügung gestellt. Fazit für die Kunden: Mit fünf Abfahrten in der Nebensaison und sechs in der Hauptsaison wird eine Fährüberfahrt auf der Strecke Rostock-Trelleborg alle drei Stunden möglich – anstelle einer Abfahrt alle sieben bis acht Stunden. „Frachtkunden und Passagiere kommen damit noch flexibler von Rostock nach Trelleborg und zurück. Auch längere Wartezeiten im Hafen gehören damit der Vergangenheit an“, meint Ron Gerlach. Der Effekt für die Reedereien: Schiffe, die so manche Abfahrt kaum mehr als zu 50 Prozent gefüllt waren, sind nun besser ausgelastet. Die Erfahrungen der ersten Wochen bestätigen nach kleineren Anfangsproblemen beim Check-in, dass sich das Miteinander bewährt. Für die eigenständigen Geschäftsabwicklungen der beiden Reedereien ändere sich aber nichts, es sei eine rein logistische Maßnahme, meint Gerlach. In dem neuen Fahrplan waren der TT-Dreiecksverkehr und der Eisenbahntransport durch Stena zu berücksichtigen.

Zum deutschen Routennetz der schwedischen Reederei gehören die Linien Kiel-Göteborg, Rostock-Trelleborg sowie Sassnitz-Trelleborg. Auf allen drei Routen, so Gerlach, gebe es eine positive Tendenz. Insgesamt werde in diesem Jahr eine Steigerung um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr absehbar. Im ersten Quartal 2016 wurden 170 175 Passagiere befördert, somit rund 18 000 mehr als im Vorjahr. Bei Fracht gab es mit 55 859 Einheiten (gegenüber 58 373 im Vorjahresvergleich) zunächst Einbußen. Die Werftzeit der „Skåne“ und „Scandinavica“ Anfang des Jahres ohne Ersatztonnage schlug auch im Bahngüterverkehr (4306 Waggons gegenüber 5099 im Vorjahr) zu Buche.

Die Aussichten sind aber vielversprechend, als Alternative für teilweise gefährliche Reisen ins Mittelmeer gewinnt Skandinavien an Zugkraft. Auch in Sassnitz, wo inzwischen der Passagierverkehr dominiert, werden gute Ergebnisse, insbesondere vom Bordershop land- und seeseitig gemeldet. Nicht nur Bauarbeiten der Bahn in Dänemark führen hier zwischenzeitlich auch zu höherem Frachtaufkommen.

Die aufgelegte „Trelleborg“ wurde inzwischen verkauft. Die„Sassnitz“ erhielt eine Verjüngungskur, bei laufendem Betrieb wurden hier Einrichtungen komfortabler gestaltet. Ein Ersatz des Schiffes ist noch nicht vorgesehen. Für die vier in China bestellten Ro/Pax-Neubauten gibt es schon von ihrer Größenordnung (3000 Lademeter) andere Einsatzpläne.

In Kiel macht der Methanol-Antrieb der „Stena Germanica“ Furore, für den es jüngst gleich zwei Branchenpreise gab. Inzwischen laufen zwei Motoren mit diesem umweltfreundlichen Treibstoff. Die von Rostock verkehrenden „Skåne“ und „Mecklenburg-Vorpommern“ nutzen Marinediesel. Für die „Meck-Pom“ ist Ende des Jahres eine Dockung vorgesehen. Die „Sassnitz“ geht Anfang 2017 in die Werft. Alle deutschen Schiffe werden auch künftig unter deutscher Flagge fahren, betont der Manager. Bei seiner jüngsten Inspektion auf der „Sassnitz“ habe er sich einmal mehr von der guten Pflege der Schiffe als Spiegelbild guter Seemannschaft überzeugen können, erklärt Gerlach.


Manager in Rostock heimisch geworden


Der 40-jährige Berliner, der im vorigen Jahr das Routenmanagement übernahm, ist in seinem Rostocker Zweitwohnsitz inzwischen längst heimisch geworden, wenn er auch wiederholt auf Reisen ist, insbesondere zwischen Kiel und Göteborg pendeln muss. Seinen beruflichen Werdegang hatte er als Schiffbauingenieur unter anderem in Großbritannien und Südkorea begonnen, über 15 Jahre ist er inzwischen bei der schwedischen Reederei tätig. Noch ist er in Rostocker mit seinem Team im Verwaltungsbau am Hafenbecken A zu finden, den sich Stena mit den Reedereien SOL und Finnlines teilt. Im nächsten Jahr könnte die rot-weiße Stena-Flagge mit dem stilisierten „S“ vielleicht am sanierten Bürogebäude am Hafenbecken B wehen. Die Vorkehrungen laufen.

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