Neuanfang für den Verein : Societät will Tradi im Stadthafen

Societät-Chef Jochen Pfeiffer  würde trotz einjähriger Kündigungsfrist auch schon Anfang nächsten Jahres aus der August-Bebel-Straße ausziehen.
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Societät-Chef Jochen Pfeiffer würde trotz einjähriger Kündigungsfrist auch schon Anfang nächsten Jahres aus der August-Bebel-Straße ausziehen.

Der maritime Verein verlässt sein Haus zugunsten eines neuen Museums. Derzeit stehen zwei Schiffe als mögliche Standorte zur Diskussion.

svz.de von
10. Juli 2014, 11:00 Uhr

Aufs Tradi oder doch eher auf die „Stephan Jantzen“? – Dem Verein Societät Rostock maritim stehen gravierende Veränderungen bevor. In den jetzigen Sitz des maritimen Vereins in der August-Bebel-Straße soll bis zum Stadtgeburtstag 2018 ein Museum für Kunst- und Kulturgeschichte einziehen – als Erweiterung des Kulturhistorischen Museums. Der Wettbewerb für die Umgestaltung des Hauses läuft bereits. Societät-Chef Jochen Pfeiffer hat mit dem bevorstehenden Auszug kein Problem – er sieht darin auch eine Chance.

Im Museumskonzept der Stadt ist festgehalten, dass das Kulturhistorische Museum aufgrund seiner „Bedeutung für die Bewahrung des wertvollen Rostocker und norddeutschen Kulturgutes sowie aufgrund der Rolle als Träger städtischer Identität“ erweitert werden müsse und zwar mit dem Standort August-Bebel-Straße 1. „Wir können unsere Stadtgeschichte bisher nicht richtig zeigen“, sagt Kulturamtsleiterin Michaela Selling. Das solle im neuen Museum geschehen – von den Anfängen bis zur heutigen Zeit.


Die Zeit bis zum Baustart drängt


Das Gebäude in der August-Bebel-Straße 1 stammt von 1815. Seit 2006 wird es von der Societät betrieben. Der Verein bildet dort Schifffahrtsgeschichte ab, organisiert Ausstellungen und versteht sich auch als Begegnungsstätte. Er hat das Haus unter der Maßgabe zur Nutzung bekommen, nur so lange zu bleiben, bis die Stadt es selbst sanieren und nutzen kann. Jetzt drängt die Zeit. Das 4000 Quadratmeter große Gebäude müsse komplett überholt werden, so Selling – und das denkmalgerecht. Bis 2018 bleibe viel zu tun. Trotz einjähriger Kündigungsfrist würde Pfeiffer auch früher ausziehen – wahrscheinlich schon Anfang des nächsten Jahres.

Der Verbleib der Societät ist für Selling bedeutend. Sie sei „ein wichtiger Partner für das kulturelle Leben“ und habe durch zahlreiche Sonderausstellungen wie zu Wossidlo oder Brinckman geglänzt. Der Verein müsse der Stadt erhalten bleiben.


Die Bürgerschaft ist wieder gefragt


Und Jochen Pfeiffer hat eine Bleibe im Blick. Er will die Debatte um das Traditionsschiff wieder anstoßen. Noch liegt es in Schmarl. Dort soll es nach dem letzten Bürgerschaftsbeschluss von Juli 2011 auch bleiben. Aber eine neue Bürgerschaft, eine neue Chance – findet Pfeiffer. Er will das Gremium nochmals um eine Entscheidung bitten. Die Bürgerinitiative zum Erhalt des Tradis hat Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) zufolge bereits Widerspruch gegen das damalige Veto eingelegt: „Jetzt muss er noch formal begründet werden.“ Das Traditionsschiff sei zu kostbar, herausragend in ganz Europa, findet Selling. Es müsse dorthin, wo die Menschen sind – in den Stadthafen. In Schmarl rentiere es sich nicht. Für seinen neuen Wahlstandort hat Jochen Pfeiffer schon Pläne. Das Tradi müsse sich wandeln – wie auch die Societät. „Ich denke, die Leute wollen mehr Technik“, sagt er. Da liegt er mit der Kulturamtsleiterin auf einer Linie. Beide könnten sich einen Schiffssimulator vorstellen, mit dem Besucher das Tradi auf die Ostsee steuern können und Simulationen für den Maschinenraum. Auch Gastronomie und Spielangebote für Kinder würden dazugehören. Wenn diese Idee scheitert, die neue Bürgerschaft der Linie der alten folgt, greift eine weitere Option für die Societät: der Eisbrecher „Stephan Jantzen“. Mit der Societät ist Pfeiffer als Betreuer des Schiffes im Industriehafen eingesetzt. Nach der Sail komme der Eisbrecher wieder in den Stadthafen, so die Absprachen mit dem mutmaßlichen Eigentümer Paolo Zampolli und den Hafenmeistern. Aber: Das Verfahren um das Eigentumsrecht zwischen Zampolli und dem zweiten angeblichen Eigentümer, Kai Gunther Lehmann, der das Schiff 2012 besetzte, wurde von Juli auf Dezember verlegt. Für die Societät heißt es also hoffen – und das doppelt.

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