Stadt bleibt hart: Linden sollen weg

Ulrike von der Thüsen hat Tränen in den Augen.
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Ulrike von der Thüsen hat Tränen in den Augen.

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03. September 2012, 08:26 Uhr

Warnemünde | In den nächsten Tagen wird die Stadt mit dem Fällen von 32 Bäumen in der Anastasiastraße beginnen. Nur drei Linden haben eine winzige Chance, doch noch stehen zu bleiben. Den genauen Tag des Abholzens will Tiefbauamtsleiter Heiko Tiburtius nicht nennen - die Stadt fürchtet offenbar Proteste gegen das Vorhaben.

Denn es geht vielen wie Rentner Hans Prager: "Ich fühle mich von der Hansestadt in diesem Punkt hereingelegt. Mit Demokratie hat das nichts zu tun", sagt er. Der 70-jährige Anwohner spricht das Gutachten an, dass die Hansestadt im Vorfeld bei einem renommierten Baumgutachter in Hamburg in Auftrag gegeben hat. "Das Ergebnis stand schon bei der Fragestellung fest", sagt Prager. "Wenn man fragt, ob die Bäume bei einer grundhaften Sanierung erhalten werden können, ist das Nein eigentlich schon vorhersehbar", sagt er. Es hätte in seinen Augen auch allgemein auch gefragt werden können, wie die Bäume erhalten werden können.

Genehmigung liegt vor und ist rechtskräftig

Gestern trafen sich Gegner des Vorhabens. "Ich bin fassungslos", sagt Unternehmerin Ulrike von der Thüsen mit Tränen in den Augen. Sie heftet Zettel an die Bäume mit dem Hinweis, dass Warnemünder und Besucher noch die letzten Tage den Anblick der Allee genießen sollte. Die Chance, dass zumindest die drei Bäume stehen bleiben, ist auch klein. Wenn die von der Stadt bestellte Gutachterin zu dem Ergebnis kommt, dass sie nicht zu erhalten sind, werden auch sie gefällt. "Aber erst einmal wollen wir sie stehen lassen", sagt Tiefbauamtsleiter Heiko Tiburtius. Im Nordabschnitt haben schon die Straßenbauarbeiten begonnen. "Wir haben eine Fällgenehmigung, die ist auch rechtskräftig", sagt Tiburtius.

Ein Gegner der Fällung hat eine literarische Mahnung aus "Der Baum" von Eugen Roth auf dem Rücken: "Zu fällen einen schönen Baum braucht’s eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenkt es, ein Jahrhundert." Zu den Kritikern zählt auch Mathias Ehlers aus dem Bau- und Umweltausschuss des Ortsbeirates. "Alleenschutz in Rostock heißt Schutz vor dem Altwerden", sagt der 49-Jährige mit bitterer Ironie. Was in der Straße im Vorfeld gelaufen ist, das sei mehr als bedenklich.

Die Aktion gestrige Protestaktion wurde von der Initiative "Rostocker Frühling" unterstützt. "Die Fällung der Bäume verstößt gegen das Allenschutzgesetz von Mecklenburg-Vorpommern. Sie ignoriert die Bedürfnisse der Anwohner und wird einfach durchgezogen", sagt die Landtagsabgeordnete Ursula Karlowski (Grüne).

Auch das Flair und Ortsbild würden davon negativ beeinträchtigt. Viele Warnemünder fürchten, das mit dem Fällen das Ostseebad etwas von seinem typischen Ortsbild einbüßt: "Ich will die Bäume nicht beerdigen, ich will mich lieber anketten, um sie zu retten", sagt Anwohnerin Eveyln Niemann (71). Der Funke der Hoffnung, der kurz bei der vergangenen Sitzung zu dem Thema aufgeflammt war, ist längst wieder verglüht.

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