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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Oktober 2017 | 18:51 Uhr

Rostock : Steintor wird zum Nadelöhr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Im Frühjahr startet die Sanierung des gesamten Kreuzungsbereiches. Stadt investiert 2,8 Millionen Euro. Haltestelle wird verlegt

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Auch wenn die Unfallzahlen der Polizei etwas anderes sagen – gefühlt ist die Steintor-Kreuzung einer der gefährlichsten Knotenpunkte Rostocks. Um den zu entschärfen, hat die Stadtverwaltung mit allen Beteiligten fast drei Jahre lang geplant, um „vor allem unter dem Aspekt Verkehrssicherheit und -flüssigkeit eine übersichtliche, sichere und moderne Lösung“ für alle Verkehrsteilnehmer zu finden, wie Rostocks Bau-Senator Holger Matthäus (Grüne) gestern bei der Vorstellung der Pläne sagte, die am Abend auch Thema im Ortsbeirat Stadtmitte waren.

Im Frühjahr soll mit dem Umbau begonnen werden. Die Sanierungspläne, für die rund 2,8 Millionen Euro fließen, umfassen neben dem Kreuzungsbereich auch die angrenzende Einmündung der Richard-Wagner-Straße, die gesamte Ernst-Barlach- sowie perspektivisch die Lindenstraße. „Der Bereich ist der letzte große Kreuzungspunkt im Sanierungsgebiet, der noch nicht angefasst wurde – der Bauzustand stammt aus den 80er-Jahren“, so Matthäus.

Fast drei Jahre lang haben alle Beteiligten den Umbau der Rostocker Steintor-Kreuzung geplant, um den Knotenpunkt für alle Verkehrsteilnehmer sicherer zu machen.  Grafik: Hansestadt Rostock
Fast drei Jahre lang haben alle Beteiligten den Umbau der Rostocker Steintor-Kreuzung geplant, um den Knotenpunkt für alle Verkehrsteilnehmer sicherer zu machen. Grafik: Hansestadt Rostock
 

Um den Verkehrsfluss an dieser viel befahrenen Kreuzung auch während der rund anderthalbjährigen Sanierungszeit aufrecht zu erhalten, wird in verschiedenen Abschnitten gebaut. „Wir halten immer mindestens eine Spur stadtein- und -auswärts offen“, sagt Heiko Tiburtius, Leiter des städtischen Amtes für Verkehrsanlagen. Natürlich müssten die Verkehrsteilnehmer mit Engpässen und Einschränkungen rechnen, „aber wir bauen ja auch, um damit am Ende eine langfristige Verbesserung zu erreichen“, so Tiburtius. Die Länge der Bauzeit hinge auch damit zusammen, dass alle Versorgungsträger mit Erneuerungs- oder Umbaubedarf mit beteiligt werden, um die Kreuzung nur einmal anfassen zu müssen. Allein Eurawasser investiert am Standort zwei Millionen Euro für neue Leitungen in bis zu acht Metern Tiefe.

Fest mit in die Planungen integriert ist auch die Rostocker Straßenbahn AG. Gemeinsam wurde entschieden, die Haltestelle Richard-Wagner-Straße zum Steintor zu verlegen, wo sich künftig der öffentliche Nahverkehr konzentrieren und den Nutzern kurze Wege bieten soll. Um Fußgänger und Fahrradfahrer sicherer zu führen, wird es neue signalgesteuerte Übergangsbereiche geben. Sowohl optische als auch akustische Warnsignale sollen künftig in den Ein,- Aus- und Umsteigezonen für mehr Sicherheit sorgen. Auch die Radwegeführungen werden entsprechend geändert.

Wenn die Arbeiten im und rund um den Kreuzungsbereich fertig sind, ist die Sanierung der Lindenstraße geplant. Dort sollen ein neuer Fußweg sowie eine Ampel vor allem die Kinder sicher zur Jenaplanschule leiten.

Details der Einzelmaßnahmen im Überblick

Ernst-Barlach-Straße

Die Fahrstreifen bleiben wie im Bestand erhalten. Auf der Nordseite entsteht ein separater Radfahrstreifen. Der Radweg auf der Südseite wird als Radstreifen auf die Straße geführt. Ausbau des Gehweges sowie Einbau einer sicheren Fußgängerquerung auf der Nordseite. Der Mittelstreifen wird verlängert und mit Bäumen bepflanzt.

Richard-Wagner-Straße

Bisher verlaufen durch die Straße Richtung Steintor eine  Geradeaus-, Links- und eine Rechtsabbiegespur. Um der Verkehrsbelastung gerechter zu werden, sollen künftig zwei Spuren stadtauswärts, also nach rechts führen, und eine geradeaus mit Linksabbiegeoption. Auf der Westseite soll ein neuer Radfahrstreifen eingerichtet werden. Der Gehweg wird dafür schmaler. Auf der Ostseite führt ein kombinierter  Fahrradstreifen Richtung Zentrum geradeaus und nach links in die August-Bebel-Straße.   Die Nebenanlagen werden verkleinert, die Gehwege erneuert.  

August-Bebel-Straße

Es bleiben zwei Fahrstreifen stadteinwärts und drei stadtauswärts, davon eine Linksabbiegespur. Der links abbiegende Radverkehr erhält einen Schutzstreifen.

Steinstraße

In der Steinstraße entsteht ein zusätzlicher Rechtsabbiegestreifen für den Pkw-Verkehr. Der Radfahrstreifen  wird beidseitig zum Schutzstreifen.

Zwischen Bahnhof- und Bleicherstraße

Die Barlachbrücke wird baulich nicht angefasst, lediglich der Höhenunterschied auf dem Gehweg angeglichen. In die Bahnhofstraße kann man künftig aus beiden Richtungen der Barlach-Straße einfahren.  Zusätzlich wird eine Ampel installiert.  In der Bleicherstraße ändert sich die Fahrbeziehung nicht. Allerdings soll man nicht mehr links in die Straße einbiegen können – das Abbiegen geht nur über die Bahnhofstraße. Stadteinwärts fahrende Radler dürfen den Radweg auf der Nordseite mitbenutzen, müssen die Gleisanlagen queren und dann auf dem neuen Radfahrstreifen weiterfahren.  Für mehr Barrierefreiheit entsteht am Kuhtor  eine Rampe mit Geländer.

 

Kommentar des Autors: Hoffentlich richtig gerechnet

Ja, es wird hart werden. Aber immerhin sind sich die Verkehrsteilnehmer der Steintor-Kreuzung,  sonst eher darwinistisch unterwegs, dann sicher mal einig – im Frust über die Einschränkungen während der Sanierung des Knotenpunktes. Aber wer das eine will – Sicherheit und flüssigen Verkehr –, der muss das andere – komplexe Sanierung an der Oberfläche und in der Tiefe – auch in Kauf nehmen. Der Umbau dieses Bereiches ist längst überfällig. Und man möchte den Verantwortlichen glauben, dass sie bei den Verkehrssimulationen am Computer auch schon das weitere Wachstum der Hansestadt mit einberechnet haben. Damit die Kreuzung wirklich nur einmal angefasst wird – und dann sehr lange nicht wieder.

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