Biestow : Traditionsort im Wandel

Seit 1997 wohnt Klaus Armbröster mit seiner Frau in Biestow. Allein in dem Jahr wuchs der Stadtteil dank des damals neuen Wohnparks um mehr als 1100 Bewohner.
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Seit 1997 wohnt Klaus Armbröster mit seiner Frau in Biestow. Allein in dem Jahr wuchs der Stadtteil dank des damals neuen Wohnparks um mehr als 1100 Bewohner.

Wie viele andere ist Klaus Armbröster Mitte der 90er-Jahre ins rasant wachsende Viertel gezogen und weiß die Kombination aus Land- und Stadtleben zu schätzen

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05. November 2015, 12:00 Uhr

Nicht ein Biestow, sondern gleich vier Teilgebiete innerhalb seines Wohnviertels zählt Klaus Armbröster. Zum einen gebe es natürlich den alten Ortskern rund um Kirche, Pfarrhaus, die beiden Friedhöfe, den Dorfteich und das denkmalgeschützte Niederdeutsche Hallenhaus. Früher seien hier auch verschiedene Büdnereien ansässig gewesen, so Armbröster. Gleich nebenan liegt das in den 1950er-Jahren entstandene Wohngebiet entlang des Biestower Damms und der Neuen Reihe.

In diesen beiden Ortsteilen leben die alteingesessenen Einwohner. „Das sind die Altbiestower, die gegen alles sind – damals schon gegen den Reiterhof und heute gegen den Rittmeister“, sagt Armbröster. Und deren Meinung vertrete auch der Ortsbeirat, der von Armbröster als rückwärtsgerichtet empfunden wird. „Biestow ist im Prinzip gespalten“, sagt er. Auf der Gegenseite stünden die zugezogenen Einwohner, die im Mitte der 90er entstandenen Wohnpark und rund um den Herrenteich wohnen. Sie wünschten sich das Wellness-Angebot, das Rittmeister-Inhaber Andreas Barnehl schaffen möchte. „So etwas fehlt hier“, sagt Armbröster. „Die Biestower könnten dort sogar im Bademantel hingehen.“ Außerdem entstünden so mehr Arbeitsplätze und die Stadt könne mehr Steuern einnehmen.

Armbröster selbst und seine Frau sind 1997 in den Stadtteil gezogen, lebten vorher in Reutershagen. „Wir wollten wohnmäßig etwas Besseres“, sagt der 81-Jährige, der sich im Haus der beiden pudelwohl fühlt: „Ich sage immer, wir leben auf dem Land in der Stadt.“ Die City sei nur vier Kilometer entfernt und bequem zu Fuß, mit dem Fahrrad, Auto oder der Straßenbahn zu erreichen. „Bei der Wohnlage ist Biestow im Ranking weit vorne“, sagt Armbröster. Von der idealen Joggingstrecke bis zum Feierabendbier im Bauernhaus habe das Viertel eine intakte Infrastruktur zu bieten. „Das Bauernhaus hat seit mehr als 100 Jahren eine Schankgenehmigung – wo gibt es das noch in Rostock?“

Einzigartig ist auch die Biestower Bevölkerungsexplosion. Ausgehend von 567 Einwohnern im Jahr 1992 verfünffachte sich die Zahl, auf heute rund 3000. Und ein Ende ist noch nicht abzusehen – bald sollen am Ortsrand neue Häuser entstehen. „Das wird sich gut einpassen“, ist Armbröster überzeugt. „Da wird keinem was an Wohnqualität weggenommen.“ Im Gegenteil: Der Rentner freut sich schon auf die vermutlich vielen jungen Familien. „Es gibt nichts Schöneres als Kindergeschrei, das ist die Zukunft, die da heranwächst.“

Auch die schon im Viertel beheimateten Familien wissen dessen Vorzüge sehr zu schätzen, so Armbröster. Zoo, Barnstorfer Wald und selbst Warnemünde oder die Rostocker Heide seien von Biestow aus schnell zu erreichen. Und auch im Stadtteil selbst gebe es zahlreiche schöne Ecken und Sehenswürdigkeiten. Etwa die ländliche Idylle rund um den Fohlenhof oder das Kirchensemble, das seit der Weihung des Gotteshauses 1298 entstanden ist. „Das ist wirklich etwas ganz Besonderes“, sagt Armbröster.

Der Ort Biestow wurde erstmals 1282 urkundlich erwähnt. Nach Rostock eingemeindet wurde das bis dahin eigenständige Dorf am 1. Juli 1950. „Auch so gesehen ist Biestow ein junger Stadtteil“, sagt Armbröster. Dank der guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr eigne sich das Viertel aber nicht nur für Familien und jüngere Bewohner, sondern ebenso gut als Altersruhesitz – wie die Seniorenresidenz Ährenkamp der Volkssolidarität beweise. „Das ist eine sehr gute Sache“, so Armbröster.

Ein kleines Manko allerdings gebe es: „Wir hatten mal einen Fleischer und einen Gemischtwarenladen – da sind gerade die älteren Menschen gerne hingegangen“, sagt Armbröster. Aber vielleicht bringen die neuen Häuser ja auch in dieser Hinsicht neuen Schwung nach Biestow.

Das Fazit:

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