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Norddeutsche Neueste Nachrichten

11. Dezember 2017 | 06:41 Uhr

flüchtlinge : „Sporthallen sind nicht zumutbar“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostock sucht dringend nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge

800 bis 900 Asylbewerber werden Rostock 2015 noch zugewiesen – zusätzlich zu den bisherigen 570, erklärt Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). 2014 kamen 280 Asylbewerber. 2016 werden es aufgrund des angepassten Verteilungsschlüssel im Land 3500 sein, prognostiziert Bockhahn. „Als Stadt haben wir die gesellschaftliche Pflicht, Asylsuchende aufzunehmen. Für uns ist das selbstverständlich und wir werden nicht darüber debattieren.“

Die Herausforderung zu stemmen, soll nicht mehr verstreut in mehreren Abteilungen, sondern im Freitag gegründeten Amt für Flüchtlingsangelegenheiten und Integration gelingen. „Das Amt soll es ermöglichen, wieder ein Stück mehr Normalität in die Verwaltung einziehen zu lassen“, sagt Bockhahn und räumt selbst ein, dass das eine Mammutaufgabe werde. Allein in den vergangenen drei Wochen hätten 10 000 Transitflüchtlinge auf dem Weg nach Schweden die Stadt passiert – brauchten ein Übergangsquartier, Medikamente, Essen.

„Wir wollen in einer Struktureinheit alle Ressourcen bündeln, damit wir der fast täglich wechselnden Lage Herr werden“, sagt der Leiter des neuen Amtes, Heiko Tiburtius. 46 Mitarbeiter hat es, die aus anderen Abteilungen versetzt wurden. Sie arbeiten teils auf Rufbereitschaft. Die Behörde steht auf drei Säulen: Sie reguliert Leistungen rund um Asyl, kümmert sich in der allgemeinen Verwaltung um Beschaffung von Gütern und sucht nach geeigneten Immobilien für die Unterbringung. Die sind gerade Hauptthema. Von Sporthallen als Notlösung will sich die Stadt verabschieden. „Es funktioniert nicht und ist nicht zumutbar“, sagt Bockhahn. Außerdem sei es ein Eingriff in die Lebenswelt der Rostocker. Derzeit betreibt die Hansestadt die Fiete-Reder-Halle, vorübergehend wurden auch die Hallen Petrischanze und die der Jenaplan-Schule genutzt.

Die Stadt prüft nach wie vor, wo Gemeinschaftsunterkünfte eingerichtet werden können. „Wenn wir was gefunden haben, dann muss es schnell gehen – und es wird schnell gehen“, so Bockhahn. Dennoch müssten Übergangslösungen gefunden werden, Container nicht ausgeschlossen. Auch im Gespräch: Neubauten. Und wieder zurück auf dem Plan: das Ex-Polizeirevier Blücherstraße, dessen Nutzung bisher Brandschutzgründe verhindert hatten. Doch die Stadt bat um erneute Prüfung. Denn es würde sich schon etwas machen lassen, befindet Tiburtius – über Sanierungen und/oder Brandwachen. Die Frage sei eigentlich: „Was will das Land?“ Das plant nämlich, dort von 2018 bis 2020 das Landesbehördenzentrum einzurichten.

Die Abstimmung zwischen Stadt und Land läuft noch nicht befriedigend. Seit dieser Woche holt das Land Flüchtlinge aus den Unterkünften in der ehemaligen Physik und HWBR mit Bussen nach Nostorf, um sie dort zu registrieren, so Bockhahn. „Wir wissen nicht, ob sie wiederkommen“, sagt er. Die Unterkünfte betreibt die Stadt in Vorkasse für das Land.

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