Steinewerfer Jim G. verurteilt

svz.de von
11. Juli 2012, 09:28 Uhr

Rostock | Nach dem verlorenen Hansa-Spiel gegen den Erzrivalen St. Pauli hat Jim G. (22) Schottersteine auf Polizisten geschleudert. Die Quittung gab es gestern vom Landgericht Rostock: Jim G. wurde wegen schweren Landfriedensbruchs und versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung.

Jim G. ging vor dem Gerichtssaal unruhig auf und ab, bevor gestern die Verhandlung begann. Zehn Jungen und Mädchen hatte er zur Unterstützung mitgebracht. Jim G. ist Hansa-Fan. Am 19. November 2011 spielte sein Lieblingsclub gegen den Erzrivalen St. Pauli und verlor. 1:3 lautete das Ergebnis. Tief enttäuscht schloss sich Jim G. etwa 300 Vermummten an, die die Auseinandersetzung mit der Polizei suchten. Am Holbeinplatz kam es gegen 16.40 Uhr zu einem Aufeinandertreffen. Auch der Angeklagte sammelte scharfkantige Steine aus dem Schotterbett der Straßenbahngleise und warf damit auf die Polizisten. "Es stimmt alles, wie in der Anklage dargestellt" - das gab er gestern bei der Verhandlung sofort zu.

Leugnen konnte er nicht, was er getan hatte. Schließlich war er eindeutig auf einem Videoband erkannt worden. "Ich habe mindestens zehn oder elf Steine geworfen. Die Beamten standen etwa 30 Meter von mir entfernt", gestand er dann auch. "Sie gehören damit zu jenen, die den Fußball in Verruf bringen", sagt der Richter. Zum Glück sei niemand verletzt worden. Das hätte schlimme Folgen gehabt, auch für Jim G. selbst, so der Richter. Darüber habe er noch nicht wirklich nachgedacht, antwortete der Angeklagte. "Ich bin einfach mitgelaufen. Und Alkohol hatte ich auch getrunken", versuchte er, sich zu rechtfertigten. "Das können wir hier nicht berücksichtigen", konterte der Richter. Für schweren Landfriedensbruch sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren vor. Anklage und Gericht waren sich am Ende einig. Acht Monate Freiheitsstrafe lautete das Urteil. Unter Zurückstellung aller Bedenken wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. "Ob es richtig ist, weiß ich nicht", meinte der Vorsitzende Richter angesichts einer einschlägigen Vorstrafe des Angeklagten. "Nutzen Sie die Chance. Fangen Sie an zu lernen, sonst sind Sie schneller wieder hier, als Sie denken."

Das Gericht legte die Bewährungszeit auf zwei Jahre fest. Der Angeklagte muss die Kosten des Verfahrens bezahlen und 90 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten. Außerdem wird er der Obhut eines Bewährungshelfers unterstellt. Hansa-Fan Jim G. nahm das Urteil an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen