Wohnen : So lebt es sich im Hornschen Hof

Diese Schaufensterpuppe wird nach dem Putzen neu bekleidet.
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Diese Schaufensterpuppe wird nach dem Putzen neu bekleidet.

Nach mehr als 400 Jahren Baugeschichte wohnen nun 26 Parteien in dem sanierten Schmuckstück zwischen Stadtzentrum und Hafen.

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16. Juli 2014, 15:00 Uhr

Rustikale Balken, schräge Wände und eine Treppe in die zweite Etage: Nicht nur diese Besonderheiten machen das Wohnen im Hornschen Hof aus. Bei Nicole Lux und ihrer Tochter Marie (6) kommen sogar noch denkmalgeschützte Wände mit Reliefs hinzu. Das Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen sowie ein Restaurator begutachten diese Kleinode jährlich.

„Wir fühlen uns hier wie zwei Burgfräulein“, sagt die Berlinerin. Sie sei von ihrer Andersartigkeit gleich begeistert gewesen. Manchmal vergesse sie im Alltag „die Einmaligkeit und die Individualität“ der rund 100 Quadratmeter großen, Maisonette-Wohnung. Doch wenn sie Fotos sehe oder Besuch durch ihre altehrwürdige Behausung führe, „bin ich immer wieder selbst überwältigt“, so Lux. Ihre drei Zimmer hat sie dezent-stilvoll mit viel Weiß eingerichtet. Vor ihrem Eingang lädt ein Pflanzen-Arrangement zum Betreten des „eigenen, kleinen Stadthauses“ in der Nördlichen Altstadt ein.


Sieben Leute in einer WG


Zentralität, Gemeinsinn, die vielen jungen, offenen Menschen und ein moderater Mietpreis für die Lage: Lux kommt aus dem Schwärmen kaum mehr heraus: „Mit Cap-Markt, Friseur und Kneipe lebt es sich hier wie auf einem kleinen Kietz“, so Lux. Nur der Innenhof könne noch grüner sein. „Und auf die Heizungsnebenkostenabrechnung bin ich gespannt“, sagt die Ärztin, die zuvor in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt gewohnt hat. Bei Sonnenschein setzt die 35-Jährige sich auch gern mal auf ihre eigene Treppe zum Hof hin. Oder sie füttert mit Marie Möwen am Stadthafen und geht mit ihr zu den Springbrunnen. Manchmal trifft sie dann interessierte Touristen, die den Werdegang des seit 1600 bestehenden Hofs verfolgen.

Auch Nele Kugler (27) schätzt das historische Ambiente: „Immer , wenn ich in den Hof fahre, freue ich mich“, sagt die Medizinstudentin im sechsten Semester. Sie wohnt mit vier weiteren Medizinstudenten, einer Betriebswirtschaftsstudentin und einem selbständigen Volkswirt in der exklusiven Siebener-WG – dem Herzstück des Hornschen Hofs. Die mehr als 200 Quadratmeter große Wohnung mit insgesamt drei Bädern, Lauben-Gang und Warnow-Blick hat sie über Bekannte bekommen. Einer der WG-Bewohner war beim Tag des offenen Denkmals auf die Räume aufmerksam geworden. Der Rest sei dann über eine Internet-Seite und ein Casting der vier WG-Gründer mit allen Bewerbern zügig gelaufen.

Das war wohl ihr Glück, denn „innerhalb von acht bis neun Wochen waren alle 26 Wohnungen ab 40 Quadratmetern vermietet“, so Christian Stiffel, Immobilien-Verwalter bei der K&K Objektservice und Gebäudemanagement, der von Berlin aus für die Verwaltung des Hornschen Hofs zuständig ist. Fred Muhsal, seiner Frau und vier weiteren Käufern ist es zu verdanken, dass der historische Hof – einst als Lager und Veranstaltungsort genutzt – nun wieder bewohnbar ist. Seit 1997 stand das denkmalgeschützte Kleinod leer und drohte vollständig zu verfallen.


Besuch aus aller Welt ist willkommen


„Der Hornsche Hof war als Sanierung doch ein sehr kompliziertes Gebäude“, sagt Muhsal. Es sei nicht einfach gewesen, die Anforderungen von Denkmal-, Brand-, Schall- und Wärmeschutz unter einen Hut zu bringen. „Aber ich denke, es ist ein schönes Gebäude entstanden“, so Muhsal. Er selbst wäre am liebsten in eine der Dachgeschosswohnungen gezogen.

„Das Zusammenleben läuft gut, wir diskutieren viel“, sagt Kugler. Rituale wie Tatort-Abende mit bis zu 15 Personen, gemeinsames Joggen, Musikabende, WG-Meetings stärken das Wir-Gefühl. „Und wenn wir verreisen, schreiben wir uns Postkarten“, so Kugler. Außerdem werden regelmäßig Couch-Surfer aufgenommen, die dann hinter dem Kleiderschrank nächtigen – wo sonst die Wäsche abgelegt wird.

Die WG-Bewohner sind 22 bis 29 Jahre alt und stehen zwischen 6 und 11.30 Uhr auf. Trotzdem – oder gerade deshalb – sind in der „kleinen Familie“ alle befreundet und fast immer gut drauf. Zum Frühstück gibt es manchmal sogar Kaviar, und wer kocht, gibt das Essen für alle frei. Dank wöchentlichem Putzplan funktioniert es auch mit der Hygiene – „nach getaner Arbeit kleidet das Putzteam unsere Schaufensterpuppe neu an“, sagt Stefanie Grimnitz. Die 27-Jährige schreibt gerade ihre Masterarbeit in BWL und freut sich, dass beim Frühstück manchmal über Start-Ups diskutiert wird.

Kurz nach Weihnachten ist sie eingezogen und ganz begeistert, dass das Zusammenleben mit den fünf Frauen und zwei Männern so gut läuft. „Morgens macht der Erste leise Tee und Kaffee für alle“, so Grimnitz. Und wenn jemand aus der Runde länger nicht da ist, beschleicht die anderen unter den historischen Balken ein komisches Gefühl.

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