Gartenstadt/Stadtweide : Eine grüne Lunge mitten in der Stadt

Der TC Blau-Weiß Rostock hat seinen Sitz Am Waldessaum. Dörte Kniep kennt die Anlage seit der Eröffnung und ist seit nunmehr 20 Jahren Vereinsvorsitzende. Fotos: Juliane Hinz
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Der TC Blau-Weiß Rostock hat seinen Sitz Am Waldessaum. Dörte Kniep kennt die Anlage seit der Eröffnung und ist seit nunmehr 20 Jahren Vereinsvorsitzende. Fotos: Juliane Hinz

Dörte Kniep wohnt schon ihr ganzes Leben in der Gartenstadt und schwärmt von der Ruhe und nachbarschaftlichen Atmosphäre, die das Viertel prägen

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18. November 2015, 09:58 Uhr

„Bald wird es wohl zu kalt sein, um auf den Platz zu gehen.“ Eine Frau im Trainingsanzug öffnet ihre Sporttasche und zieht einen Tennisschläger heraus. So langsam beginnt die Hallensaison. Dörte Kniep lächelt ihre Vereinskollegin an: „Nehmt den hinteren Platz, da steht grade schön die Sonne drauf.“ Die Vorsitzende des TC Blau-Weiß Rostock kennt das Trainingsgelände seit seiner Eröffnung 1972. Da war sie acht Jahre alt und fing mit Tennis an. Heute leitet sie den Verein bereits seit 20 Jahren.

Dörte Kniep ist Gartenstädterin durch und durch. Hier wurde sie geboren, hier wuchs sie auf. „Schule, Ausbildung, Studium – das habe ich alles in Rostock gemacht und alles vom Nelkenweg aus.“ Die 52-Jährige ist heute Lehrerin für Geschichte und Sport an der Beruflichen Schule Wirtschaft in Schmarl. Auf dem Tennisplatz verbringt sie einen großen Teil ihrer Freizeit. Hier und im Vereinslokal treffen sich viele Bewohner des Wohnviertels. Aber: „Die richtigen Treffpunkte fehlen heute. Es gibt keine Stammkneipe oder so etwas.“ Über ein Stadtteilfest habe sie schon einmal mit anderen nachgedacht, noch sei aber nichts daraus geworden.

In ihrer Kindheit seien die Geschäfte der Mittelpunkt des geselligen Lebens in der Gartenstadt gewesen, erinnert sich Dörte Kniep. Da gab es den Gemüsehandel, Kaufmann Sass mit Milch und Käse, einen Konsum mit Fleischtheke, einen Papierwarenladen und den Krämer Van der Heiden. „Den mochte ich am liebsten. Maximal zehn Kunden passten in das kleine Geschäft, überall gab es Schubladen. Der Krämer mit seinem weißen Kittel hatte für jeden einen Spruch und für uns Kinder gab es Bonbons“, erzählt Dörte Kniep. Nach der Wende seien die Geschäfte nach und nach geschlossen worden – weil es HO und Konsum einfach nicht mehr gab oder weil die Läden den Generationenwechsel nicht überlebten. Heute gibt es für die Bewohner zwei Supermärkte in der Nähe, immerhin.

Während Dörte Kniep aus ihrer Kindheit erzählt, springt ein schwarzer Kater auf ihren Schoß und bettelt um Streicheleinheiten. „Dein Herrchen ist erst morgen wieder da“, versucht Dörte Kniep das Tier zu vertrösten. Doch das lässt sich nicht abschütteln. Schließlich gibt die Frau mit dem blonden Kurzhaarschnitt nach und krault die Samtpfote hinter den Ohren.

Die Gartenstadt sei ein großartiger Ort zum Leben, sagt Dörte Kniep: „Sie ist eine grüne Lunge, eine Oase mitten in der Stadt.“ Auch wenn der Durchgangsverkehr durch den Westzubringer zugenommen habe, sei es noch immer relativ ruhig. Ein Luxus mit Folgen: „Die Immobilienpreise gehören zu den gehobenen.“ Viele Zu- und Fortzüge gibt es aber nicht. Wenn Neue kommen, dann sind es nicht selten Familien. Dörte Kniep selbst hat vier Kinder. Mit der Kita Pusteblume und der Christophorusschule gibt es für die jüngsten Gartenstädter zumindest Anlaufpunkte. Sonst, sagt Dörte Kniep, müssten sich die Kinder schon aufs Fahrrad und in den Bus setzen. „Aber Sportstätten und das Freizeitzentrum sind ja ganz in der Nähe.“ Werden die Kinder zu jungen Erwachsenen, sieht es da schon schwieriger aus. „Nachtleben gibt es hier keins, höchstens in der Sternwarte“, scherzt Dörte Kniep. Das sei aber in Ordnung, schließlich ist die Gartenstadt ein Wohnviertel. „Man trifft sich bei Freunden, im Sommer im Garten, da können die Kinder spielen.“ Die Atmosphäre im Viertel sei nachbarschaftlich. Das hat auch zur Folge, dass beispielsweise schon die Stadtweide, die eigentlich zum Stadtteil gehört, ganz weit weg erscheint. „Selbst den Asternhof hat man gar nicht mehr im Blick, obwohl da ein ganz neues Viertel entstanden ist.“

Auf dem Weg zu ihrem Auto klemmt sich Dörte Kniep zwei Tennisschläger unter den Arm. Den einen wird sie ihrem Mann zum Reparieren geben. „Er bespannt manchmal die Schläger der Vereinsmitglieder neu.“ Rund 380 Sportler seien das mittlerweile. „Sie kommen aus ganz Rostock, natürlich aber auch aus der Gartenstadt.“ 

Das Fazit:
 

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