Verkehrssicherheit : So gefährlich ist Rostock für Radler

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Seltener Unfälle, aber häufiger verletzt/ Stadt wirkt mit Tempodrosselung entgegen

svz.de von
18. September 2015, 12:00 Uhr

Helmpflicht? – „Nein“, sagt Rostocks Mobilitätskoordinator Steffen Nozon. Das schrecke ab. In der Stadt sollen Radfahrer sich sicher fühlen. Eine Helmpflicht würde das Falsche signalisieren und am Ende wahrscheinlich noch eine grelle Warnweste zur Pflicht machen. Gefahren gibt es für Radfahrer im Straßenverkehr aber natürlich schon, räumt Nozon ein.

Wenn es zum Unfall kommt, sieht es für den Radfahrer in 75 Prozent der Fälle schlecht aus – sie verletzen sich. „Autos sind technisch halt so hochgerüstet, dass den Fahrern seltener etwas passiert“, sagt Nozon. In der Statistik und ein bisschen auch im wahren Leben fangen die schwächeren Verkehrsteilnehmer die Schäden ab. So ist der Anteil der Unfälle mit Radfahrern vergleichsweise gering – liegt mit 402 von 5727 bei 7 Prozent. Sie machen aber 48 Prozent der Verletzten aus.

Dagegen lässt sich per se nichts tun, aber die Umstände optimieren, findet auch das Tief- und Hafenbauamt. Das hat schon vor Jahren eine Unfallkommission mit Verkehrsplanern und Polizei gegründet und verfolgt die „Mission 0“, keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr zu haben. Von diesem Einsatz profitiert vor allem der motorisierte Verkehr, da ein Schwerpunkt des Teams auf Unfallhäufungsstellen liegt, solchen Orten, an denen mindestens fünf Unfälle der gleichen Art passieren. „Das gibt es bei Radfahrern nicht“, sagt Nozon. Der Verkehr fließt eben einfach anders. Trotzdem bringt die Kommission, die Umstände verbessern will, auch für Radfahrer Erfolge.

Auf der Krämerstraße runter zur Grubenstraße ist der Radweg jetzt rot. Klingt einfach, scheint aber zu wirken. „Es fällt einfach auf“, sagt Nozon. Und das ist auch der „Hintergedanke“, sagt Mike Wiedow vom Amt. So bemerken Autofahrer die dort fahrenden Radler und deren Vorfahrt.

Wünschenswert findet der Mobilitätskoordinator die Verkehrsberuhigung. Beispiel: die Ulmenstraße. Sie wird ab 2016 in mehreren Abschnitten bis in die Maßmannstraße umgestaltet – aufgepflasterte Fußgängerinseln, Haltestellen für die Campuslinie, Radweg mit Abstand zu Parkenden und vorwiegend Tempo 30. „Dabei passiert einfach weniger als bei 60 Kilometern pro Stunde“, sagt Nozon und zieht alles in allem positive Bilanz: „Rostock ist eigentlich nicht gefährlich für Radfahrer.“ Das zeige sich auch daran, dass der Anteil der Radler nach oben geschnellt ist, die Unfälle aber nicht mal ansatzweise in gleichem Maße.

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