Rostock : Stadtteilzentren leisten gute Arbeit

45 000 Menschen kommen jährlich ins SBZ Dierkow. Steffen Ohm und sein Team sind für sie da.
45 000 Menschen kommen jährlich ins SBZ Dierkow. Steffen Ohm und sein Team sind für sie da.

Eine Analyse ergibt: SBZ’s werden ihren Aufgaben gerecht

svz.de von
08. November 2014, 11:00 Uhr

Drei Tage in der Woche sind bei Inge Scheel fest verplant. Dann fährt die Rentnerin in die Lorenzstraße 66. Dort hilft sie als Ehrenamtliche im Stadtteil- und Begegnungszentrum Dierkow aus. Sie unterstützt die Festangestellten bei deren täglicher Arbeit. So backt sie unter anderem Kuchen für die Café-Nachmittage, sorgt dafür, dass beim Mittagessen alle satt werden und ist dabei, wenn Veranstaltungen ins Haus stehen. „Es ist wichtig, dass es die Stadtteil- und Begegnungszentren (SBZ’s) gibt. „Sie ermöglichen Menschen sich zu integrieren. Sie schaffen ein Gefühl von Zusammenhalt. Da muss niemand alleine Zuhause sitzen und traurig sein“, sagt Scheel. Die Arbeit macht der 67-Jährigen Spaß. „Mein Mann und ich kommen her, wenn uns unsere Familie nicht genug fordert“, scherzt sie. „Wir bekommen aber auch sehr viel zurück, von den Festangestellten, aber auch von den Menschen, die das Angebot des SBZ’s nutzen“, ergänzt sie.

Im Stadtteil- und Begegnungszentrum Dierkow arbeiten fünf Festangestellte und 45 ehrenamtliche Helfer. Zu wenig, wie SBZ-Leiter Steffen Ohm findet: „Wir stoßen immer wieder an unsere personellen Kapazitäten im hauptamtlichen Bereich“, sagt er und steht damit nicht alleine da. Erst gestern verkündeten die neun Stadtteil- und Begegnungszentren der Hansestadt Rostock gemeinsam, woran es in der Struktur ihrer Einrichtungen noch hapert. „Am 8. November 2005 lag ein beschlussfertiges Rahmenkonzept vor, das für unsere SBZ’s als künftige Handlungsgrundlage dienen sollte“, so Ohm. „Danach haben wir in den letzten neun Jahren gearbeitet“, erklärt er weiter. Um herauszufinden, ob diese Arbeit erfolgreich war, haben die SBZ’s nun eine Eigen- sowie eine Fremd-Evaluation vorgenommen. „Bei den Ergebnissen gibt es zahlreiche Schnittstellen: Die SBZ’s stellen einen sichtbaren Ort der Bündelung von Interessen und Bedürfnissen der einzelnen Stadtteilbewohner dar“, erläutert Dr. Anja Schwertfeger vom Institut für Allgemeine Pädagogik und Sozialpädagogik der Universität Rostock. Das Institut hat die Fremdbewertung der SBZ’s vorgenommen. Die Angebote der Zentren seien vielfältig und auf die Besucher abgestimmt. Problematisch sei nur, junge Heranwachsende im Alter von 13 bis 17 Jahren zu erreichen. „Dazu müssen wir auf die Straße gehen, an die Orte, wo sich die Jugendlichen aufhalten. Früher gab es dazu Streetworker. Die wurden abgeschafft. Wir selber können diese Aufgabe momentan personell noch nicht übernehmen“, sagt Ohm. Das Geld, um eine weitere feste Stelle bezahlen zu können, würde fehlen. „Für den Haushalt 2015 hat der gesamte Jugendhilfebereich bei der Stadt eine Bedarfssumme von mindestens 7,2 Millionen Euro angegeben. 6,6 Millionen stünden aber nur zur Verfügung“, erklärt Frank Lüttgerding, Leiter des Rostocker Freizeitzentrums. Ungefähr die Hälfte des Geldes gehe an die Stadtteil- und Begegnungszentren. „Wir werden auf Sparflamme gehalten“, so Lüttgerding. „Wir sind diejenigen, die immer als selbstverständlich angesehen werden, aber wenn es darum geht, einen Haushalt aufzustellen, sind wir beliebig. Wir brauchen Kontinuität. Bisher arbeiten wir auf Risikobasis und gehen jedes Jahr für unsere Projekte in Vorkasse“, ergänzt sein Kollege Steffen Ohm.

Dabei stünden die SBZ’s in den kommenden Jahren vor einigen Herausforderungen – und das nicht nur im Bereich der Jugendhilfe. „Auch Zuwanderung und der demografische Wandel sind zwei große Themen, denen wir uns stellen müssen“, sagt Ingeborg Teuber vom SBZ Lütten Klein. „Wir müssen im Stadtteil soziales Leben gestalten und die Wohnzufriedenheit sichern - für und mit den Menschen“, ergänzt sie.

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