Hohe Düne : Steganlage droht die Sperrung

Michaela Raddatz kennt die Hafenanlagen einschließlich aller Schwachstellen in und am Alten Strom ganz genau.  Fotos: Hars
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Michaela Raddatz kennt die Hafenanlagen einschließlich aller Schwachstellen in und am Alten Strom ganz genau. Fotos: Hars

Marode Unterbauten bereiten Kopfzerbrechen. Nach Notsanierung sind weitere Reparaturen Ende 2015 ausgeschlossen.

Oben hui, unten pfui. So lässt sich der Zustand einer knapp 80 Meter großen, von der Landessportschule genutzten Stegplattform auf der Ostseite des Alten Stroms an der Yachthafenmole beschreiben. Während die Laufplanken einen guten Eindruck vermitteln, ist der Unterbau völlig marode. Ähnlich schlimm steht es um die sich anschließende knapp 300 Meter lange Holzsteganlage.

„Wir haben im Bereich der Holzplattform eine Not-Instandsetzung vorgenommen, die eine weitere Nutzung der Fläche für zwei Jahre sichert. Doch nach der Saison 2015 ist wahrscheinlich Schluss. Weitere Reparaturen sind nicht möglich“, sagt Michaela Raddatz. Die Koor-dinatorin in der Abteilung Hafenbau des Tief- und Hafenbauamtes weiß sehr wohl, dass das Sperren und Rückbauen der Anlage erhebliche Auswirkungen auf den Sportbootbetrieb haben wird.

„Deshalb schauen wir hier nicht tatenlos zu. Ende des Jahres wird ein Gutachten vorliegen, woraus auch ersichtlich wird, was eine Ersatzinvestition kostet. Allerdings heißt das leider nicht, dass erforderliche finanzielle Mittel sofort verfügbar sind. Hier geht es schließlich um Millionen“, so Raddatz, für die die Steganlage und die Plattform echte Sorgenkinder sind. „Alle anderen Bereiche des Alten Stroms sind weitgehend saniert beziehungsweise werden gerade in Ordnung gebracht“, betont die Diplom-Ingenieurin für Schiffbau, die seit 1995 in der Stadtverwaltung tätig ist.

Immerhin rund 14 Millionen Euro wurden seit der Wende in die Hafenanlagen im und am Alten Strom investiert. Auch wenn durch die Vergabe von Liegeplätzen Geld in die Kassen kommt: Diese Einnahmen decken nicht einmal die Hälfte der Kosten für die Sanierung und Unterhaltung der Hafenanlagen des Alten Stroms. „Dabei bedenken wir natürlich auch, dass der Hafen eine Mehrfach-Funktion hat. Schließlich ist er auch ein touristisches Highlight und dient als Ufersicherung für das angrenzende Areal“, sagt Michaela Raddatz.

Der Start für die Rekonstruktion des Alten Stroms erfolgte 1993 mit der wohl größten und kostenintensivsten Baumaßnahme, die sich auf der Westseite von der Bahnhofsbrücke bis zur Molenwurzel der Westmole jemals erstreckte. Doch Wellen, Wasser und die sich im Strom wohlfühlende Bohrpfahlmuschel setzen den vorwiegend aus Kiefernholz bestehenden Anlagen mächtig zu. Deren Lebensdauer wird mit durchschnittlich 15 Jahren beziffert. Warum also kommen nicht länger haltbare Tropenhölzer oder gar Kunststoffe zum Einsatz? „Kunststoff scheidet aus, denn wir befinden uns hier in einem Denkmalbereich. Allerdings haben wir bereits einen Kompromiss hinsichtlich der Tragpfähle und Unterkonstruktionen der Stege geschlossen. Diese müssen nicht mehr aus Holz, sondern dürfen auch aus Metall sein“, sagt die Fachfrau. Schließlich sei es den Gewerbetreibenden und Anwohnern nicht zuzumuten, alle 15 bis 20 Jahre wieder auf einer Großbaustelle zu leben und zu arbeiten.

Auch die Kosten seien nicht zu unterschätzen. „Tropenhölzer kommen in Rostock generell nicht zum Einsatz. Dazu hat sich die Bürgerschaft bekannt“, sagt die Rostockerin. Eine Ausnahme bilden die Gründungspfähle von der Westmolenwurzel Richtung Norden. Sie stammen ursprünglich aus dem Hamburger Hafen.

Gegenwärtig gibt es im Alten Strom zwei viel beachtete Baustellen. In Vorbereitung ist die mittelfristig geplante Neugestaltung der südlichen Querwand in Höhe des Zollhauses, durch die der Alte Strom etwa um 25 Meter kürzer sein wird, denn das den Alten und Neuen Strom verbindende Durchlassbauwerk wird verlängert und die Straße in Richtung Alter Strom verlegt. „Die Anzahl der Lie-geplätze wird sich dadurch aber nicht verringern“, versichert die Hafenbau-Koordinatorin.

Wenige Meter entfernt entlang der Bahnhofsanlagen sind ebenfalls Bauarbeiten im Gange. In einem dritten Bauabschnitt erfolgt auf einer Länge von rund 250 Metern die Ufersicherung. Die Fertigstellung steht bevor. Ab 12. Dezember können die Boote des Tauchsport- sowie des Kuttersegelclubs ihre alten Liegeplätze wieder ein-nehmen. „Das betrifft aber noch nicht all die anderen Boote, die vorübergehend weichen mussten. Wir halten den Platz frei, zunächst für jene Boote auf der gegenüberliegenden Seite, die im Zuge dort geplanter Hochwasserschutzmaßnahmen vorübergehend weichen müssen“, sagt Raddatz.

Die aktuelle Baumaßnahme Nummer zwei erstreckt sich auf der Westseite ab Bahnhofsbrücke in Richtung Norden. Dort wurden jetzt die letzten noch vorhandenen Holzsteganlagen zurückgebaut und Müll aus dem Gewässer geborgen. Ab sofort im Gange sind Rammarbeiten. Denen folgen sollen Stahl- und zum Abschluss Holzarbeiten auf den neuen Stegen. „Diese Maßnahme wollen wir im Mai abschließen“, sagt Raddatz.

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