Schmarl : Maritimes Flair und Zusammenhalt

Bereits seit 1979 wohnt Wilhelm Meyer im Stadtteil. Spaziergänge entlang der Warnow zum Jugendschiff „Likedeeler“ zählen zu seinen Empfehlungen.  Fotos: jhah
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Bereits seit 1979 wohnt Wilhelm Meyer im Stadtteil. Spaziergänge entlang der Warnow zum Jugendschiff „Likedeeler“ zählen zu seinen Empfehlungen. Fotos: jhah

Wilhelm Meyer, Vorsitzender der Schmarler Ortsgruppe der Volkssolidarität, mag die vielen Grünanlagen im Stadtteil / Frühere Schulspeisung steht in der Kritik

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24. November 2015, 12:02 Uhr

Was haben Christoph Kolumbus, Roald Amundsen und Adam von Krusenstern gemeinsam? „Alle drei sind Seefahrer, die Straßen in Schmarl ihren Namen geben“, sagt Wilhelm Meyer. Deshalb suchte sich der 78-Jährige die „Likedeeler“ als Startpunkt für den NNN-Stadtteil-Check aus. Dieses alte Frachtschiff am Ufer der Warnow habe eine große Bedeutung für das Viertel. „Seit 1970 ist die ,Likedeeler‘ in Schmarl“, sagt Meyer. Aber nicht nur durch sie erlangte der Rostocker Ortsteil bereits in der ehemaligen DDR Aufmerksamkeit – auch das Traditionsschiff „Dresden“ Typ Frieden darf bei einem Besuch nicht fehlen. „Rund um die ,Dresden‘ gibt es eine historische Slipanlage, Dampfwinden und einen Dampfschlepper zu bestaunen“, erzählt Wilhelm Meyer, der am Ufer der Warnow gerne mit der Familie spazieren geht.

Zum maritimen Flair gehört für den Vorsitzenden des Schmarler Senioren-Netzwerks die gelebte Patenschaft der Krusensternschule mit dem gleichnamigen Segelschulschiff der russischen Marine. „Die Schüler durften sogar schon mitfahren“, habe er gehört. Außerdem gehöre der Fracht- und Fischereihafen zum Stadtteil. „Der Warenverkehr nach Skandinavien, ins Baltikum oder nach Russland hat natürlich wirtschaftliche Auswirkungen und bringt Arbeit in den Stadtteil.“

Für den Rentner sei Schmarl seine Heimat und damit viel mehr als nur ein Wohngebiet. „Unser Stadtteil grenzt im Norden an den IGA-Park“, sagt der Rostocker und findet, dass hier ein „besonders reizvolles Naherholungsgebiet direkt vor der Haustür liegt“. Besonders gefallen Meyer die Internationen Gärten: „Der Chinesische Garten ist ein Zusammenspiel aus Harmonie, Wasser und chinesischer Baukunst.“

Einst war Schmarl den Rostockern ein Dorn im Auge, das sei besonders auf die durchmischte Sozialstruktur zurückzuführen, bemerkt Meyer nachdenklich. Rückblick: Zwischen 1976 und 1979 entstand im heutigen Viertel eine Großraumsiedlung für 17 000 Menschen. „Damit zählte Schmarl zu den jüngsten Stadtteilen der Hansestadt“, berichtet Meyer und führt weiter aus, dass „fast die Hälfte der Einwohner nach der Wende wieder wegzog“. Heute zähle der Stadtteil wieder 8400 Menschen, von denen allerdings ein hoher Anteil von Armut bedroht sei. „Darunter viele Familien mit Kindern“, erläutert Meyer besorgt. Ihn freue allerdings, dass „der Renovierungsstand der Plattenbauten auf einem sehr hohen Niveau ist“. Einen großen Anteil daran habe das Projekt „Soziale Stadt“. Innerhalb von 13 Jahren flossen mehr als 22 Millionen Euro in das Projekt – gezahlt von Bund und Land. Der Diplom-Ingenieur ist zudem stolz in einem „kulturhistorisch bedeutsamen Bau mit Klinker- und Farbflächenverzierung zu wohnen“. Diese würden sogar mittelalterliche Backsteinelemente und Ornamentik aufgreifen. „Viele Rostocker wissen zudem nicht, wie schön die Wohnungen von innen sind.“ Außerdem würden die Gebäude die Bewohner zusammenbringen. Denn: „Wir sind nah beieinander und solidarisch.“ Ein Beispiel für den Zusammenhalt im Stadtteil sei für den Rentner der jährliche Frühjahrsputz unter dem Motto „Schmarl räumt auf“. „Ich bin jeden April mit dabei.“ Gemeinsam reinigen die Teilnehmer den Stadtteil und den Schmarler Bach. „Vereine, Kindergärten und mehrere Schulen sind mit dabei“, beschreibt Meyer. Unterstützt wird die Aktion vom Amt für Stadtgrün und vom Umweltamt der Hansestadt Rostock, dem RGS-Stadtteilbüro, dem Verein Charisma und dem Jugendschiff „Likedeeler“. „Dadurch können wir ein deutliches Zeichen für die Sauberkeit im Stadtteil setzen“, so der Schmarler.

Dennoch, ein Schandfleck im Wohngebiet störe ihn besonders: „Die ehemalige Schulspeisung hinter der Kaufhalle sieht schrecklich aus“, sagt er und fordert den Abriss. Doch der letzte Mieter, ein Spielcasino, stellt sich seit Jahren quer. Dabei gibt es viele Ideen für eine andere Nutzung.

Das Fazit:

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