Rostock : Spitze in der Kinderbetreuung

In der Kinderbetreuung ist Rostock im Vergleich der 70 kreisfreien Großstädte Deutschlands Spitze – dennoch reicht es insgesamt nur zu Platz 48 im Ranking.
In der Kinderbetreuung ist Rostock im Vergleich der 70 kreisfreien Großstädte Deutschlands Spitze – dennoch reicht es insgesamt nur zu Platz 48 im Ranking.

Im Tourismus schneidet die Stadt ebenfalls gut ab, aber im deutschlandweiten Vergleich besteht Nachholbedarf.

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12. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Top bei Kinderbetreuungs-Quote und Gästeübernachtungen, Flop bei Firmengründungen, Steuerkraft und Abschlussquote der Schulabgänger: Im aktuellen Städteranking von IW Consult, Wirtschaftswoche und Immobilienscout 24 belegt Rostock Platz 48. Untersucht wurden 70 kreisfreie deutsche Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern. Im Vergleich zum vergangenen Jahr rutscht Rostock damit um zwei Plätze ab. Spitzenreiter bleibt München, Schlusslicht das Ruhrgebiet.

Positiv für Rostock bewerten die Analytiker vor allem die Betreuungsquote von 59,3 Prozent der Unter-Dreijährigen im Jahr 2016. Damit belegt die Hansestadt in dieser Kategorie ihren einzigen Rang 1 innerhalb des Rankings. Bei den Drei- bis Sechsjährigen muss sich Rostock mit 102,6 Prozent allerdings nur Erlangen geschlagen geben. Der Wert entsteht durch zusätzlich betreute Kinder aus dem Umland. Wie im vergangenen Jahr belegt die Hansestadt zudem erneut Platz 3 bei den Gästeübernachtungen. Pro Einwohner sind es 9,4.

Bei Indikatoren wie dem Kaufpreis für Immobilien liegt Rostock mit 2095 Euro je Quadratmeter im Mittelfeld. Das gilt auch für die Zahl der Straftaten – 9806 je 100 000 Einwohner – und die Dauer bis zur Vermarktung einer freien Mietwohnung – 13 Tage.

Schlecht schneidet die Hansestadt dagegen im Bereich Wirtschaft ab. Im Jahr 2015 gab es nur 16,3 Unternehmensgründungen je 10 000 Erwerbsfähige. Der Mittelwert aller untersuchten Großstädte liegt bei 28,8 – das bedeutet lediglich den vorletzten Platz für Rostock. Und auch beim Wanderungssaldo von Zuzügen minus Fortzügen verzeichnet die Stadt nur einen Wert von 9,2 je 1000 Einwohner. Deutschlandweit liegt dieser bei 16,3, sodass Rostock in dieser Kategorie nur Rang 64 erzielt.

Besser als beim Ist-Zustand schneidet die Hansestadt im Dynamik-Ranking ab. Dort kommt sie insgesamt auf Platz 29. Verglichen wird die Entwicklung der Ist-Werte der vergangenen fünf Jahre. Demnach hat die Zahl der Arbeitslosengeld II-Empfänger in Rostock mit 2,2 Prozent überdurchschnittlich stark abgenommen – Platz 2. Die Jugendarbeitslosenquote sank um 2,8 Prozent, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss um 2,3 Prozent – jeweils Platz 5. Auch das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner stieg um 13,8 Prozent, deutschlandweit waren es nur 7,3 Prozent.

Bei der Zunahme von Hochqualifizierten und der Betreuungsquote von Kindern hingegen liegt Rostock nur auf Platz 66. Zumindest bei der Betreuungsquote ist dies durch das schon länger hohe Niveau begründet.

Dritter untersuchter Bereich ist die Zukunftsfähigkeit der Städte. Hier landet Rostock auf Platz 41. Nachholbedarf gibt es demnach bei der Anmeldung von Patenten – 2014 waren es in Rostock 47,3 je 100 000 Erwerbstätige, deutschlandweit im Schnitt 143,5. Außerdem erzielt die Hansestadt mit 3,5 Prozent der Beschäftigten in Kunst und Kultur nur Platz 53 und mit 0,5 Theater- und Opernbesuchen je Einwohner Platz 43. Am besten schneidet sie mit Platz 11 bei den Forschungsinstituten ab. Industrie 4.0 oder auch nur die Vorbereitung darauf spielen hingegen noch kaum eine Rolle in Rostock.

Extra: Das Städteranking

Untersucht wurden alle kreisfreien Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern. Das Ranking besteht aus mehreren Teilen.

Das Niveauranking vergleicht Ist-Werte ausgewählter Kennziffern, also zum Beispiel die aktuelle Zahl der Baugenehmigungen.
Das Dynamikranking betrachtet die Veränderungsraten in den fünf zurückliegenden Jahren – also wie sich die Bauaktivitäten entwickelt haben. So lässt sich zeigen, welche Stadt sich unabhängig von ihrer ökonomischen Ausgangslage nach oben bewegt.
Die Bewertung erfolgt auf Basis von 92 Einzelindikatoren (Niveau: 52, Dynamik: 40), die in vier unterschiedlich gewichtete Bereiche einfließen (Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Immobilienmarkt, Lebensqualität). Die Gewichtung orientiert sich daran, wie stark die Indikatoren auf die Zielvariablen hohe Beschäftigung und hoher Wohlstand wirken.

Arbeitsmarkt (Gewichtung 40 Prozent): Kriterien sind Arbeitsplatzversorgung, Beschäftigungsentwicklung, Anteil der hoch Qualifizierten, Jugendarbeitslosigkeit, Lehrstellen, Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss, Abiturquote, Beschäftigungsrate von Frauen, Arbeitslosen-und Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer und Hartz-IV-Dichte.

Wirtschaft (Gewichtung 30 Prozent): Indikatoren sind unter anderem Produktivität, Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, Gründungsintensität, Insolvenzen, Arbeitskosten, kommunale Steuerkraft, Gewerbesteuerhebesätze, Patentanmeldungen, Jobs in wissensintensiven Dienstleistungen.
Immobilienmarkt (Gewichtung 20 Prozent): Zu den Indikatoren zählen die Zahl und Entwicklung der Baugenehmigungen, Höhe der Mieten, Wohnungsneubau, Nachfrage nach Miet- und Eigentumswohnungen, Verhältnis von Miet- und Immobilienpreisen, Anteil der Wohnkosten am Einkommen. Hohe Mieten und Immobilienpreise werden als Attraktivitäts-Indikator positiv gewertet.
Lebensqualität (Gewichtung 10 Prozent): Hier geht es um messbare Fakten, die das Leben beeinflussen, nicht um subjektive Aspekte. Dies sind etwa Ärztedichte, Krankenhausbetten, Kita-Plätze, Kriminalität, Lebenserwartung, Geburtenrate, Anteil der naturnahen Fläche oder die Zahl der Gästeübernachtungen.

Neu ist seit 2015 der Zukunftsindex. Dieser bündelt 13 Indikatoren rund um die Themen Innovation, Kreativität und Digitalisierung. Das sind: Breitbandversorgung, Zahl der Patentanmeldungen und Forschungsinstitute, Abiturquote, Anteil der hoch Qualifizierten, Ingenieurquote, Anteil der Absolventen in naturwissenschaftlichen Fächern, Anteil der Hochschulabsolventen in Kreativfächern, Offenheit der Unternehmen für Industrie 4.0, Anteil der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung, Arbeitnehmer in Zukunftsindustrien, Zahl der Künstler sowie Zahl der Opern- und Theaterbesuche.

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