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20. Oktober 2017 | 13:00 Uhr

Spenden fürs Lachen kranker Kinder

vom

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erstellt am 02.Dez.2011 | 08:45 Uhr

Schwerin | "Stellen Sie sich vor, Sie erwarten ein Baby. Die ganze Familie freut sich darauf, das Kinderzimmer wird eingerichtet, Spielzeug gekauft. Doch dann kommt alles ganz anders", schildert Sozialpädagogin Cornelia Fittje einen Fall aus ihrem Alltag. "Das Baby kommt als Frühchen zur Welt, hat genetische Defekte oder andere schwere Erkrankungen, etwa Herzfehler, Stoffwechselstörungen oder Fehlbildungen. Plötzlich ändert sich das ganze Leben." Denn es handele sich nicht um eine Erkrankung von ein paar Tagen oder Wochen. Der medizinischen Erstversorgung im Krankenhaus folge eine wochen- oder monatelange sozialmedizinische Nachsorge. Und die kostet Geld, mehr Geld, als die Krankenkassen tragen. Doch ist sie von entscheidender Bedeutung für die Krankheitsbewältigung des Patienten und meist auch für die Lebenssituation der ganzen Familie.

Unsere Zeitung will deshalb mit Ihrer Unterstützung, liebe Leser, dabei helfen, dass zu Weihnachten auch diese kranken Kinder und ihre Eltern etwas mehr lächeln und zuversichtlicher in die Zukunft schauen können. Mit unserer Spendenaktion "Gemeinsam für Ihr Kind" wollen wir Geld dafür zusammentragen, dass die sozialmedizinische Nachsorgeeinrichtung "Pro-Fil", die in Mecklenburg und in der Prignitz Kinder wie den mit Herzfehler und Darmfehlbildung geborenen Jan-Philip, den einjährigen, beinamputierten Paul oder das durch das "Cornelia de Lange Syndrom" schwerstbehinderte zweijährigen Mädchen Lisa im häuslichen Umfeld betreut, künftig noch besser arbeiten kann.

Auto für Hausbesuche könnte Arbeit erheblich erleichtern

"Vor allem brauchen wir ein Auto, mit dem unsere Schwestern die kleinen Patienten und ihre Eltern zu Hause aufsuchen können", sagt der Chef der gemeinnützigen Pro-Fil Kindernachsorge GmbH, Thomas Wagner. Doch das kann sich die kleine Einrichtung nicht leisten, also werden Hausbesuche mit Privatfahrzeugen gemacht. Spenden würden aber auch für die Verbesserung der sozialen Rahmenbedingungen der Patienten, etwa die Bezahlung einer Tagesmutti oder für therapeutische Geräte, gebraucht. "Wir betreuen pro Jahr etwa 70 Fälle und alle sind unterschiedlich. Entsprechend individuell muss auch die Nachsorge angelegt sein", betont Wagner.

Projektkoordinatorin Petra Schmedemann macht das an Beispielen deutlich: Leon Pascal ist drei Jahre alt und hat Krebs. Vor einigen Wochen musste ihm ein Bein amputiert werden. Der Junge lebt mit seiner allein erziehenden Mutter aber im vierten Stock eines Neubaublocks. Ohne Fahrstuhl. "Das geht jetzt nicht mehr. Die kleine Familie müsste umziehen. Doch das kann sich die Mutti nicht leisten. Wie also soll der Umzug bezahlt werden?", fragt Schmedemann.

Ähnlich kompliziert stellt sich die Situation bei Luca dar. Der Zweijährige ist schwer herzkrank, sein Zwillingsbruder Finn dagegen ist völlig gesund. Doch Finn kann nicht in die Kita gehen, die Infektionsgefahr wäre für seinen kranken Bruder viel zu groß. Also Tagesmutti? Doch die kann sich die Mutter der Zwillinge nicht leisten, ihr Elterngeld ist ausgelaufen und die 225 Euro aus der Pflegestufe werden für Lucas Pflege benötigt. Also muss auch Finn vorerst zu Hause bleiben in der kleinen Zweiraumwohnung und darauf warten, dass sich irgendwann der Zustand von Lucas soweit bessert, dass beide zur Tagesmutti können und die Mutter der Zwillinge wieder arbeiten gehen kann. Hier kann Pro-Fil derzeit nicht helfen. Möglicherweise aber Ihre Spenden, liebe Leser.

Zusammenarbeit von Nachsorge und Eltern führt zum Erfolg

In anderen Fällen konnte das Team, zu dem neben Koordinatorin Petra Schmedemann noch weitere Kinderkrankenschwestern, Diplom-Sozialpädagogen und Psychologen und eine Kinderärztin gehören, schöne Erfolge verbuchen. Beispiel Hannes: Der Dreijährige hat eine schwere Diabetes, muss täglich mehrmals Insulinspritzen bekommen. Doch seine Mutter ist fast blind und sein Vater ist unsicher, die Bestimmung des Blutzuckerwertes und die Festlegung der Dosierung gestaltet sich also äußerst kompliziert. "Dank einer sehr guten Zusammenarbeit mit der Kita kann Hannes in den Kindergarten gehen", berichtet Schwester Petra. Leiterin, Gruppenerzieherin und Köchin der Einrichtung seien in Gespräche mit Pro-Fil für die besondere Situation sensibilisiert und eingewiesen worden. Hannes bekomme in der Kita nur das zu essen und zu trinken, was er auch wirklich vertrage und ein mobiler Pflegedienst habe die Blutzuckermessung und die Injektion des Insulins übernommen, berichtet die Koordinatorin.

Sehr stolz sind die Pro-Fil-Leute auch auf Emely. Das Mädchen kam in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt. Es wurde 16 Wochen auf der Frühchen-Station der Schweriner Helios-Kliniken intensivst behandelt, hatte eine schwer geschädigte Lunge. Mittlerweile ist Emely drei Jahre alt und geht genau wie ihre Altersgenossen ganz normal in den Kindergarten. "Sie hat ganz tolle Eltern, die sich in den schweren ersten Wochen aufopferungsvoll um ihre Tochter gekümmert haben. Wir hatten eine fantastische Zusammenarbeit. Deshalb freuen wir uns genau wie ihre Eltern über den Erfolg der Nachsorge", sagt Projekt-Koordinatorin Petra Schmedemann. Und Emelys Eltern, Katrin und Ingo Bandemer, sind genauso stolz und zugleich unendlich dankbar für die Unterstützung, die sie nicht nur in der Klinik, sondern auch in der sozialmedizinischen Nachsorge durch Pro-Fil erhalten haben. "Diese Einrichtung verdient wirklich Unterstützung", sagt Ingo Bandemer. "Was diese Schwestern leisten, ist phänomenal."

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