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Wir in Warnemünde : Ein Kenner der Seebad-Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Klaus Lass ist Latüchtenwärter und gibt sein Wissen in Stadtrundgängen weiter / Außerdem ist er ein bekannter Musiker

svz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 10:58 Uhr

Klaus Lass vereint in einer Person verschiedene Rollen: Der 64-Jährige ist im Seebad aufgewachsen, hat fast ausnahmslos hier gelebt und ist Warnemünder. Jedenfalls in den Augen von Rostockern. Nur die Entbindung war in Rostock – für die Zwillingsgeburt mit ihm und Schwester Dagmar musste seine Mutter in die Doberaner Straße. Für strenge Warnemünder gilt Lass deshalb nicht als waschechter Warnemünder, obwohl er nur zum Erblicken des Lichts der Welt und ein paar Tage danach in Rostock war. Bei dem Thema hängt die Warnemünder Messlatte hoch. Diese Marotte wird aber abflauen, weil es keine Geburtsstation im Ostseebad gibt und bis auf Hausgeburten alle Entbindungen in Rostock stattfinden.

Lass ist gelernter Maschinenbauer, hat als Musiker in Bands wie Suite Union oder Excentra oder Duos gespielt, war mit Peter Wilke von 1979 bis 2012 De Plaatfööt. Seit dem Ende ist er solistisch als Plattföt-Klaus unterwegs. Eine wichtige Figur ist die als Latüchtenwärter von Warnemünde. Die Rolle hat er sich selbst vor fünf Jahren auf den Leib geschneidert.

Seine Ostseebad-Rundgänge starten an der Vogtei. „Dort erzähle ich immer, dass es das einzige Gebäude ist, das quer steht und nicht mit dem Giebel zum Strom“, sagt er. Und er weiß mehr: Obwohl durch den Maueranker mit der Jahreszahl 1605 alle denken, dass das Haus auf dieses Jahr datiert, stammt das Gebäude von etwa 1300. „1605 wurde es renoviert“, sagt er.

Dann führt Laas die Gäste zum Munch-Haus, wo sich der berühmte norwegische Maler von 1907 bis 1908 von einer mentalen Krise erholt hat. Weiter geht der Weg zur Seekiste Zur Krim, die ihren Namen durch den Krim-Krieg bekommen hat. Bei der I. Querstraße gibt es einen Stopp am Kunstwerk „Insel der Frauen“ von Bildhauer Wolfgang Friedrich. Von der Vörderreeg – also der Vorderreihe – geht es zur Achterreg, wie die hintere Reihe heißt. „Dort stehen die Häuser postkartenmäßig, das lieben Touristen“, sagt Laas. Und die Häuser der Alexandrinenstraße sind auf vielen Postkarten der Cruiseliner zu sehen.

Wieder in Richtung Norden, liegt vor der Vogtei der Nelson-Anker, den Lord Nelson hier gelassen hat, als er 1801 mit seiner Flotte hier war. Dann geht es in die Alexandrinenstraße, wo das alte Küsterhaus gestanden hat, in dem auf der linken Seite früher auch die Schule mit untergebracht war.

Am Kunstwerk der Kirchenstraße „Hier und Jetzt – where the magic happened“ von Clea Stracke und Verena Seibt, das im Volksmund nur „Roter Pfeil“ heißt, scheiden sich geschmacklich die Geister und es entbrennt oft eine Diskussion über Kunst.

Weiter geht es bis zum Halt vor dem Umgangsbrunnen von Wolfgang Friedrich. „Dieser Platz ist so eine Art Dorfplatz geworden“, erklärt Lass. Und dass es diesen schönen Umgangs-Brunnen gibt, ist dem Engagement von Bewohnern wie Detlev Harms, seinem Schwiegersohn Angelo Kelly und anderen engagierten Warnemündern zu verdanken. Die haben den Brunnen finanziert.

Nächster Halt ist das ingelnatz in der Alexandrinenstraße 60, wo Ringelnatz sein berühmtes „Kuddeldaddeldu“ geschrieben haben soll. Dann geht es zum Leuchtturm, wo viele Männer ehrenamtlich arbeiten. Auf dem Weg erzählt Lass über Tüschen. Das ist die geforderte Breite zwischen zwei Häusern. „Da muss eine trächtige Kuh durchpassen“, erklärt er. Bei den Touren kommt die Rede oft auf den Verandenstreit und Rostocks Oberbürgermeister, da wird die Diskussion immer lebhaft.

Weiter geht es zu den Seenotrettern und ihrem Kreuzer „Arkona“ am Alten Strom. An diesem Areal wird durch den Latüchtenwärter vom Goldhügel erzählt, wie die heutige Schanze früher genannt wurde. Aufgrund der guten Aussicht brachte sie die höchsten Mieten ein. Hier hat Klaus Lass die ersten sechs Lebensjahre verbracht. Er ist mit seiner Frau Christiane seit 1977 zusammen, das Paar hat zwei Kinder und zwei Enkel. Und Klaus Lass hofft, dass die Mittelmole nicht so bebaut wird wie das Molenfeuer am Ortseingang, sondern, dass es mehr mit dem alten Warnemünde harmoniert.

Das Fazit:

 

 

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