Große Ehre : Spuren einer jüdischen Familie

Erhalten und wissenschaftlich erschließen wollen Stefanie Schliebe und Volker Ahmels den Nachlass des jüdischen Komponisten Konrad Wallerstein.
Erhalten und wissenschaftlich erschließen wollen Stefanie Schliebe und Volker Ahmels den Nachlass des jüdischen Komponisten Konrad Wallerstein.

Zentrum für Verfemte Musik erhält Schriften aus dem Nachlass des Komponisten Konrad Wallerstein

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04. März 2014, 10:00 Uhr

Es ist eine wahre Rarität und ein echter Vertrauensbeweis: Das Zentrum für Verfemte Musik an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) hat aus dem Nachlass des Komponisten Konrad Wallerstein Handschriften, Noten und seltene Publikationen erhalten. „Wir wollen das Material bewahren, aber natürlich auch wissenschaftlich damit arbeiten“, sagt Volker Ahmels, Leiter des Zentrums. Der jüdische Komponist und Musikpädagoge Konrad Wallerstein lebte in Prag, als er und seine Frau Frieda am 13. Juli 1943 nach Theresienstadt deportiert wurden. Mit einem der letzten Herbsttransporte wurden sie Ende Oktober 1944 nach Auschwitz gebracht und dort unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet.

Stefanie Schliebe, die an der HMT Musik auf Lehramt studiert und sich seit Langem am Zentrum für Verfemte Musik engagiert, hat sich intensiv mit der Familiengeschichte der Wallersteins beschäftigt. Sie stand auch im Kontakt mit Hanna, der zweiten Tochter Konrad Waller-steins. „Sie konnte 1939 nach London flüchten und hat als Einzige der Familie den Holocaust überlebt“, sagt Schliebe. Nach Kriegsende kehrte Hanna mit den UN nach Prag zurück und suchte nach den Spuren ihrer Familie. So gelangten die wenigen erhaltenen Schriften ihres Vaters zurück in ihren Besitz. Konrad Wallerstein hatte begonnen, für seine Kinder eine Art Familienchronik zu schreiben, eine Autobiografie angereichert mit zahlreichen Anekdoten. Mit „Querschnitt durch mein Leben“ ist das handschriftliche Dokument überschrieben. „Liebes Friedl und liebe Kinder!“, beginnt Konrad Wallerstein seine Erinnerungen.

Gerade auch nachdem die Aufführung jüdischer Komponisten verboten worden war, bildeten die Hauskonzerte bei den Wallersteins einen kulturellen Treff für zahlreiche Größen der damaligen Zeit, darunter Richard Strauss und Viktor Ullmann.

Wallersteins Tochter bewahrte die Dokumente auf. Bevor sie im vergangenen Herbst starb, verfügte sie, dass diese in den Besitz des Zentrums für Verfemte Musik übergehen sollen. Eine Nichte brachte die Schriften nach London, wo Ahmels sie entgegennahm. „Nun kommen sie in die Bibliothek der HMT“, sagt der Zentrumsleiter. Er hofft, dass sich bald Studenten finden werden, die die Dokumente als Quellen für ihre wissenschaftlichen Arbeiten heranziehen werden.

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