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Norddeutsche Neueste Nachrichten

16. Dezember 2017 | 12:16 Uhr

Untersuchung : So steht es um Rostocks Abc-Kinder

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Gesundheitsamt kontrolliert 1712 angehende Erstklässler

von
erstellt am 22.Aug.2017 | 11:55 Uhr

Das Gesundheitsamt hat 1712 Kinder untersucht, die am 2. September in Rostock eingeschult werden sollen. Resümee: Immer mehr Kinder sind auffällig. So erklärt der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Markus Schwarz.

Sehstörungen

„39 Prozent der Erstklässler sind auffällig, was Sehstörungen anbelangt“, sagt Schwarz. 199 der untersuchten Schüler seien bereits in Behandlung. „Dazu sind knapp 260 von den vier Kolleginnen des kinderärztlichen Dienstes als auffällig betrachtet worden“, so der Amtsleiter. Ihren Eltern wurden weitere Untersuchungen nahegelegt. 2013 waren 21 Prozent der Fast-Erstklässler auffällig, 2009 14 Prozent. „Die Tendenz ist klar“, so Schwarz.

Sprache

Der kinderärztliche Dienst beobachtet, wie sich die Kinder artikulieren – ob sie mehr als Zwei- oder Dreiwortsätze bilden, wie ihre Grammatik ist, wie sie nachsprechen. 39,8 Prozent zeigten Auffälligkeiten. 342 Kinder sind bereits in entsprechender Behandlung, den Eltern von 119 weiteren Kindern wurde das angeraten, um gegenzusteuern.

Feinmototrik

19 Prozent der Abc-Kinder wurden auffällig bei kleinen Übungen wie dem Halten eines Stiftes, Fingerspielen und Griffen.

Belastbarkeit

Stillsitzen fällt einigen angehenden Erstklässlern schwer, einige würden sogar während der kompletten Untersuchung umherlaufen, berichtet Schwarz. Auffällig sind 26,6 Prozent der Kinder. „Die Zahl ist stabil seit 2009.“

Hörstörungen

Sieben Prozent der 1712 untersuchten Rostocker Kinder sind auffällig.

Schlussfolgerungen

Alle Zahlen hat das Rostocker Gesundheitsamt an das Ministerium in Schwerin übermittelt. Dort sei die Situation tendenziell ähnlich. „Was uns Sorge macht, ist die Steigerungsquote“, sagt Schwarz. Die könnten zwar auch vorher erkannt werden, aber auch bei den Untersuchungen vor dem Schuleingang gebe es einen Mangel: zu wenige Kinderärzte in Rostock, denen die U-Untersuchungen obliegen. „Es sind neue Tendenzen, auf die wir noch keine Antwort haben“, sagt Schwarz. Minderbetreuung oder zu viel Beschäftigung mit Smartphones und Co. sind Erklärungsansätze.

Engpässe

Vier Ärztinnen haben die Schuleingangsuntersuchungen geleitet, die Situation war besser als das letzte Jahr – als zwei Kolleginnen gleichzeitig krank waren. Zwei Honorarkräfte wurden dazu geholt. Zur Verstärkung wurde in diesem Jahr eine Honorarkraft engagiert, erklärt Schwarz. „1800 werdende Schüler waren anvisiert“, sagt Schwarz. Tatsächlich untersucht wurden 95,3 Prozent – quasi 100 Prozent, die anderen werden Schulen im Landkreis oder auch Sonderschulen besuchen, erklärt er. Für das nächste Jahr ist er wenig optimistisch. „Mit fünf Kolleginnen im kinder- und jugendärztlichen Dienst werden wir nicht hinreichend arbeiten können.“ Die Schuleingangsuntersuchungen müssen dann mehr als einen Monat früher abgeschlossen werden, zudem sind mit der positiven Bevölkerungsprognose auch mehr Bald-Erstklässler zu erwarten. Die Untersuchungen, so der Leiter des Amtes, seien harte Arbeit, wie am Fließband würden Kinder untersucht. Manche Kollegen würden sechs bis acht am Tag untersuchen. Über die Sorgen, wie die Untersuchungen im nächsten Jahr zu stemmen sind, hat das Amt die Stadtspitze und den Sozialausschuss informiert. „Das wird ein umkämpfter Bereich werden.“

Bei den Untersuchungen der Viert- und Achtklässler kann das Amt schon heute keine 100 Prozent schaffen, brachte es auf 84 Prozent bei den Viertklässlern. Schon jetzt müssen Schwestern die Untersuchungen mitübernehmen. Anders sei das Amt nicht in der Lage, die Untersuchungen sicherzustellen.

Kommentar "Ein Muss!" von Nicole Pätzold-Glaß

Die Schuleingangsuntersuchungen sind wichtig und müssen  abgesichert werden – im Zweifelsfall über weitere Honorarkräfte zu der Zeit. Die Kontrollen der Abc-Kinder tragen dazu bei, dass frühe Beeinträchtigungen erkannt und nicht zum Stigma in der Schullaufbahn des Kindes werden. Alarmierend sind aber auch die Ergebnisse der diesjährigen Untersuchungen, wie sehr Sehstörungen zugenommen haben. Werden bestehende kleine Sehschwächen zu spät erkannt, sind die Smartphones das Problem?
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