Stasi-Knast: Stahlträger gegen Einsturzgefahr

60 der mehr als 1000 Glasbausteine will Maik Bornstein ersetzen.Georg Scharnweber
60 der mehr als 1000 Glasbausteine will Maik Bornstein ersetzen.Georg Scharnweber

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26. September 2012, 09:46 Uhr

Stadtmitte | Wegen Einsturzgefahr geschlossen: Bis Ende Oktober stabilisieren Bauarbeiter die Zwischendecke der ehemaligen Stasi-U-Haftanstalt in der Hermannstraße. Stahlträger sollen der Konstruktion aus Beton und Glas zusätzlichen Halt verleihen und so verhindern, dass Besucher vom ersten Stock ins Erdgeschoss durchbrechen.

"Außerdem werden 60 der am schwersten beschädigten Glasbausteine gewechselt", sagt Maik Bornstein, Projektleiter des Betriebs für Bau und Liegenschaften MV (BBL). Wie bei den extra schmalen Stahlträgern handelt es sich dabei um Spezialanfertigungen - die Ende der 1950er-Jahre verbauten zwei Zentimeter dicken Steine entsprechen nicht mehr der Norm. "Das Gebäude soll aber so erhalten bleiben, wie es ist", sagt Bornstein. Besucher sollten den denkmalgeschützten Ort authentisch erleben können, so der Projektleiter.


Gebäude bekommt Brandmeldeanlage

Das wird schon ab dem 16. Oktober wieder möglich sein. Dann wird die Ausstellung im ersten Stock wiedereröffnet. Bis dahin sollen auch die neuen Steine eingesetzt sein, die in Sachsen gefertigt und am 4. Oktober geliefert werden. Jedes einzelne Exemplar wird Belastungstests unterzogen, um Schäden mit Sicherheit auszuschließen. "Ursprünglich war die Decke ja nur für das Gewicht einzelner Gefangener und Wärter ausgelegt", sagt Bornstein. Heute stünden dagegen ganze Gruppen vor den Ausstellungstafeln und Zellen.

Sie sollen künftig auch durch eine Brandmeldeanlage geschützt werden. Diese wird parallel zu den Decken-Arbeiten im Haus installiert, gemeinsam mit einer Notbeleuchtung. "Auch im Gefängnis muss der Notausgang zu finden sein", sagt Bornstein.

Von den Baumaßnahmen betroffen ist auch die Uni-Fachbibliothek DDR-Geschichte. Sie ist in zwei langen Fluren im Erdgeschoss untergebracht, musste jetzt aber komplett leergeräumt werden. Bis zum 13. Oktober sollen die Bücher wieder an gewohnter Stelle zu finden sein.

Auf lange Sicht sieht Bornstein noch viel Handlungsbedarf zum Erhalt der Gedenkstätte. Das Dach beispielsweise wurde nur notdürftig geflickt, nachdem es schon durchgeregnet hatte. "Allerdings fehlt noch immer ein Gesamtkonzept", sagt der Projektleiter. Es müsse klar sein, wie viel Geld das Land noch bereit ist, in die Sanierung des Gebäudes zu stecken und wie mit möglichen Schäden umgegangen werden soll. Viele der Materialien von damals seien heute nur sehr schwer zu bekommen.

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