Rostock : Sport oder frierende Flüchtlinge?

Die Fiete-Reder-Halle (l.) ist eigentlich immer voll. Auch die Sporthalle Petrischanze (r.) wird bezugsbereit gehalten.

Die Fiete-Reder-Halle (l.) ist eigentlich immer voll. Auch die Sporthalle Petrischanze (r.) wird bezugsbereit gehalten.

Kurse fallen wegen belegter Hallen aus. Senator unterstreicht fehlende Alternativen. Stadtsportbund zeigt Verständnis.

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06. November 2015, 10:00 Uhr

Der Strom der Transitflüchtlinge nach Rostock reißt nicht ab. Durch die begrenzten Fährüberfahrten nach Schweden verweilen sie mittlerweile bis zu sechs Tage in der Stadt – viele in Sporthallen. Für einige Rostocker bedeutet das die Verlegung oder den Ausfall von Trainings- und Sportkursen. Zum Teil wächst darüber der Unmut.

Die Unterbringung von Flüchtlingen in Sporthallen sei aus Sicht der Stadt bei Weitem keine Ideallösung, macht Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) klar. Doch es mangele schlichtweg an Alternativen – vor allem da diese die komplexen Brandschutzanforderungen erfüllen müssen. Also sei die Alternative zur Unterbringung in den aktuell sieben Sporthallen, die Menschen ohne Obdach auf der Straße zu lassen – über Tage. „Wenn wir die Wahl haben, Menschen frieren zu lassen, oder Sport zu haben, sollte das keine Frage sein“, sagt Bockhahn.

„Wir haben als Vertreter der Rostocker Sportvereine Verständnis für die Situation“, sagt Dr. Roland Bothe, Geschäftsführer des Stadtsportbunds. Vom Amt für Schule und Sport würden sie regelmäßig und auch über die Notwendigkeit informiert. Auf 202 Sportvereine kommen mehr als 60 Sporthallen beziehungsweise -räume in der Stadt. „Die Vereine sind ganz unterschiedlich betroffen“, sagt Bothe. Viele sind es gar nicht, andere können auf Ausweichoptionen vom Amt zurückgreifen, manche rücken enger zusammen und andere haben latent Ausfall und dadurch wegbrechende Mitglieder zu beklagen.

Bothe hofft, dass die Nutzung der Hallen kein Dauerzustand werden müsse. „Wir appellieren, das auf ein erforderliches Mindestmaß zu reduzieren“, sagt er. Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge schwankt, Montag waren es 920, Mittwoch rund 300. Bis zu 450 können am Tag mit den Fähren übersetzen. Prognosen lassen sich schwer treffen. Deswegen werden manche Hallen auch auf Abruf gehalten. Die Stadt sucht bessere Lösungen. „Wir sind bestrebt, möglichst große Objekte zu binden, in denen wir möglichst viele unterbringen können, damit wir die Sporthallen aus dem Netz nehmen können“, sagt Bockhahn. Er habe bereits ein konkretes Objekt im Auge.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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