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17. Dezember 2017 | 07:30 Uhr

Stadt will Hafen-Umschlag zurück

vom

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erstellt am 19.Jan.2012 | 08:04 Uhr

Rostock | Kauft die Hansestadt die Seehafen Rostock Umschlagsgesellschaft (SHRU) zurück? Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) hat das Beteiligungs-Controlling der Verwaltung beauftragt, mögliche Wege dazu auszuloten. "Es gab erste Gespräche mit der Umschlagsgesellschaft", sagt Rathaussprecher Ulrich Kunze. Und SHRU-Geschäftsführer Günter Fett ließ durchblicken, dass ein möglicher Rückkauf "eine Frage des Preises" sei. Konkrete Zahlen wollte gestern keine der beiden Seiten offenlegen. Dazu sei es derzeit noch zu früh.

Aber: "Der Oberbürgermeister war immer der Überzeugung, dass die Privatisierung der SHRU ein großer Fehler war", sagt Kunze. Diese Position habe er schon in seiner Funktion als Mitarbeiter im Hafen und als langjähriger Leiter der Hanse Sail vertreten - erfolglos. 1997 wurde die Umschlagsgesellschaft an das Kent-Konsortium um Menachem Atzmon verkauft. Seit einigen Jahren hält zudem ein australischer Finanzinvestor einen Teil der Anteile der SHRU. Als Oberbürgermeister will Methling nun offenbar den nächsten Mosaikstein in der Rekommunalisierung von Versorgern und Unternehmen setzen.

Mögliche Finanzierung ist noch unklar

Zum 1. Januar hatte die Stadt schon über die Rostocker Versorgungs- und Verkehrsholding GmbH (RVV) die Stadtentsorgung Rostock GmbH (SR) zurückgekauft. Zur Finanzierung wurden unter anderem die Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (EVG) und Teile der SR-Tochtergesellschaft SR Service GmbH privatisiert.

Wie Rostock die voraussichtlich zig Millionen Euro für die Umschlagsgesellschaft aufbringen könnte, ist derzeit noch völlig offen. In der Bürgerschaft trifft der Vorstoß Methlings daher vorerst auf Zurückhaltung. "Wir bräuchten erst mal Zahlen und Fakten", sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Steffen Wandschneider. Vor einem Rückkauf müssten die Umsätze, das Personal und der Zustand der Anlagen bewertet werden. Das fordert auch Eva Maria Kröger, Fraktionsvorsitzende der Linken. Sie warnt: "In der Vergangenheit sind die Städte häufig nicht auf gesunde Unternehmen zugegangen und haben sie aufgekauft - meistens waren die Unternehmen in Schwierigkeiten, bevor die Kommune sie zurückgeholt hat."

Eine Rekommunalisierung mache aber nur Sinn, wenn beide Seiten davon Vorteile hätten, wie beispielsweise bei der Stadtentsorgung. "Das war vernünftig", sagt Kröger. Es gebe aber keine Pauschalvorgabe, jeder Fall müsse für sich geprüft werden. Auch Prof. Dieter Neßelmann, Fraktionschef der CDU, sagt: "Die SHRU als eine wirtschaftlich agierende Gesellschaft ist mit gutem Grund privatisiert worden." Die Stadt müsse sehr umfassend durchdenken, ob sie das rückgängig machen wolle: "Eigentlich ist das kein Geschäft der öffentlichen Hand." Genau wie Wandschneider sieht er einen Rückkauf daher eher skeptisch - im Gegensatz zu Dr. Sybille Bachmann vom Rostocker Bund. "Der Hafen ist das Herz Rostocks und gehört damit zur Daseinsvorsorge", sagt sie. Sie wolle alle Mittel ausschöpfen, um ihn wieder in kommunale Hände zu übergeben.

Die SHRU betreibt unter anderem die Bulk Terminal Rostock GmbH, Düngemittel Dienstleistung Rostock GmbH, General Cargo Terminal GmbH, Getreide Service GmbH und die PLU Papier-Lager- und Umschlagsgesellschaft mbH als Tochterfirmen.

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