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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 13:25 Uhr

Bundesinnenministerium : Software für die Bundeswehr?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

In Rostock entwickelter Algorithmus verbessert die Überwachung der Stimmungslage im Ausland

svz.de von
erstellt am 18.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Nutzt die Bundeswehr Software aus Rostock, um ihre Echtzeit-Erfassung der Stimmungs- und Bedrohungslage in anderen Ländern und Regionen zu verbessern? Das geht aus einer Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Ole Schröder aus dem Bundesinnenministerium auf eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko (Linke) hervor.

Demnach setzt das Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr den Algorithmus Textrapic des Rostocker Instituts für grafische Wissensorganisation (Grawis) zur Verarbeitung von Daten ein, die aus frei zugänglichen Quellen im Internet gewonnen werden. Unter anderem aus öffentlichen Diskussionen und Statusmeldungen in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Textrapic komme zusammen mit der Software Brandwatch „zum Feststellen der Wirksamkeit der eigenen Operationsführung“ zum Einsatz, heißt es in dem Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs. Die Software kann große Mengen Textdaten analysieren und sie anschließend in leicht verständlicher visueller Form darstellen. „Zielvorstellung ist, dem gesetzlichen Auftrag des Bundesnachrichtendienstes entsprechend, Entwicklungen im Ausland – und nicht in Deutschland – zu verfolgen und insbesondere krisenhafte Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen“, schreibt Schröder. Auf diese Weise könne auch eine Grundlage für zukünftige Ausrüstungsentscheidungen gelegt werden.

Grawis-Geschäftsführer Stefan Pforte bestreitet die Angaben aus dem Innenministerium: „Es gibt aktuell keine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr.“ Indirekt bestätigt er zugleich aber eine frühere Kooperation mit dem Militär: „Die Textdatenvisualisierung des Textrapic-Algorithmus wird – wie bei allen weiteren Marktkunden – an die themenspezifischen Belange der jeweiligen Textsorten und -datendomainen angepasst. Dieser Prozess ist für die Bundeswehr ausgesetzt.“ Ursprünglich hatte Pforte seine Software zur Auswertung wissenschaftlicher Veröffentlichungen und qualitativer Interviews entwickelt. Zur Visualisierung von Social-Media-Text-Daten komme sie nur im Auftrag eines privaten Fernsehsenders zum Einsatz.

Eine Verwendung zur Analyse von Texten aus dem Ausland sei aber prinzipiell kein Problem, so Pforte: „Textrapic prozessiert sprachunabhängig.“ Bislang seien Muster in arabischen, französischen, ukrainischen, russischen, englischen und türkischen Texten mit deutschsprachigen Oberflächen visualisiert worden. Für sein Textrapic-Verfahren wurde Pforte 2011 innerhalb des Wettbewerbs „Die besten Ideen im Forschungsraum Rostock“ in der Kategorie Forschende auf den 1. Platz gewählt.

 

 

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