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21. November 2017 | 15:09 Uhr

Sportforum vor dem Zieleinlauf

vom

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erstellt am 24.Jul.2013 | 05:18 Uhr

Hansaviertel | Noch sind die Hotelgäste im neuen Sportforum den Handwerkern zahlenmäßig unterlegen. Immer wieder sind Bohrer zu hören, der spätere Eingangsbereich ist Baustelle. Bis zur offiziellen Eröffnung am 2. August sollen aber auch die letzten Fugen abgedichtet, Böden verlegt und Bilder aufgehängt sein. "Eigentlich wollten wir schon zwei, drei Monate früher eröffnen", sagt die stellvertretende Hotelchefin Katja Plennis vom Verein Ohne Barrieren. Das habe der lange Winter aber verhindert.

Erste Betriebserfahrungen konnte ihr Team trotzdem schon sammeln. Während der Turmspringer-EM beherbergte das Hotel die Berichterstatter von der Presse. Und ab heute beziehen Teilnehmer und Funktionäre der Deutschen U20- und U18-Leichtathletik-Meisterschaften die 92 Zimmer. "Dann sind wir ausgebucht", sagt Plennis. Sie strebt für das erste Jahr eine 40-prozentige Auslastung des Sportforums an, danach sollen die Gästezahlen jährlich um fünf Prozent steigen.

Zielgruppen sind neben den Sportlern auch Geschäftsleute, Bundeswehrangehörige oder Kreuzfahrer, die schon einen Tag früher anreisen. Sie können vom zehnten Stock aus sogar schon ihr Schiff in Warnemünde liegen sehen. "In Rostock gibt es nur wenige Orte mit so einer Aussicht", sagt Plennis. Die können vielleicht auch bald Brautpaare genießen: "Wir verhandeln gerade mit dem Standesamt darüber, unseren Veranstaltungsraum ,Olymp’ als Außenstelle zu nutzen." Dort oder in einem der anderen sieben Tagungsräume können auch andere Familienfeste gefeiert werden.

Überragende Themen im Hotel aber sind Sport und Integration. An den Wänden hängen überall Bilder von Athleten in Aktion und im "Auszeit"-Restaurant sowie der "Nachspielzeit"-Bar werden große Sportveranstaltungen und Fußballspiele übertragen. Bedient werden die Besucher auch von Menschen mit Behinderungen. Sie stellen etwa die Hälfte der fast 30 Hotel-Angestellten und arbeiten in allen Bereichen mit. "Uns ist es wichtig, dass die Gäste sie auch wahrnehmen", sagt Plennis. Das Sportforum sei das größte integrative Hotel in ganz Europa. Das zeige sich nicht nur beim Personal, sondern auch bei den barrierefreien Zimmern. Neun von ihnen sind speziell auf Rollstuhlfahrer ausgelegt.

Direkt neben dem Hotel rundet ein Anbau das Sportforum ab. In ihn sind unter anderem Hansa-Vermarkter Infront, eine Physiotherapie sowie zahlreiche Sportvereine und -verbände gezogen. "Wir befinden uns hier mitten im Herzen des Rostocker Sports - da gab es für uns überhaupt keine Diskussion bezüglich eines Umzugs", sagt Dr. Roland Bothe vom Stadtsportbund. Bis Ende April hatte er seinen Schreibtisch noch in der Warnowallee. Musste er dort noch zum Telefon greifen, beispielsweise um sich mit den Kollegen vom Landesfußballverband abzusprechen, genügt jetzt ein kurzer Gang über den Flur. "Einen besseren Standort gibt es nicht", so Bothe.

Hintergrund

Das 1962 errichtete alte Sportforum diente als Internat für die besten Nachwuchssportler der DDR. Ruderer, Segler, Leichtathleten, Fußballer oder Handballer – sie alle wohnten in dem grauen Hochhaus mit seinen fast 200 Betten. Wer es bis in die Nationalmannschaft schaffte, durfte in den 1980ern in eines der komfortableren Zweibettzimmer ziehen, alle anderen kamen in spärlich ausgestatteten Zimmern unter. In dem Anbau saß die Clubführung des SC Empor Rostock. Nach der Wende ging es schnell bergab. Aus dem Sportforum entwickelte sich an neuem Ort das Christliche Jugenddorf Christophorus, das alte Haus wurde aufgegeben und verfiel nach und nach. Investor Henry Naetbohm will nun an die alten Zeiten anknüpfen.

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