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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. August 2017 | 16:53 Uhr

Festival : So schrill und bunt ist Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Zum zehnten Jubiläum des „Kommt zusammen“ verwandeln Künstler wie Julia Ennuschat die Stadt in eine Traumlandschaft

Überall hängen bunte Bilder an den Wänden und die Retro-Möbel wirken, als seien sie Ausstellungsstücke eines Museums: Die Wohngemeinschaft von Julia Ennuschat im Rostocker Bahnhofsviertel gleicht einem einzigen Kunstwerk. Hier lebt und arbeitet die Bildhauerin seit zwei Jahren und gestaltet ihre Dekorationen für Festivals und baut Skulpturen. „Zuvor habe ich fünf Jahre in Berlin gewohnt, aber dort bin ich nicht zur Ruhe gekommen. In Rostock kann ich mich in meine Arbeit vertiefen“, sagt die 29-Jährige.

Ennuschat gehört zu den insgesamt 75 Künstlern, die die Hansestadt ab morgen fünf Tage lang in eine bunte Traumlandschaft verwandeln, in der es um Musik, Kunst und Kreativität geht. Das „Kommt zusammen“-Festival feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum und wartet mit einem besonderen Programm auf. Neben 17 Kreativ-Workshops gibt es Kino-Vorstellungen, jede Menge Live-Musik und eine Lesung. Zum Auftakt des Kultur- und Party-Marathons wird morgen um 19 Uhr der Nachtflohmarkt im Peter-Weiss-Haus eröffnet.

Auch Ennuschat ist Flohmarkt-Liebhaberin. Sie stöbert leidenschaftlich gern nach Dingen, die andere Menschen aussortiert haben, um daraus etwas Neues zu schaffen. „Auf der Suche nach Bau-Materialien für meine Arbeiten treibt es mich auch auf Müllhalden“, sagt sie. Auch Sperrmüll habe für die Künstlerin seinen Reiz. In ihrem schwarz glitzernden VW-Bus macht sie sich regelmäßig auf die Suche nach Schätzen. Auch heute und morgen wolle sie wieder losziehen, schließlich brauche sie noch ein wenig Inspiration zur Vorbereitung auf ihren Kreativ-Workshop „Schmucker Instrumentenbau“. Entdeckt sie einen Sperrmüll-Haufen, gibt es eine scharfe Bremsung und Ennuschat fühlt sich wie ein Kind im Süßigkeitenladen. Mit zwölf Workshop-Teilnehmern baut sie am Freitag im Jaz Panflöten, Blechtrommeln, Schellenkränze und andere Instrumente. Es gehe nicht vorrangig um den Klang, sondern darum, etwas Schönes zu gestalten. Von den Teilnehmer erwartet sich die Künstlerin vor allem eines – Offenheit. Jeder finde bei ihr seinen Platz – egal, ob er oder sie schüchtern oder aufbrausend ist. „Ich möchte den Leuten zeigen, dass man nicht unbedingt nach Strukturen arbeiten muss“, sagt Ennuschat. Sie selbst probiere gern neue Materialien aus und hat auch schon einen Schweißer-Kurs mitgemacht.

Die Kreativität wurde der jungen Frau schon in die Wiege gelegt. Ihre Mutter ist Malerin, die Großmutter Schriftstellerin. Und auch ihr Großvater ist Künstler. „Bei den Vorbereitungen auf meinen Workshop habe ich im Internet herausgefunden, dass mein Opa selbst Instrumentenbauer in Neubrandenburg ist“, erzählt Ennuschat. Der Kontakt sei in den vergangenen Jahren abgebrochen. Jetzt wolle sie diesen Wink des Schicksals nutzen, um ihn wieder aufleben zu lassen und sich beim Großvater Anregungen für ihre eigene Arbeit zu holen. Schließlich lerne man in der Kunst immer voneinander.

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erstellt am 16.Apr.2014 | 10:00 Uhr

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