zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. August 2017 | 23:44 Uhr

Rostock : Sozialtreffs bangen um Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Während der Lütten Kleiner Winkeltreff vorerst gerettet ist, gerät der Betrieb der Begegnungsstätte am Lichtenhäger Brink in Gefahr

Nach langer Zeit ist gestern wieder lautes Lachen aus dem Lütten Kleiner Winkeltreff zu hören gewesen – denn mittags war klar, dass es für den Sozialtreff eine Zukunft gibt. In letzter Minute hatte Rostocks kommissarischer Senator für Soziales, Holger Matthäus (Grüne), ein Spitzentreffen der sozialen Träger Arbeits-förderungs- und Fortbildungswerk GmbH (AFW), Wohltat e.V., Rostocker Tafel e.V. sowie der Wiro, des Ortsbeirats und Stadtverwaltung veranlasst, um nach Lösungen zu suchen. „Es waren harte Verhandlungen, aber über das Ergebnis sind wir überglücklich“, sagt Norbert Matzik, Leiter des Treffs. Die Rostocker Tafel übernimmt zunächst für zwei Monate den Betrieb, ab 1. Juli soll die AFW GmbH neuer Träger werden. Ein Konzept zur Finanzierung ist in Arbeit.

Doch auch wenn die Freude bei Matzik und seiner Mitarbeiterin Jutta Haschke nun riesig ist, bleibt ein bitterer Beigeschmack zurück: Ab morgen sind sie arbeitslos und setzen ihre Arbeit ehrenamtlich fort. Der alte Träger des Winkeltreffs, die Hanseatische Weiterbildungs- und Beschäftigungsgemeinschaft Rostock GmbH (HWBR), hatte aus Kostengründen seinen Rückzug aus dem sozialen Bereich angekündigt und die Suche nach einem neuen Träger offenbar zu lange hinausgezögert. In der zweimonatigen Übergangsphase ist im Winkeltreff lediglich die Essenausgabe gesichert. Täglich bekommen hier 25 bis 30 Leute eine warme Mahlzeit, viermal pro Woche gibt die Tafel hier zudem Essen an 400 Bedürftige heraus.

Die Ortsbeiratsvorsitzende von Lütten Klein, Gabi Bolz (Linke), ist erleichtert, dass der Winkeltreff fortbestehen kann: „Es ist den Mitarbeitern sehr hoch anzurechnen, dass sie für die Übergangszeit ehrenamtlich arbeiten.“ Die Bedeutung des Treffs sei für den Stadtteil gewaltig. Es gehe nicht nur um eine warme Mahlzeit, sondern um Freundschaften und soziale Kontakte.

Während die Mitarbeiter im Winkeltreff aufatmen können, sind die Nöte eines anderen Sozialtreffs nur ein paar hundert Meter weiter groß. Am Lichtenhäger Brink 10 betreibt die Rostocker Stadtmission ein Bürgerbüro mit Suppenküche. „Zwischen 30 und 40 Essen geben wir jeden Tag aus“, sagt Hartwig Vogt von der Stadtmission. Doch der Betrieb sei in Gefahr, weil Ende Mai die beiden Mitarbeiterinnen Gabriele Seeger und Astrid Klein gehen müssen. Ihre Stellen wurden über das Modellprojekt „Bürgerarbeit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finanziert, das jetzt ausläuft. „Ich weiß nicht, wie es für mich weitergeht – wahrscheinlich mit Saisonarbeit“, sagt Seeger. Auch ihre Kollegin Klein stellt sich darauf ein. Dass die beiden guten Seelen im Haus bald weg sind, macht viele Besucher traurig. „Bessere Leute gab es hier nie“, sagt Birgit Uecker, die hier fast jeden Tag essen kommt. Während Klein ihr noch einmal Nachschlag auffüllt, erzählt sie, dass der Treff in Lichtenhagen für sie wie ein zweites Zuhause sei. Hier bekomme sie Hilfe bei alltäglichen Problemen, etwa wenn es um die Kündigung eines Handyvertrags geht.

Sozialarbeiterin Anja Wimbert hofft nun, dass sich ehrenamtliche Helfer melden, die bereit sind, am Lichtenhäger Brink künftig mit anzupacken.

 

zur Startseite

von
erstellt am 30.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen