Standesbeamtin hört tausende "Ja" - und ein "Nein"

Hannelore Rösler hat in ihrer Zeit  als Standesbeamtin viel erlebt. clla
Hannelore Rösler hat in ihrer Zeit als Standesbeamtin viel erlebt. clla

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28. Mai 2013, 09:26 Uhr

Papendorf | Gefälschte Urkunden, ein betrunkener Bräutigam, Promi-Eheschließungen, ein "Nein" während der Zeremonie und Tiere als Ringträger - es gibt fast nichts, das Hannelore Rösler nicht erlebt hat. Mehrere tausend Paare haben vor der ehemaligen Standesbeamtin das Ja-Wort abgelegt. Nach dem Berufsstart in Zinnowitz leitete Rösler das Rostocker Standesamt und wechselte anschließend nach Gelbensande. Mittlerweile arbeitet sie als freie Fest-Rednerin in Rostock und Umgebung.

Über ihre zahlreichen Erinnerungen und das Aufgabengebiet von Standesbeamten sprach Rösler jetzt beim Papendorfer Salon in der Jugendstilvilla nahe der Warnow. Zum Beispiel über ihren ältesten Ja-Sager, einen 86-jährigen Bräutigam mit einer erheblich jüngeren Frau. Oder über eine Trauung, bei der die Frau "so hochschwanger war, dass ich hoffte, die Zeremonie würde sie nicht zu sehr aufregen", so Rösler. Die Kinder kamen aber ehelich zur Welt: "Die Zwillinge wurden vier Stunden nach dem Ja-Wort im Schloss Gelbensande geboren", sagte die ehemalige Standesbeamtin. Einem Bräutigam, der bereits dreimal mit unterschiedlichen Bräuten vor ihr "Ja" gesagt hatte, empfahl sie für Versuch Nummer vier dann aber eine Kollegin. Zu schwer sei es gewesen, immer wieder freudige Worte über die Ehe und den Glauben an die ewige Liebe zu finden. Am Ende hätte es bei diesem Mann sogar eine Nummer fünf gegeben - diese sei aber wohl die Letzte gewesen. Eine besondere Trauung erlebte sie auch zu DDR-Zeiten, als der Mann "Nein" sagte. 14 Tage später hätte das Paar dann doch geheiratet. "14 Tage danach musste ich dann einen unnatürlichen Sterbefall bekunden - diesmal betraf es die Frau", so Rösler.

Eines stellte sie nach ihrem Vortrag fest und lobte damit das Ambiente der Villa: "Wenn ich heute noch Standesbeamtin wäre - das hier wäre der schönste Ort zum Verheiraten". Gastgeber Olav Killinger öffnet seit diesem Jahr erstmals die Tore der Villa auch für Brautpaare - als Außenstelle des Rostocker Standesamtes. Im März fand die erste Eheschließung statt. Vier Paare haben bereits "Ja" gesagt, am Freitag kommen die nächsten drei dazu. Insgesamt haben sich 27 Heiratswillige für den neuen Trau-Ort angemeldet. Der bietet sogar eine Besonderheit: Denn wenn das Wetter mitspielt, kann in der Papendorfer Villa auch unter freiem Himmel geheiratet werden.

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